und Teilhabepaket

Gesundheitsförderung durch Teilhabe

Fachtag beleuchtete Potentiale des Bildungs- und Teilhabepakets

Mainz, 10.11.11 Oft haben Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien weniger Möglichkeiten, an Aktivitäten in Schule, Stadtteil und Freizeit teilzunehmen als sozial besser gestellte Gleichaltrige. Dies wirkt sich auf die Lebenswelt der betroffenen Kinder und Jugendlichen aus und kann auch ihre gesundheitliche Verfassung beeinträchtigen. Ausgehend von der Erkenntnis, dass Teilhabe am gesellschaftlichen Leben eine wichtige Basis für Wohlbefinden und Gesundheit darstellt, lud das Netzwerk Regionaler Knoten Rheinland-Pfalz: „Kindergesundheit in sozial benachteiligten Lebenslagen“ zu einer Fachtagung in den Erbacher Hof in Mainz ein. Das Netzwerk, angesiedelt bei der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), stellte den Fachtag unter den Titel „Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen in sozial benachteiligter Lebenslage durch Teilhabe – Bildungspaket & Co.?“. Es wurde diskutiert, wie die gesellschaftliche Partizipation von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen erhöht werden kann. Ebenso wurde erörtert, wie das zu Jahresbeginn in Kraft getretene Gesetz zum Bildungs- und Teilhabepaket bisher umgesetzt wurde und welche Optimierungsmöglichkeiten es dazu gibt.

Mehr als 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnte Christine Morgenstern, Abteilungsleiterin Gesundheit im Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, zu der Tagung begrüßen. Als erster Referent berichtete Dr. Dietrich Engels vom Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik Köln von Studien, die den Zusammenhang von sozialer Lage und Teilhabe erforschten. Diesen zufolge haben Kinder und Jugendliche aus armutsgefährdeten und belasteten Familien weniger finanzielle Spielräume (z. B. weniger Taschengeld), sie haben oft größere Schwierigkeiten in der Schule und partizipieren in geringerem Maße an Sport und kulturellen Angeboten als Kinder aus Familien in sozial besserer Lebenssituation. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen, dass belastete Lebenslagen sich auch auf die gesundheitliche und emotionale Befindlichkeit der Jugendlichen auswirken. Dr. Engels skizzierte in seinem Vortrag, wie die Komponenten des Bildungs- und Teilhabepakets zur Verbesserung der Situation beitragen können.

Prof. Dr. Werner Wüstendörfer von der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg verdeutlichte in seinem Beitrag, dass es für Eltern im Hartz IV-Bezug wichtig ist, dass ihre Kinder an der Gesellschaft teilhaben: „Alle Eltern wollen das Beste für ihre Kinder. Sie sind bereit Verantwortung zu übernehmen und tun dies auch. Allerdings benötigen einige Familien hierfür besondere Unterstützung und Hilfestellungen von außen. Soziale Dienste erreichen arme Familien aber nur sehr begrenzt“, so Prof. Wüstenörfer. Er forderte mehr niedrigschwellige Unterstützungsangebote, die beispielsweise an Regeleinrichtungen angegliedert sein sollten.

Im Anschluss an die beiden Fachvorträge zeigte die Breakdancegruppe „Generation X“, wie gelungene Teilhabe aussehen kann. Die Tanzgruppe erreicht viele Jugendliche aus sozial benachteiligten und migrationsgeprägten Familien und bietet eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Sie wird vom SV Goethe e.V. Mainz in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendschutz/Streetwork Mainz und den Gesundheitsteams vor Ort getragen.

Nach der Mittagspause vertieften vier praxisbezogene Workshops mit unterschiedlichen Schwerpunkten das Thema. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer widmeten sich den Fragen, wie Kindern und Jugendlichen in sozial benachteiligter Lebenslage eine verbesserte gesellschaftlich-politische Teilhabe sowie die Beteiligung an Sportangeboten ermöglicht werden kann. Auch betrachteten sie die Potentiale der Ganztagsschule hinsichtlich Partizipation und diskutierten die Umsetzung und Nutzung des Bildungs- und Teilhabepaketes in den rheinland-pfälzischen Kommunen und Kreisen.

Die Veranstaltung des Regionalen Knotens Rheinland-Pfalz richtete sich an Fachkräfte und Multiplikatoren der Gesundheitsförderung, pädagogische Akteure aus dem Arbeitsfeld mit sozial benachteiligten Kindern, Jugendlichen und Familien, Projektträger, Fachkräfte aus dem Gesundheits- und Sozialwesen, Kommunalvertreter und -vertreterinnen sowie an alle Interessierten.

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