Finanzprodukte weiterhin undurchsichtig

Verbraucherschutz

Hartloff: Finanzprodukte auch weiterhin undurchsichtig / schnelle Regelung für den „Honorarberater“ gefordert

Mainz, 17.11.11 „Die Entwicklung der vergangenen 50 Jahre hat gezeigt, dass technischer Fortschritt, die Internationalisierung der Märkte und die Finanzkrise zu einer wachsenden Bedeutung der Verbraucherpolitik geführt haben. Daher ist es gut, dass es die Verbraucherzentralen mit ihrer geballten Kompetenz gibt“, betonte Verbraucherschutzminister Jochen Hartloff anlässlich der Jubiläumsfeier zum 50jährigen Bestehen der Beratungsstelle Koblenz.

Hartloff beanstandete im Zusammenhang der Finanzmarktdiskussion, dass auch weiterhin viele Produkte für die Verbraucherinnen und Verbraucher eine „black box“ seien. Viele Kunden verlören mit Anlageprodukten, deren Risiko sie kaum bewerten könnten, ihre Ersparnisse. Resultierend aus den Erfahrungen der Finanzmarktkrise seien in den letzten Jahren Verbesserungen vollzogen worden, jedoch könnte man diese nicht als ausreichend erachten.

„So müssen Banken ab dem 1. Juli 2011 Verbrauchern bei Anlageberatungen verpflichtend ein vereinheitlichtes Produktinformationsblatt zur Verfügung stellen. Die konkrete Ausgestaltung der Vorgaben für eine gesetzliche Verpflichtung zur Protokollierung des Beratungsgesprächs, zur Einrichtung eines Anlageberaterregisters und zur Einführung eines Produktinformationsblattes bleibt allerdings hinter den Forderungen des Bundesrates zurück. Die immer noch kompliziert geschriebenen ‚Beipackzettel’ sind oftmals nicht darauf ausgelegt den Kunden transparent zu informieren. Das kritisiere ich ausdrücklich“, so Hartloff. Derzeit würden auch die Eckpunkte für eine gesetzliche Regelung des Berufsbildes des Honorarberaters diskutiert. „Wir werden diesen Prozess aktiv begleiten“, so der Minister. Das Eckpunktepapier des Bundes betrifft die Beratung über Geldanlagen, Versicherungen oder Darlehen, bei der der Berater keine Provision vom Anbieter bekommt. Stattdessen bezahlt der Kunde für die Beratung, unabhängig davon, ob am Ende ein Produkt vermittelt wird oder nicht. Damit sollen Interessenkonflikte vermieden werden, denn oftmals empfehlen Bankangestellte oder Versicherungsvermittler ihren Kunden nicht das für ihre Lebenssituation am besten geeignete Produkt, sondern das Produkt, für das der Anbieter dem Vermittler die größte Provision zahlt.

Zur Verbraucherzentrale: Die Verbraucherzentrale ist mit sechs Beratungsstellen (Kaiserslautern, Koblenz, Ludwigshafen, Mainz, Pirmasens und Trier) im Land vertreten. Darüber hinaus gibt es noch einige Stützpunkte, die einmal wöchentlich geöffnet sind (Betzdorf, Hachenburg, Cochem, Germersheim). Rund 160.000 Menschen haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verbraucherzentrale 2010 persönlich, telefonisch oder schriftlich beraten. Das Land hat die Verbraucherzentrale 2011 mit rund 2,5 Millionen Euro gefördert.

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