Sonntagskommentar Erwartungsvolle Zeit

Mainz, 11.12.11 hpt.    Vor genau einem Monat am 11.11.11 begingen die

Karnevalisten die Eröffnung ihrer sogenannten Kampagne. Wohl wissen, daß zu nächst Totengedenken, Advent, Weihnachten und der Jahreswechsel zu begehen sind. Schon am 11.11. wird zwar um Elf Uhr elf die Kampagneneröffnung gefeiert, des Abends geht aber ein anderer Umzug durch die Stadt: der Martinsumzug. Neben der religiösen Bedeutung auch eine Erinnerung an die Zeit, als es noch keine Straßenbeleuchtung gab.

Das ist etwa 230 Jahre her, da trugen die Menschen, die des Nachts durch ihre unbefestigten Straßen wateten, noch eine Laterne vor sich her, um wenigstens einen Teil des Weges zu sehen.

 

Dunkel war es früher im Winter wirklich. Nicht nur, daß es keine Straßenbeleuchtung gab. Es gab noch keine elektrische Beleuchtung und die Öllampe war auch noch nicht erfunden. Man ging „mit den Hühnern“ ins Bett, eben dann, wenn es dunkel war. Nur begüterte Menschen konnten es sich leisten, mit Kerzen oder Kienspänen die Nachtruhe noch etwas hinauszuzögern. Aber auch die Abende waren ruhig: keine musik- oder filmmwiedergebende Geräte, kein Telefon- oder Händiklingeln, keine laufenden Haushaltsmaschinen wie Wäschetrockner etc. Wer Unterhaltung wollte, mußte ins Theater oder die Oper. Zu Hause gab es den Kalender, häufig das einzige Buch in einem Haushalt.

 

Mit der Elektrizität wurde alles anders: es gab Licht, wann immer das erwünscht war, in der relativ kurzen Zeit von Beginn der Elektrifizierung bis heute entstand eine weltumspannende Elektrokommunikation, an der jeder teilnehmen kann. Strom und damit Nachrichten,  Musik, Computerspiele und was immer Sie noch wünschen, ist jederzeit sofort verfügbar. Großrechner reagieren auf die Kurse der Börsen weltweit und schaufeln in Sekunden Milliarden um den Erdball.

 

Es ist schnell geworden, nur die Menschen selbst haben ihre alte Geschwindigkeit behalten. Sie können nicht 24 Stunden lang wach bleiben, sie brauchen ihren Schlaf. Sie können nicht ununterbrochen arbeiten, sie brauchen ihre Erholungsphasen, sie können nicht sofort entscheiden, sie müssen erst nachdenken.

 

Die eigene Geschwindigkeit des Menschen verträgt sich nicht mit der Nachrichtengier der Medien. Diese berichten Ergebnisse von Verhandlungen ja gerne, bevor die Verhandlungen überhaupt stattgefunden haben…

 

heute Nacht hat sich die UN-Klimakonferenz in Durban darauf geeinigt, bis 2015 ein verbindliches Abkommen abzuschließen.  Damit sollen die kKlimaprobleme durch überbordende Energieproduktion gemildert werden.

 

Diese Nachricht über den Kompromiß war Sekunden später um die Welt. Wir müssen allerdings bis 2015 warten, bis es klar ist, ob das Abkommen zustande kommt. Die Chancen stehen nicht schlecht:Im kommenden Jahr wird in den USA gewählt,, , damm hat der dortige Präsident oder die Präsidentin zwei Jahre Zeit für Unpopuläres. Klimaschutz bedeutet ja auch Änderung der Lebensweise.

 

Freitag einigten sich fast alle EU-Staaten darauf, zukünftig die „Schuldenbremse“ einzuhalten. Die Umsetzung dieser Einigung braucht

Zeit: die nationalen Parlamente müssen der notwendigen Vertragsregelung zustimmen, die Haushalte für 2012 sind schon aufgestellt: diese Maßnahme greift frühestens 2013. 2013, wenn die Dreizehn mal kein Unglück bringt?! Glauben Sie wirklich an diese Unglückszahl?

 

Das Unglück wurde aber bereits am Freitag entschieden: Sparen ohne die Wirtschaft zu stärken, Schulden zwar bremsen , aber nicht zurückzahlen.

 

Ob dies den deutschen Europa-Spezialisten bei der größten amerikanischen Rating-Agentur besänftigt? Eher nmicht. Es ist ja nicht nur die EU, die sich immer neu verschuldet, es sind auch die USA. Da deren Verschuldung ungleich höher ist, können die sich keine Konkurrenz leisten. Die wollen eben alles Geld, das zu haben ist. Bei einer Neuverschuldung von 25 Milliarden Euro am Tag, wie in den USA, würde die Schuldenuhr des Steuerzahlerbundes bald ohne Zeiger dastehen, die flögen bei dieser Geschwindigkeit ab.

Da haben es die Europäer doch lieber gemächlicher. Die Bundesregierung hat für das kommende Jahr „nur“ eine Neuverschuldung von ca. 26 Milliarden eingeplant. Vielleicht schimpft die rheinland-pfälzische Oppositionsführerin Julia Klöckner deshalb so sehr über den Landeshaushalt, weil seine Neuverschuldung mit 800 Millionen gegenüber der Neuverschuldung des Bundes unverhältnismäßig gering ist?

 

Was hatte sich die Frau aufgeregt, daß sie den Haushaltsentwurf angeblich zu spät bekommen hat, dabei hatte sie das Exemplar nur im Posteingang übersehen. Übersehen hat sie in der Landtagsdebatte letzte Woche auch, daß sich die rheinland-pfälzische Kontrollkommission des Verfassungsschutzes immer dann trifft, wenn es notwendig ist und nicht nur zwei Mal im Jahr, wie von ihr behauptet. Aus Rheinland-Pfalz sind bislang keine Fehler im Umgang mit der rechtsradikalen Mörderbande bekannt, allerdings aus dem CDU-regierten Hessen. Da lenkt die Klöcknerin schon mal gerne ab.

Überhaupt: der Wunsch ist der Vater des Gedankens bei der Oppositionsführerin. So auch bei der Interpretation der Politrend-Umfrage des SWR. CDU und SPD liegen da mit 37% gleich auf. Mit den Grünen hat die Koalition allerdings stabile 52%. „Koalition hat die Mehrheit verloren“ ttitelte eine rheinland-pfälzische Tageszeitung bei Überfliegen der entsprechenden CDU-Pressemitteilung, gab dann aber die Politrendzahlen exakt wider.Eine andere Zeitung titelte: Julia Klöckner immer näher an ihrem Ziel Ministerpräsidentin zu werden“. Klar, ihr fehlt ja nur noch ein Koalitionspartner mit 15% der Wählerstimmen. Die FDP wirds nicht bringen, die hatte bei der Umfrage gerade 3%. Immerhin ein Prozent mehr als die Linke, aber auch ein Prozent weniger als die Piraten.

 

edoch: die letzte Landtagswahl war gerade erst vor 9 Monaten, es dauert noch mehr als 4 Jahre bis zur nächsten Landtagswahl. Bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein herunter. Wenn es denn fließt. Immerhin: das Problem des austrocknenden Rheins, hat sich gelöst: nach einer Woche Regen ist wieder Wasser im Fluß!. Nun können die Container mit den in China produzierten Geschenkartikeln ja rechtzeitig zum Fest kommen.

Ein Ereignis ist ja tatsächlich nah: Weihnachten: in 13 Tagen ist der Weihnachtsabend. Schade nur, daß er in diesem Jahr auf Samstag fällt.

Zwei Feiertage werden vom Wochenende verschluckt! – ärgern sich die Arbeitnehmer. Zwei Tage mehr zur Produktion, freuen sich die Unternehmer.

 

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