FsJ in Ganztagesschulen erfolgreich

Schule:

Ahnen: Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Ganztagsschulen bringt doppelten Gewinn – Jugendliche und Schulen profitieren

Mainz, 17.12.11 Rund 3.000 junge Frauen und Männer haben sich seit dem Jahr 2007 entschlossen, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in einer vom Land Rheinland-Pfalz eingerichteten Ganztagsschule abzuleisten, rund 1.000 junge Leute tun dies im laufenden Schuljahr. „Das FSJ in unseren Ganztagsschulen ist eine echte Erfolgsgeschichte“, betonte Bildungsministerin Doris Ahnen Freitag bei einem Pressegespräch in der Kanonikus Kir-Realschule plus in Mainz-Gonsenheim. „Gegenüber dem Start im Schuljahr 2007/2008 hat sich im laufenden Schuljahr die Zahl der FSJlerinnen und FSJler mehr als verfünffacht. Ich freue mich sehr, dass sich so viele junge Menschen sozial engagieren und sich dabei für den ,Arbeitsplatz Ganztagsschule‘ interessieren. Die jungen FSJlerinnen und FSJler sind ein Gewinn für die Schulen, ihr Schulklima und ihr Angebot. Und Befragungen haben ergeben, dass diese Einsätze auch ein wichtiger Bestandteil für die berufliche Orientierung junger Frauen und Männer sowie für die Nachwuchsgewinnung im Lehrerberuf sein können.“

Gemeinsam mit der Ministerin präsentierten Lukas Nübling, Geschäftsführer des Kulturbüros Rheinland-Pfalz, das einer der beiden größten Träger von FSJ-Angeboten in der Ganztagsschule ist, und die Konrektorin der Kanonikus Kir-Realschule plus, Petra Polster, eine Zwischenbilanz des FSJ in Ganztagsschulen. Die beiden FSJlerinnen Julia Nusser und Nadine Weinheimer steuerten ihre persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse bei.

„Lernprozesse in der Schule spielen sich nicht nur in den Beziehungen zwischen Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern oder aber unter Gleichaltrigen innerhalb der Klassen und Lerngruppen ab. Gerade im rheinland-pfälzischen Konzept der Ganztagsschule ist das Lernen deutlich weiter gefasst. Ganztagsschulen erhalten daher nicht nur zusätzliche Lehrerzuweisungen, sondern auch ein Budget zur Finanzierung pädagogischer Angebote, die von außerschulischen Fachkräften in die Schule eingebracht werden. Mit der Verankerung des Freiwilligen Sozialen Jahres in den Ganztagsschulen im Jahr 2007 ist dann noch ein weiteres zusätzliches Angebot entstanden, das die Arbeit der Schulen unterstützt und nochmals erweitert. Die FSJlerinnen und FSJler sind alters- und erfahrungsmäßig relativ nah bei den Schülerinnen und Schülern, füllen aber eine andere Rolle aus als ältere Mitschülerinnen und Mitschüler. Damit entstehen neue Lerngelegenheiten und werden neue Lernbeziehungen möglich, die es vorher so nicht gab. Ganz abgesehen davon bringen die jungen Frauen und Männer auch jede Menge neue Ideen in die Schule“, unterstrich die Bildungsministerin. Als Beispiele nannte sie eine Styling-AG, die Veranstaltung eines Rock-Konzerts, eine Schwarzlichttheater-AG sowie eine ganze Reihe von Angeboten in Trendsportarten. An der Realschule plus in Mainz-Gonsenheim bieten die FSJlerinnen Julia Nusser und Nadine Weinheimer unter anderem beispielsweise eine Arbeitsgemeinschaft an, in der „aerobic“ und „rope-skipping“ zu einem bewegungsintensiven Training gemischt werden.

Für die stellvertretende Schulleiterin Petra Polster, die in der Kanonikus Kir-Realschule plus ganz besonders die Orientierungsstufe (Klassen 5 und 6) betreut, sind die Freiwilligen auch aus anderen Gründen eine Bereicherung: „Sie können uns Lehrerinnen und den Lehrern manchmal einen neuen Zugang zu Schülerinnen und Schülern eröffnen. Sie unterstützen uns bei der Aufsicht in den Pausen und beim Mittagessen. Und sie helfen dabei, das Angebot in der täglichen Lernzeit, in der Erlerntes weiter eingeübt und gefestigt wird, besser auszugestalten.“

All dies könnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am FSJ, die zum größten Teil im letzten Schuljahr erst das Abitur gemacht haben, selbstverständlich nur erfolgreich leisten, wenn sie entsprechende Schulungen und professionelle Unterstützung erhalten, unterstrich der Geschäftsführer des Kulturbüros Rheinland-Pfalz, Lukas Nübling. „Neben einer zentralen Einführungsveranstaltung, bei der in Workshops schon Tipps zum Einsatz in den Ganztagsschulen gegeben werden, sind für alle FSJlerinnen und FSJler vier fünftägige Bildungsblöcke verpflichtend, in denen es vor allem um pädagogische und psychologische Fragen geht. Darüber hinaus können sich die jungen Frauen und Männer dann noch aus einem Angebot vier Wahlseminare heraussuchen“, betonte Nübling. Nach dem Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes betreut das Kulturbüro die meisten FSJlerinnen und FSJler in Ganztagsschulen landesweit. Allein im laufenden Jahr sind dies 260 junge Leute. Nübling ergänzte: „Das Schöne ist: Man hat interessierte, motivierte und kommunikativ offene junge Menschen als Zielgruppe. Dies ermöglicht ein inhaltliches Arbeiten auf hohem Niveau, ergebnisoffen und dennoch zugleich zielorientiert. Und die Rückmeldungen zeigen uns, dass sehr viele junge Frauen und Männer in dieser Zeit wertvolle Erfahrungen sammeln, die ihren weiteren Berufsweg prägen. Dass dieses Angebot sinnvoll ist und ankommt, zeigt zudem die Tatsache, dass bei einer Befragung von ehemaligen FSJlerinnen und FSJlern fast 29 Prozent sagten, sie seien auch nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr weiterhin an ,ihrer‘ Schule tätig.“

Bildungsministerin Ahnen hob ein weiteres Ergebnis der Befragung von Absolventinnen und Absolventen des FSJ in Ganztagsschulen hervor: „Das FSJ hat sich in den letzten Jahren zu einem wertvollen Baustein in der Nachwuchsgewinnung von Lehrkräften entwickelt. Fast 60 Prozent der Teilnehmenden wollten nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr ein Studium in den Bereichen Lehramt, Pädagogik oder Sozialarbeit aufnehmen. Fast 37 Prozent strebten sogar ganz konkret ein Lehramtsstudium an. Und nahezu einhellig war der Tenor: Wir wissen jetzt viel besser, worauf wir uns einlassen!“ Seit mehr als zehn Jahren bereits steige in Rheinland-Pfalz das Interesse an einem Lehramtsstudium wieder an, erinnerte Doris Ahnen und ergänzte: „An den Universitäten des Landes sind aktuell fast doppelt so viele junge Frauen und Männer in einem Lehramtsstudiengang eingeschrieben wie 2001. Dank des Freiwilligen Sozialen Jahres steigt dabei der Anteil derjenigen, die schon sehr konkrete Vorstellungen und Erlebnisse mit ihrem künftigen Berufsalltag verbinden können. Das wird der Qualität der Lehrerkollegien in Zukunft mit Sicherheit zugutekommen.“

doc iconGTS + FSJ 161211.doc

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