Sonntagskommentar Wer wird was?

Mainz, 18.12.11 hpt. Es gibt schon wundersame Karrierewege. Ein ehemaliger Bundeswirtschaftsminister, der versuchte die Opel-Rettung zu torpedieren, wurde Bundesverteidigungsminister. Weil er so gut mit Torpedos umging? Dann wurde aus dem Bundesverteidigungsminister ein freischaffender Denker in Hallifax, USA. Hallifax ist stincklangweilig.
Also trat der Freischaffende bei einem Sicherheitskongreß in Kanada als erfahrener Staatsmann auf. Kanada hat doch nur Bäume…Diese hat die Familie des Freischaffenden zu Hauf. Einer seiner Brüder ist ja auch Vorsitzender des Verbandes der privaten Grundbesitzer. Den Vorsitz des Verbandes der privaten Waldbesitzer hat ja schon der Prinz Salm zu Salm.
Kanada, wie gesagt voller Bäume. Da war es dann doch schöner in der Suite eines Londoner Luxushotels. Aber das Glück mit Giovanni, rassig diese Italiener, dauerte auch nur eine Woche. Da kam dann ein Buch heraus. Mäßiger Mißerfolg. Der Freischaffende langweilte sich.
Wie gut, daß es die EU-Konnission gibt. Die sucht zwar keine Heiligen, aber „kreative“ Köpfe. Wie kreativ der Freischaffende ist, zeigte sich ja darin, daß er eine Doktorarbeit in der Form eines Readers digets aus dem Internet bastelte. Eine eigenwillige Interpretation der Freiheit des Internet. Aber für die EU-Kommission soll er -ehrenamtlich natürlich- die Freiheit des Internet gegenüber autoritären Staatsführungen verteidigen. Beispielsweise gegen die russische Staatsführung.

Diese russische Staatsführung hat unseren Freischaffenden nicht unter Vertrag. Dafür einen ehemaligen Bundeskanzler, der ehemals als Anwalt RAF-Angehörige verteidigte. Nun verteidigt er die Interessen eines Gasriesen und der ungebremsten Gaszufuhr nach Deutschland. Der MMann verdient dabei so gut, daß er die Erhöhung des Spitzensteuersatzes bei der Einkommenssteuer fürchtet.. „Steuererhöhungen sind gefährlich“, verlautete er letztes Wochenende in der Bildzeitung…

Nicht jeder Politiker allerdings macht sich in der freien Wirtschaft gut. Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident, der nach seiner Abwahl zu einem Pharmaunternehmen floh, ist diesen Job schon wieder los. Es ist ja auch zu peinlich, wenn man bei einem verfassungswidrigen Unternehmens-Kkauf für 6 Milliarden Euro ertappt wird. Diese 6 Milliarden Euro aus der Dividende des Unternehmens zahlen wollte und dieses dann wegen des Atomausstieges Verluste produziert. So viel mangelnde Weitsicht und Illegalität ist dann sogar einem Pharmaunternehmen zu viel.

Dieser Fall ist eine Warnung für vom Amtsverlust bedrohte Politiker.
Vollautomatisch ist offenbar der Übergang in lukrative Posten der Wirtschaft nicht möglich. So haben die Abgeordneten des kleineren Koalitionspartners in Berlin Sorgenfalten auf der Stirn. Was wird nach 2013? Das läßt sie bei der Stange bleiben, um nicht vorzeitig der Arbeitslosigkeit anheim zu fallen. Gut, einige sehr herausgehobene Persönlichkeiten dieses Koalitionspartners haben gute Chancen. Der Wirtschaftsminister könnte als Marionettenspieler sehr gut die Figur des Pinnocchio führen und sprechen. Der Fraktionsvorsitzende und die Justizministerin sind im Pensionsalter. Ja, der junge Gesundheitsminister könnte eine Karriere als Pharmavertreter beginnen.

Aber die anderen? Keine Professur in Princetown, wie ein ehemaliger Außenminister, kein Atomlobby-Posten, wie ein ehemaliger Wirtschaftsminister.

„Was wird danach?“ schien einen ehemaligen Ministerpräsidenten besonders zu bewegen. So schuf er sich ein „privates“ Netzwerk mit Unternehmern und Finanzhochseilakrobaten, erschloß „private Finanzierungsquellen“.
Dann ging der Amtsverlust jedoch ganz anders aus. Er wurde ganz nach oben hochgelobt…Dumm nur, daß diejenigen, die in Hannover an seinem Stuhl sägten, einfach weitersägen. Unsäglich sozusagen. Schade wäre es schon, wenn die Stuhlbeine durchgesägt würden. Dann wäre man des Mannes verlustig, der als Erster sein Amt intensiv für die Integration von MigrantInnen nutzt.

Jede MMedaillie hat zwei Seiten.

Schauen wir in die Zukunft: die Bundeskanzlerin verlöre gegen ihre eigene Erwartung ihr Amt. Wo hat sie dann Chancen? Als Professorin für experimentelle Physik. Die ist nicht so weit von der experimentellen Politik entfernt. Ihr Finanzminister ist ja auch schon pensionsreif, könnte aber immer noch Sparkassendirektor werden.

Kurt Beck hat sich schon entschieden, er will nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Ministerpräsidenten, in Pension gehen und sich ehrenamtlich dem Tierschutz widmen. Für den Tierschutz hat seine Regierung schon viel getan, beispielsweise mit dem Verbot für die Käfig-Haltungvon Hühnern.

Einflußreicher noch als die Politiker sind die Finanzmanager, auch wenn sie die Politiker brauchen, um sich ihre Verluste aus der Staatskasse bezahlen zu lassen.
Welche Berufe könnten die wohl ergreifen, wenn sie ohne Abfindung und durch Einzug ihres Vermögens für die verursachten Verluste, auf Arbeit angewiesen wären? Sie könnten Spielbank-Manager werden.

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