Stresstest Cattenom Lemke: „Analyse belegt: Auch Klimawandel als Risiko für AKW Cattenom“

Mainz, 20.12.11 „Unser Eindruck bestätigt sich, dass das Atomkraftwerk Cattenom ein Sicherheitsrisiko darstellt, weil es erhebliche Mängel aufweist“, stellt die rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Energieministerin Eveline Lemke fest. Sie bezieht sich hierbei auf den jetzt abgeschlossenen Zwischenbericht des vom Land eingesetzten Beobachters Dieter Majer zum Stresstest für das AKW Cattenom.

Rheinland-Pfalz, das Saarland und Luxemburg hatten gemeinsam einen Beobachter nach Frankreich entsandt. Aufgrund dessen Analyse stellen die drei Länder übereinstimmend fest, dass Mängel der Stresstest-Analyse des Kraftwerksbetreibers in den darauf folgenden Empfehlungen der französischen Expertengruppen nicht entsprechend beachtet wurden. So könnte ein Jahrhundertregenfall von 60 Minuten in Kombination mit verstopften Regenwasserabläufen zur Überflutung von für die Sicherheit wichtigen Gebäuden führen. In Folge des Klimawandels werden sowohl Trockenperioden als auch Starkregenereignisse öfter erwartet, womit das Risiko aus Defiziten der Wärmesenken erheblich steigt. Im umgekehrten Fall für Niedrigwasser nach langer Trockenheit hängt die Wärmeabfuhr des AKW Cattenom alleine vom Mirgenbachsee ab. Außerdem sind die vom Betreiber vorgeschlagenen Fristen für weitere Analysen und die Behebung von erkannten Mängeln deutlich zu lang.

Das im Stresstest eingebundene französische Institut für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit greift Erfahrungen aus der Atomkatastrophe von Fukushima auf und rät unter anderem zu Anpassungen der Regelwerke. Zudem solle in den Atomkraftwerken ein „harter Kern“ geschaffen werden, in dem beispielsweise zusätzliche Stromversorgungen und Kühleinrichtungen enthalten sind.
Dieser harte Kern solle auch extremen Situationen wie Naturkatastrophen
– die größer
sind als das, was bisher zu beachten war – standhalten können.

Die Forderung nach einem „harten Kern“ müsse, so der Zwischenbericht des Beobachters, kritisch betrachtet werden. Die Wirksamkeit eines „harten Kerns“ hänge letztlich von den darin enthaltenen Komponenten und Systemen bzw. an die daran gestellten Anforderungen ab. Hier bestehe noch ein erheblicher Diskussionsbedarf.

Lemke: „Unser Zwischenbericht bietet eine gute Grundlage für unsere Forderung, das grenznahe AKW abzuschalten. Jedes Zuwarten birgt Gefahren.“ Dies gelte auch dann, wenn die geforderten Verbesserungsmaßnahmen umgesetzt würden, so Lemke und verweist auf die Aussagen im Zwischenbericht zum verbleibenden Restrisiko.

Anfang des Jahres 2012 will die französische Atomaufsichtsbehörde ASN ihre Stellungnahme zu den vorliegenden Berichten und Empfehlungen und die von ihr daraus abgeleiteten Forderungen veröffentlichen.

Der vollständige Zwischenbericht der Länder Rheinland-Pfalz, Saarland und Luxemburg zum Stresstest für das AKW Cattenom ist auf der Internetseite des Wirtschaftsministeriums Rheinland-Pfalz unter http://www.mwkel.rlp.de/Strahlenschutz/Nukleare-Sicherheit/KKW-Cattenom/
veröffentlicht.

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