Arbeitsmarkt: Boom durch obskure Beschäftigung?

Mainz, 03.01.12 hpt. Um die Jahreswende erreichten uns unterschiedliche Nachrichten zum Arbeitsmarkt. Von den 2,8 Millionen Beschäftigten, die 2011 arbeitslos wurden, erhielt ein Viertel vom anfang an ALG2, da sie entweder zu kurz gearbeitet hatten oder zu niedrige Löhne bezogen, um vom regulären Arbeitslosengeld leben zu können.

Die hohe Zahl von 2,8 Millionen neuen Arbeitslosen in 2011 spricht auch dafür, dass viele aufgrund der Zeitarbeit und begrenzter Arbeitsverträge immer wieder kurzfristig arbeitslos werden. Sichere Beschäftigung sieht anders aus.

Stolz verkündete die Arbeitsagentur, dass sie im vergangenen Jahr 70 Millionen „Gewinn“ gemacht habe. Dieser sogenannte Gewinn entsteht durch die Budgetierung der Mittel für die Arbeitsvermittler. Wer wenig ausgibt, wird gelobt. So sinken die Fördermittel, insbesondere bei den Eingliederungshilfen und den Arbeitsmarktmaßnahmen. Genehmigt werden nur noch kurzfristige Arbeitsmarktmaßnahmen.

Hit bei den Vermittlern sind die Bewerbungstrainings. So kommt, dass Langzeitarbeitslose vor allem eines vorzuweisen haben: unterschiedlichste Lebensläufe und Bewerbungsschreiben. Nachhaltige Hilfe sieht anders aus. Wer lange arbeitslos ist oder nicht mehr in seinem angestammten Beruf gearbeitet hat, hat eine verstaubte Qualifikation. Nach einer Babypause ist die Bürosoftware derart verändert, daß Wiedereinsteigerinnen erhebliche Probleme haben. In höher qualifizierten Berufen ist die Entwicklung noch dramatischer. Die einzig wirksame Maßnahme, eine Aktualisierung der Qualifikation durch beispielsweise einige Aufbausemester an einer Fachhochschule für Ingenieure wird nicht angeboten.

Aufgrund der niedrigeren Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur 2012 MitarbeiterInnen einsparen. Das ist falsch. Sie sollte die frei werdenden Kapazitäten nutzen, um aktiv und individuell Jobs für dieeinzelnen Arbeitslosen zu akquiriren. Nur so kann nachhaltige Eingliederung gelingen.

Schön ist, daß Arbeitsministerin Malu Dreyer unbeirrt für Arbeitsmarktmaßnahmen eintritt und diese finanziert, die besonders problematischen Zielgruppen, wie Jugendlichen mit Vermittlungshemmnissen helfen. Der Weg der gezielten Arbeitsmarktförderung, den Rheinland-Pfalz beschreitet, hat das Land, das vor 20 Jahren eine der höchsten Arbeitslosenzahlen aufzuweisen hatte, zu denjenigen gebracht, die unter dem Durchschnittswert in der Spitzengruppe liegen. Es geht also, leider oft nur gegen die Arbeitsagentur.

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