Sonntagskommentar: Friedrich, mir graut vor Dir

Mainz, 15.01.12 hpt. Vorgestern sangen noch morgens die Vögel in der Stadt. Ein Hauch Vorfrühjahr zeigte sich. Jetzt ist wieder Nachtfrost und die vögel schweigen am Morgen.

Trotz höherer Temperaturen scheint über dem arabischen Frühling in Ägypten auch wieder Frost zu liegen. Derweil packen medienbewußte Demonstranten in Deutschland ihre Schuhe aus und bewerfen damit den baden-württembergischen Ministerpräsidenten, treffen aber nur einen Leibwächter. Der Schuhwurf wurde in der arabischen Welt als Verachtungsgeste für die Mörder und politischen Verantwortlichen der Morde der sogenannten Sicherheitsapparate gewählt. George Dobel View(George W.), den Mann, der sich nach seiner Abwahl in den Busch (die Büsche) geschlagen hat, traf seinerzeit ein Schuh aufeiner Pressekonferenz in Bagdad, den blutrünstigen arabischen Diktatoren wurden die Schuhe gezeigt. Aber der baden-württembergische Ministerpräsident oder Christian Wulf? (Wulf, wer ist das? Ach so Präsident!) – sind da Schuhe nicht zu viel der „Ehre“? Der Baden- Württemberger setzt das Ergebnis eines Volksentscheides durch. Ihm gebührt Anerkennung, keine Schuhwürfe!

Der Bundespräsident bleibt trotz Affären wegen wahrscheinlich unrechtmäßiger Anspruchname von Vorteilen im Amt.

Aktuelle Anläße für berechtigte Schuhwürfe gäb es derzeit jedoch zu Hauf. Schon frißt die Medienmaschine einen weiteren Stoff: 300. Geburtstag des preußischen Königs Friedrich (der Große). Jetzt wird er gefeiert! Um auf seine (heute moderne) Homosexualität anzuspielen, wird er im Fernsehen und auf der Bühne von Frauen dargestellt. Warum werden eigentlich lesbische Frauen nicht von Männern gespielt? Weil es da auch nicht passte!

Der preußische König war schwul, wahrscheinlich nicht der Einzige der Könige. Er sppielte die Querflöte, korrespondierte und sprach mit Philosophen. Auch das kam andernorts vor.

Friedrich war ein Angriffskrieger. Krieg mit Österreich, um Schlesien zu erobern, 7-jähriger Krieg mit Russland. … u.s.w. Ein Grund zu feiern? Einen Mann feiern, der wegen der Reichstumsmehrung seines Könighauses und auch Landes Angriffskriege führte? Wer spricht von den Gefallenen, Ermordeten, Behinderten, die zurück blieben? Wer von den Ruinierten, die in den Kriegswirren alles verloren? Wer von den Witwen und Waisen?

300. Geburtstag dieses Königs – ein Grund zu feiern? Als das preußische Könighaus deutsches Kaiserhaus wurde, feierten sie Friedrich, den „Großen“. Der hatte Schlesien anektiert, das Kaiserreich bei seiner Gründung Elsaß/Lothringen, hatte halb Polen. Auch der deutsche Faschismus hatte in dem preußischen König sein Vorbild. Österreich wurde anektiert, das Sudetenland folgte, der Rest Europas wurde bbesetzt. Nur der Krieg gegen Russland dauerte keine 7 Jahre, der war glücklicherweise früher aus.

Die Völkermorde des sogenannten „Dritten Reiches“, die Verfolgung und Ausrottung Andersdenkender in dieser Zeit gingen über diesen Friedrich allerdings weit hinaus.

Menschen jüdischen Glaubens ließ er in Ruhe, die Hugenotten aus wirtschaftlichen Gründen ins Land. Er erließ ein Toleranz-Edikt (Toleranz heißt: Duldung). Solange die seine Macht nicht in Frage stellten, konnten sie tun, was sie wollten… Er war schoon weniger schlimm als seine NBewunderer zwischen 1933 und 1945. Auch die DDR fing dann an, diesen König zu bewundern und führte den preußischen Stechschritt in der Volksarmee ein. Honnecker war seltsam geschichtsvergessen, er hätte wissen müssen, daß Friedrich-Bewunderung zum Untergang führt. Das hatten Wilhelm II und Hitler samt Gefolgschaften schon erlebt…

Jetzt feiert die Bundesrepubblik den 300. Geburtstag Friedrich des Großen. Weil sie sich die DDR einverlaibt hat? Leute, das war eine Wiedervereinigung.

Herr Bundespräsident, Frau Bundeskanzlerin, Parteivorsitzende, Ministerpräsidenten, Funktionsträger, Journalisten von Fernsehen, Radio, Zeitungen, Zeitschriften und Internet:

Es gehört sich nicht, einen Kriegstreiber, Angriffskrieger und Kriegsführer zu feiern! An diesem Gedenken klebt zu viel Blut!

Die Sache ist also eindeutig: Heute ist der erste und der letzte Tag, an dem wir dieses Jubiläum erwähnen.

Zur aktuellen Politik:

Militärische Strukturen sind ein Wirtschaftsfaktor. Den für die deutsche Reichswehr geschaffenen Truppenübungsplatz,Baumholder, übernahmmach dem 2. Weltkrieg die US-Armee. Derzeit sind da 13 000 Soldaten stationiert, mit Familien macht das ca. 42 000 Menschen. Davon leben Baumholder und die Menschen in der Umgebung. Zieht das US Militär ab, bedeutete das Harz4 für die Mehrheit der Menschen in dieser Gegend. Zunächst einmal. Zweibrücken und der Hahn zeigen, daß mit gelungener Konversion sogar mehr Arbeitsplätze als zuvor geschaffen werden können. Aber das kostet Geld, das das Land nicht hat…Abzug aus Baumholder, wenn das Realität wird, wird eine große Herausforderung an Landesregierung und Region entstehen. Aber auch eine Chance. Friedenswirtschaft anstatt Verteidigungswirtschaft. Eveline Lemke hätte Platz für mehrere Windparks, Ulrike Höfken hätte Raum für ihren Nationalpark und der rheinland-pfälzische Kampfmittelräumdienst wäre über mindestens 100 Jahre beschäftigt. In weiten Bereichen ist der Boden kontaminiert. Den sollte die US-Armee als Sondermüll gleich mitnehmen.

Aber, wie wahrscheinlich ist es, daß die US-Armee Baumholder aufgibt? Standorte für Kampftruppen hat die USA in Europa, einen in Italien, 2 in Bayern und einen in rheinland-Pfalz. Wahrscheinlich ist, daß einer der beiden bayrischen Standorte fällt. Die CSU stellt ja nicht mehr den Verteidigungsminister. Wie das unter Franz-Josef Strauß war, gehört allerdings zur neueren Geschichte der Bundesrepublik, nicht in diesen Kommentar.

„Alles Spekulation“, meinte da begreiflicherweise ein Sprecher des rheinland-pfälzischen Innenministeriums. Die haben auch andere Sorgen, die Feuerwehren wollen trotz Rolle rückwärts von Roger Lewenz demonstrieren.

Und Julia Klöckner? In einer Pressemitteilung zeigte sie sich empört, daß die Landesregierung auf Bürgerproteste reagiert: die Polizei bliebe in der Fläche, das Oberlandesgericht in Koblenz erhalten, die Feuerwehren erhielten doch keine Kürzungen.

Frau Klöckner, „Wie kann es Sie empören, wenn die Landesregierung auf Ihre forderungen eingeht?“ Haben Sie denn keine eigenen zukunftsweisenden Themen für die Landespolitik? Offensichtlich nicht. Nach iherer Fraktions- und Vorstandsklausur zur Jahresplanung 2012 schwieg die CDU.

Gut, Frau Klöckner wird auf dem Neujahrsempfang des Gewerbevereines Mainz-Gonsenheim sprechen. Thema: „Die Wirtschaftspolitik in Deutschland und der Welt“. Sie übt halt noch, die -frau Klöckner.

Aber, Julia Klöckner ist mir lieber als Friedrich, „der Große“. Vor diesem Friedrich graut es mir. Vor seinen Bewunderern graut es mir ebenso.

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