„Eine Schule für alle“ in der Diskussion

Schuldiskussion

„Eine Schule für alle“ bewegt Politik

Mainz, 19.01.12 „Eine Schule für alle“ ist die Forderung eines rheinland-pfälzischen Elternverbandes. Dieses Modell ist auch in anderen Bundesländern in Diskussion und scheint in Baden-Württemberg Chancen zur Umsetzung zu haben.

Grünen-Fraktionsvorsitzender Daniel Köbler sprach sich vor kurzem für die mittelfristige Etablierung „einer Schule für alle“ aus, was bei der CDU zur reflexhaften Ablehnung führte. Diese Diskussion ist bestimmt von der Furcht der Gymnasien und ihrer Befürworter um die Existenz der Gymnasien. Diese bieten nicht mehr als Einzige die allgemeine Hochschulreife an, ebenso tun dies integrierte Gesamtschulen und die Realschulen plus sind auf dem Weg dort hin. Dennoch wollen Gymnasien ihre alte Exclusivität erhalten und wehren sich nach Kräften gegen das gemeinsame längere Lernen, das automatisch mit „einer Schule für alle“ verknüpft ist. Zu Recht verweisen die Jusos auf das skandinavische Beispiel, das zu besten PISa-Bewertungen führt und selbstverständlich Inclusion verwirklicht.

von den zahlreichen Pressemitteilungen zum Thema veröffentlichen wir nachstehend die nach Meinung der Redaktion besonders treffende PM der Jusos:

„Die rheinland-pfälzischen Jusos begrüßen es sehr, dass ihre langjährige Forderung, mittelfristig eine Gemeinschaftsschule anzustreben, endlich aufgegriffen wurde. „Wir müssen darüber nachdenken, wie wir es schaffen, in unserem Schulsystem endlich Chancengleichheit für alle Kinder zu gewährleisten. Ein längeres gemeinsames Lernen in Form einer Schule für alle, wie sie bei den skandinavischen PISA-Spitzenreitern schon lange der Fall ist, ist für uns notwendig!“ erklärt der Landesvorsitzende Andro Scholl und verweist dabei auf den in Deutschland besonders hohen Zusammenhang von sozialer Herkunft und formalem Bildungserfolg.

Den Vorwurf, die Forderung nach einem längeren gemeinsamen Lernen aller Schülerinnen und Schüler sei rein ideologischer Natur, wiesen die Jusos ausdrücklich zurück. „Es zeugt geradezu von pädagogischem Unverständnis, zu glauben, man könne Kinder nach der vierten Klasse, also in einem Alter von gerade einmal zehn Jahren auf zwei oder drei unterschiedliche Leistungsniveaus verteilen, um hierdurch eine bestmögliche Förderung des Kindes zu erreichen. Stattdessen stellen wir uns eine stärkere Binnendifferenzierung vor, die die Schüler_innen fachspezifisch und nach ihren individuellen Stärken und Schwächen fördert“, so Jaqueline Rauschkolb, stellvertretende Landesvorsitzende.

Die Jusos treten schon seit geraumer Zeit für eine ganztägige Gemeinschaftsschule ein, in der auch Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen integrativ unterrichtet werden. Wessen Geistes Kind die Konservativen im Land in diesem Punkt sind, zeigt die entsetzte Äußerung der rheinland-pfälzischen CDU-Chefin Klöckner aus dem Wahlkampf im vergangenen Jahr, die SPD wolle künftig an den Gymnasien behinderte Kinder zusammen mit nicht-behinderten Kindern unterrichten. „Dass diese Forderung als Bestandteil der UN-Menschenrechtskonvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Deutschland seit 2009 geltendes Recht ist, erwähnte Frau Klöckner leider mit keinem Wort“, so Benedikt Mediger, ebenfalls stellvertretender Landesvorsitzender.

„Weiter begrüßen die rheinland-pfälzischen Jusos ausdrücklich die bisherigen Anstrengungen der SPD-geführten Landesregierung bei der Abschaffung der Hauptschulen und dem Ausbau der Realschulen plus sowie der frühkindlichen Bildung, bei der das Bundesland im direkten Ländervergleich eine Spitzenposition einnimmt. Dennoch soll man sich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben“, so Scholl abschließend. Einen Stillstand darf sich das Land Rheinland-Pfalz beim Bildungssystem nicht leisten. Die Diskussion über die Schulstrukturreform in RLP muss auch in Zukunft weitergeführt werden, um ein gerechteres Bildungssystem langfristig zu erreichen.

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