Beschlüsse der Kultusministerkonferenz

Ergebnisse der 337. Plenarsitzung der Kultusministerkonferenz am 8./9. März in Berlin

Wir veröffentlichen die PM der KMK wegen der grundsätzlichen Bedeutung trotz ihrer Länge ungekürzt:

Berlin, 09.03.12 Am 8. und 9. März 2012 fand in Berlin die 337. Plenarsitzung der Kultusministerkonferenz unter dem Vorsitz ihres Präsidenten, Senator Ties Rabe, statt.

Im Mittelpunkt der Beratungen standen folgende Themen:

• Stärkung der Vergleichbarkeit des Abiturs

• Weiterentwicklung von VERA

• Länder einigen sich auf Eckpunkte der geplanten Bund–Länder–Initiative Lehrerbildung

• Übergangssystem Schule und Beruf – Fachtagung geplant

• Schutz von Schülerinnen und Schülern vor sexuellen Grenzüberschreitungen

• Neue Empfehlung zur Medienbildung in der Schule

Grundlagen für vergleichbare Abiturprüfungen in Deutschland gelegt

Mit Bildungsstandards in zentralen Fächern, dem Angebot für einen bundesweiten Pool für Abiturprüfungsaufgaben und mit einheitlichen Bewertungskriterien stärkt die Kultusministerkonferenz die Vergleichbarkeit der Allgemeinen Hochschulreife in Deutschland. In einem ersten Schritt sollen im Herbst 2012 die Standards in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch vorgelegt und verabschiedet werden. Mit der Entwicklung der Bildungsstandards für das Abitur in den naturwissenschaftlichen Fächern Biologie, Physik und Chemie wird im Jahr 2013 begonnen. In weiteren Schritten soll das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) Beispielaufgaben für die Abiturprüfung mit einem Erwartungshorizont sowie Bewertungshinweisen entwickeln. Die Länder unterstützen diesen Prozess, indem sie der Aufgabenentwicklungskommission weitere schriftliche Abiturprüfungsaufgaben sowie entsprechende Bewertungsvorgaben übermitteln. Die vom IQB als geeignet befundenen Abituraufgaben werden dann in einen Aufgabenpool eingestellt. Dieser Aufgabenpool soll ab 2013 kontinuierlich aufwachsen und den Ländern als Angebot für den möglichen Einsatz im Abitur 2016/17 zur Verfügung gestellt werden, wenn der erste Schülerjahrgang auf Grundlage der Bildungsstandards das Abitur macht. Das IQB wird bis zur Kultusministerkonferenz am 06.12.2012 weitere Details zur Konzeption sowie zum Zeitplan vorlegen. Mit der Vorlage der nationalen Bildungsstandards für zentrale Fächer sowie dem geplanten Aufgabenpool ist die Grundlage für eine vergleichbare Abiturprüfung in allen 16 Ländern gelegt. Bereits im Schuljahr 2012/2013 wird mit der Umsetzung begonnen. „Ab 2013 wird ein Aufgabenpool entstehen, der bundesweit gleiche Anforderungen in den Abiturprüfungen ermöglicht. Dies ist ein wichtiger und zugleich vertrauensbildender Beitrag, um die hohe Qualität, die Anerkennung und die Vergleichbarkeit der Allgemeinen Hochschulreife zu sichern“, kommentierte der Präsident der Kultusministerkonferenz, Senator Ties Rabe, die Entscheidung.

Kultusministerkonferenz beschließt Weiterentwicklung von bundesweiten Vergleichsarbeiten (VERA)

Die Vergleichsarbeiten in der 3. und 8. Jahrgangsstufe (VERA) sollen stärker als bisher als wirksames Instrument der Unterrichts-und Schulentwicklung genutzt und nach einheitlichen Kriterien durchgeführt werden. Die Kultusministerkonferenz verständigte sich in Berlin auf eine entsprechende Vereinbarung, die klare Zielbestimmungen formuliert sowie konkrete Hinweise für die Durchführung der Tests und die Rückmeldung der Ergebnisse enthält. Das ländergemeinsame Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) wurde damit beauftragt, die Qualität der Vergleichsarbeiten zu erhöhen, u.a. indem das Leistungsspektrum der eingesetzten Aufgaben erweitert wird. „Vergleichsarbeiten in allen Schulen sind ein wichtiges Element bei der systematischen und objektiven Feststellung von Leistungsergebnissen der Schülerinnen und Schüler. Sie dienen als pädagogische Standortbestimmung der einzelnen Schule und Klasse, um daraus gezielte Maßnahmen zur Unterrichts-und Schulentwicklung abzuleiten. Dieses wertvolle und unverzichtbare Instrument wird durch die Koordinierung der Kultusministerkonferenz künftig nach einheitlichen Zielvorgaben und Kriterien eingesetzt und genutzt“, erläuterte der Präsident der Kultusministerkonferenz, Senator Ties Rabe. Bei der Nutzung der VERA-Ergebnisse für die Schul-und Unterrichtsentwicklung vor Ort tragen die Schulleitungen eine besondere Verantwortung, insbesondere in der Zusammenarbeit mit den Lehrkräften und bei der Information der zuständigen schulischen Gremien. Die Länder vereinbarten, über ihre Landesinstitute und Schulverwaltungen ein Unterstützungsangebot bereit zu stellen, das flexibel auf den jeweiligen Entwicklungsstand der Schulen reagiert. Experten helfen den Schulen bei der Interpretation der Daten und unterstützen sie bei der Planung von anstehenden Maßnahmen. In der Aus-und Fortbildung von Lehrkräften werden die Themen Nutzung von Vergleichsarbeiten und diagnostische Verfahren systematisch verankert. Da VERA die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern unabhängig vom gerade zuvor

„Vergleichsarbeiten sollen Klassenarbeiten nicht ersetzen – und umgekehrt“, heißt es in der Vereinbarung. Die VERA-Ergebnisse werden deshalb auch nicht für eine Prognose des Schulerfolgs in weiterführenden Schulen genutzt. Mehr Informationen zum Thema Vergleichsarbeiten finden Sie unter: http://www.iqb.hu-berlin.de/vera

Länder haben sich auf Eckpunkte der geplanten Bund–Länder–Initiative Lehrerbildung geeinigt

Die Verbesserung der Lehrerinnen-und Lehrerbildung ist eine beständige Herausforderung für alle Länder und Teil gesamtstaatlicher Verantwortung. Bund und Länder sind sich deshalb einig, dass eine gemeinsame Initiative ein Beitrag ist, um die Lehrerbildung auf dem hohen Niveau zu halten und den gesellschaftlichen Bedingungen Rechnung zu tragen. Die Schule ist ein zentraler Ort der Erziehung und Bildung, und mit den Lehrerinnen und Lehrern steht und fällt die Unterrichtsqualität. Neben dem Ausbau von Ganztagsschulen und der Umsetzung der Bildungsstandards im Unterricht stellen Themen wie Inklusion, Migration und Individualisierung hohe Ansprüche an Lehrkräfte und Schulleitung. Das Lehren und Lernen in heterogenen Gruppen und die effektive Planung kompetenzorientierten Unterrichts sind weitere Herausforderungen, die in die Lehrerbildung einfließen müssen. Die Kultusministerkonferenz hat mit den „Standards für die Lehrerbildung: Bildungswissenschaften“, den „Ländergemeinsamen inhaltlichen Anforderungen für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken in der Lehrerbildung“ sowie richtungweisenden Beschlüssen zur inklusiven Bildung eine solide Grundlage zur Reform der Lehrerbildung gelegt. Diese gilt es, fortzuentwickeln, unter anderem auch in einer gemeinsamen Bund-Länder- Initiative. Die Kultusministerkonferenz hat deshalb ein Eckpunktepapier verabschiedet, das richtungweisend für die kommenden Gespräche mit der Bundesseite sein wird. Folgende Themen stehen dabei im Mittelpunkt: 1. Profilierung und Optimierung der Strukturen der Lehrerbildung an den Hochschulen 2. Qualitätsverbesserung des Praxisbezugs in der Lehrerbildung 3. Verbesserung der professionsbezogenen Beratung und Begleitung der Studierenden in der Lehrerbildung 4. Fortentwicklung der Lehrerbildung in Bezug auf die Anforderungen der Heterogenität und Inklusion 5. Fortentwicklung der Fachlichkeit, Didaktik und der Bildungswissenschaften Schwerpunktthema der Präsidentschaft: Übergang Schule – Beruf erleichtern Die Kultusministerkonferenz befasst sich in diesem Präsidentschaftsjahr schwerpunktmäßig mit dem Übergang Schule – Beruf. Ziel ist, das sogenannte Übergangssystem kontinuierlich zu verbessern. Auf Initiative des Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Senator Ties Rabe, ist geplant, im Herbst 2012 zu einer Fachtagung einzuladen, bei der die Reformschritte der Länder -von der Berufs-und Studienorientierung bis zum Abschluss der Ausbildung vorgestellt werden. Die Fachtagung soll auch ein Forum bieten, um über Empfehlungen zur Optimierung und Vereinheitlichung der schulischen Angebote im Übergangssystem zu beraten. „Mir geht es darum, die Vielfalt der Angebote nach qualitativen Maßstäben zusammenzufassen und dann auszubauen. Jeder Jugendliche soll seinen Kompetenzen und Potenzialen entsprechend eine Ausbildung ohne Umwege aufnehmen und erfolgreich beenden können“, betonte Rabe.

Schutz von Schülerinnen und Schülern vor sexuellen Grenzüberschreitungen

(Dieser TOP wurde von Rheinland-Pfalz eingebracht) Um Schülerinnen und Schüler noch umfassender vor sexuellem Missbrauch durch Lehrkräfte zu schützen, müssen nach dem Willen der Kultusministerkonferenz sämtliche Möglichkeiten des Disziplinar-und Arbeitsrechts ausgeschöpft werden. Sexuelle Grenzüberschreitungen sind – ungeachtet ihrer strafrechtlichen Relevanz -als fundamentales Versagen von Lehrkräften, als Verstoß gegen ihr Berufsethos, ihre pädagogischen Aufgaben und gegen ihre dienstlichen und arbeitsrechtlichen Pflichten zu werten. Die der Schule anvertrauten Kinder stehen unter uneingeschränktem staatlichen Schutz. Dieser Schutz im Lernort Schule hat allerhöchste Priorität. Damit reagierte die Kultusministerkonferenz auf eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Koblenz vom 29. Dezember 2011, das die Verurteilung eines Lehrers wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen aufgehoben und den Angeklagten freigesprochen hatte. Das Oberlandesgericht hatte seine Entscheidung damit begründet, dass eine Strafbarkeit des Angeklagten nach Paragraph 174 Abs. 1 und 2 des Strafgesetzbuches nicht gegeben sei, weil kein Obhutsverhältnis zwischen der Lehrkraft und der betroffenen 14jährigen Schülerin bestanden habe. Die Kultusministerkonferenz will nun überprüfen lassen, ob der Paragraph 174 des Strafgesetzbuches hinsichtlich seiner tatbestandlichen Voraussetzungen geändert werden sollte. Die Realität im Schulalltag und das durch Vertrauen und Distanz geprägte besondere Verhältnis zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern einer Schule müsse stärker berücksichtigt werden. Die Kultusministerkonferenz wird sich mit einem entsprechenden Vorschlag an die Justizministerkonferenz wenden. Darüber hinaus wollen die Kultusminister die Möglichkeiten des Disziplinar-und Arbeitsrechts ausschöpfen, um den Schutz von Schülerinnen und Schülern zu verbessern. Zusätzlich hat die Kultusministerkonferenz die „Handlungsempfehlungen zur Vorbeugung und Aufarbeitung von sexuellen Missbrauchsfällen und Gewalthandlungen in Schulen und schulnahen Einrichtungen“ vom 20.04.2010 um folgenden Absatz ergänzt: „Jedwede sexuelle Grenzüberschreitung einer Lehrerin oder eines Lehrers gegenüber einer Schülerin oder einem Schüler verletzt Dienst-und Arbeitspflichten. Sie beeinträchtigt in ganz erheblichem Maße das Ansehen, die Achtung und das Vertrauen, die der Berufsstand und jede einzelne Lehrkraft besitzen müssen. Derartige Grenzüberschreitungen sind als fundamentales Versagen im Kernbereich der dienstlichen und arbeitsrechtlichen Pflichten zu werten. Eine möglicherweise fehlende Strafbarkeit schließt selbst die Entfernung aus dem Beamten-bzw. Angestelltenverhältnis als schärfste Sanktion des Disziplinarrechts bzw. des Arbeitsrechts nicht aus.“ Die Länder haben zudem vereinbart, ihre schulrechtlichen Bestimmungen daraufhin zu überprüfen, ob Konkretisierungen oder Klarstellungen den Anforderungen an einen umfassenden Schutz von Schülerinnen und Schülern vor sexuellem Missbrauch durch Lehrkräfte besser gerecht werden.

Medienbildung in der Schule – Schülerinnen und Schüler sollen selbstbestimmt, sozial verantwortlich und kreativ mit Medien umgehen können

Kinder und Jugendliche leben in einer durch Medien wesentlich mitbestimmten Welt. Der Einfluss von Medien wird in allen Lebensbereichen weiter zunehmen. Die Kultusministerkonferenz hat deshalb in Berlin die neue Empfehlung „Medienbildung in der Schule“ verabschiedet, um diesen Lernbereich in der schulischen Bildung nachhaltig zu verankern. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Senator Ties Rabe, bezeichnete die Empfehlung als gute Grundlage für die künftige Entwicklung im Bereich der Medienbildung, sowohl für Schulplaner als auch für Lehrkräfte. „Das sich täglich vergrößernde Medienangebot, die universelle Verfügbarkeit von Medien sowie mediengestützte Dienstleistungen bieten neue Chancen, sie bergen aber auch Herausforderungen und Gefahren. Uns ist es ein wichtiges Anliegen, junge Menschen in Schule und Unterricht gut darauf vorzubereiten, dass sie selbstbestimmt, verantwortungsvoll und kreativ mit Medien umgehen können. Ohne Medienbildung ist eine zeitgemäße Bildung nicht vorstellbar.“ Die Empfehlung begründet ausführlich den Stellenwert von Medienbildung in der Schule, etwa für die Förderung von Lernprozessen, die Persönlichkeitsbildung oder für das Urteilsvermögen. „Medienkompetenz leistet einen Beitrag zu persönlichen und beruflichen Entwicklungsperspektiven und kann mit Blick auf Medienwirkungs-und Mediennutzungsrisiken präventiv wirken“, heißt es in der Empfehlung. Um die Medienbildung in der Schule umfassend zu fördern, benennt die Kultusministerkonferenz in der Empfehlung konkrete Handlungsfelder, u.a. die Lehr-und Bildungspläne, die Lehrerbildung, Ausstattung und technischen Support, Datenschutz sowie die Zusammenarbeit mit außerschulischen Kooperationspartnern.

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