Polizei stellt sich auf behinderte Menschen ein

Behinderte Menschen und Polizei

Mainz, 10.03.12 Anlässlich einer Pressekonferenz haben die rheinland-pfälzische Sozialministerin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz gemeinsam mit dem Landesbehindertenbeauftragten Ottmar Miles-Paul und dem Geschäftsführer der Landeszentrale für Gesundheitsförderung (LZG) Jupp Arldt die neue Broschüre „Menschen mit Behinderung und Polizei –Vertrauen, Transparenz und Sicherheit“ vorgestellt. Diese Broschüre ist eine Maßnahme von vielen, die in einer gemeinsamen Zielvereinbarung im Jahr 2010 zwischen dem rheinland-pfälzischen Innenministerium, dem Sozialministerium, der Landeszentrale für Gesundheitsförderung und dem Landesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen abgeschlossen wurde.

Ziel ist es, die Sicherheit behinderter Menschen zu verbessern und den gemeinsamen Umgang von Menschen mit Behinderung und der Polizei zu erleichtern. Nicht jede Behinderung ist auf Anhieb erkennbar. Daher ist ein Ziel, Fehldeutungen von Verhaltensweisen zu vermeiden. Mit Aus- und Fortbildungen soll die Polizei unterstützt werden, entsprechende Situationen zu erkennen und adäquat zu reagieren. Umgekehrt werden behinderte Menschen dabei beraten, wie sie sich sicherer im Verkehr verhalten oder in Gefahrensituationen reagieren können. Ein Meilenstein sind die neuen Polizeiausweise, die nunmehr auch in Blindenschrift zur Verfügung stehen, so dass sich die Polizei gegenüber blinden Menschen ausweisen kann.

Die neue Broschüre beinhaltet gute Praxisbeispiele was Menschen mit Behinderung wichtig ist und was die Polizei wissen sollte. So geht es zum Beispiel darum, dass der Mensch mit Behinderung selbst angesprochen wird und nicht zuerst seine Begleitperson. Menschen, die nicht gut sehen können bzw. blind sind oder Menschen mit Hörproblemen ist es wichtig, dass auch sie sich gegenüber der Polizei verständigen können. Für Menschen mit psychischen Erkrankungen ist die Stigmatisierung ein großes Problem. Sie werben in der Broschüre besonders um eine freundliche und vertrauensvolle Begegnung bei Angst und Aggression. Die Polizei, die häufig in Krisensituationen gerufen werde, könne durch entsprechende Vorinformationen und Schulungen solche Begegnungen entspannen. Umgekehrt ist es wichtig, dass auch die Menschen mit Behinderung darüber aufgeklärt sind, welche Aufgaben und Möglichkeiten die Polizei hat. Hier bietet der zweite Teil der Broschüre entsprechende Hinweise.

Ministerin Dreyer wies in diesem Zusammenhang auch auf den demografischen Wandel hin. Auch Menschen im höheren Alter profitieren von den durch die Zielvereinbarung angestoßenen Maßnahmen und der Broschüre, die nach dem Geschäftsführer der LZG, Jupp Arldt nicht nur in Insiderkreisen sondern unter der Bevölkerung weite Verbreitung finde. Innenminister Roger Lewentz betonte, dass die Schulungen von und mit den Menschen mit Behinderung in der Ausbildung der Polizei ein fester Bestandteil geworden ist und zukünftig alle 1.100 junge Polizistinnen und Polizisten geschult werden. Der intensivierte Prozess habe bereits laufende Maßnahmen wie die Kooperation mit Schulen und Wohneinrichtungen für behinderte Menschen nochmals verstärkt. Auch bei den Baumaßnahmen in den Polizeibehörden werde zukünftig die Barrierefreiheit neben Sicherheitserfordernissen einen hohen Stellenwert einnehmen. Der Landesbehindertenbeauftragte berichtete über konkrete Erfolge, die zum Beispiel aufzeigen, wie man sich als Rollstuhlnutzer vor Diebstahl schützen kann.

Allen Beteiligten an der Broschüre war wichtig, dass die „gleiche Augenhöhe“ hergestellt wird. Durch die Zweiteilung der Broschüre wird hervorgehoben, dass gegenseitige Kenntnisse sehr viel zum gemeinsamen Umgang zwischen der Polizei und Menschen mit Behinderungen beitragen können.

Die Broschüre wird demnächst im Internetangebot der rheinland-pfälzischen Landeszentrale für Gesundheitsförderung eingestellt und kann beim Landesbehindertenbeauftragten von Rheinland-Pfalz bestellt werden.

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