AOK fordert altersgerechte Medikamentation

Qualität der Arzneimittel-Therapie im Alter muss besser werden

Eisenberg, 27.03.12 Noch immer nimmt etwa jeder vierte Patient über 65 Jahren Medikamente ein, die für ältere Menschen potenziell gefährlich sind. Diese alarmierende Zahl hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) aktuell veröffentlicht.

„Dabei gibt es mit der Priscus-Liste seit einigen Jahren eine praktische Hilfe für Ärzte, die sie bei der Medikation von Senioren zur Hand nehmen können“, sagt Walter Bockemühl, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland. „Die AOK will Ärzte noch besser für die besondere Situation von älteren Menschen sensibilisieren. Deshalb gehen wir auf die Ärzte zu und stellen ihnen diese Informationen zur Verfügung. Vor allem bei ihren weiblichen Patienten sollten Ärzte genauer hinschauen. Denn Frauen werden überdurchschnittlich häufig Wirkstoffe der Priscus-Liste verordnet.“ Nach den Zahlen des WIdO wurde der am zweithäufigsten an AOK-Patienten über 65 Jahren verordnete Wirkstoff auf der Priscus-Liste, das Antidepressivum Amitriptylin, Frauen etwa drei Mal so häufig wie Männern verschrieben. Auch den besonders oft verschriebenen Wirkstoff Etoricoxib, ein Rheumamittel, nehmen doppelt so viele Frauen wie Männer ein. Insgesamt erhält etwa jeder vierte Patient mindestens einen Wirkstoff der Priscus-Liste. In den neuen Bundesländern ist der Anteil der Patienten etwas geringer. Hier nimmt etwa jeder fünfte AOK-Versicherte über 65 Jahren ein Medikament, das für Senioren ungeeignet ist.

Die Priscus-Liste

Die Priscus-Liste führt 83 Wirkstoffe auf, für die das Nutzen-Risiko-Verhältnis bei älteren Menschen als ungünstig bewertet wird. Zu jedem dieser Wirkstoffe werden Alternativen aufgezeigt, die Wirkstoffsubstitutionen ebenso wie nicht-medikamentöse Therapien umfassen. Dabei hat der Forschungsverbund Priscus, der die Liste 2010 für den deutschen Markt erstellt hat, berücksichtigt, dass sich selbst kontraindizierte Arzneimittel nicht immer vermeiden lassen. Für diesen Fall führt die Liste begleitende Maßnahmen auf, die das Risiko des Patienten für unerwünschte Nebenwirkungen verringern sollen. „Für den Arzt ist die Priscus-Liste eine verlässliche Entscheidungshilfe. Deshalb unterstützen wir Ärzte bei ihrer Anwendung “, sagt Walter Bockemühl.

Alle Informationen rund um die Priscus-Liste können interessierte Ärzte kostenfrei unter http://priscus.net herunterladen.

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