DGB gegen Praktikumsmissbrauch

„Generation Praktikum“

DGB Rheinland-Pfalz fordert gesetzliche Definition für Praktika

Mainz, 24.04.12 Der DGB Rheinland-Pfalz fordert eine gesetzliche Definition von Praktika. Diese müssten als Lernverhältnisse von regulärer Beschäftigung abgegrenzt werden, um Missbrauch zu vermeiden, sagte der DGB-Landesvorsitzende Dietmar Muscheid am Montag anlässlich der Preisverleihung zum DGB- Plakatwettbewerb „Generation Praktikum“.

Ziel von Praktika sei es, jungen Menschen Einblick in den Berufsalltag und Chancen zur Bewährung zu geben. In der Realität würden Praktikanten aber nach wie vor als billige, in vielen Fällen sogar kostenlose Arbeitskräfte eingesetzt. Besonders skandalös sei der Einsatz von Hochschulabsolventen als Dauerpraktikanten. „Unternehmen und Verwaltungen sollten stattdessen bezahlte Trainee-und Berufseinstiegsprogramme anbieten, die der Qualifikation der jungen Absolventen entsprechen“, sagte Muscheid weiter.

Zudem empfahl er jungen Berufseinsteigern sich vor Antritt eines Praktikums genau über die Arbeitsbedingungen zu informieren. Im Internet gebe es inzwischen eine Vielzahl von Internetforen mit Bewertungen einzelner Unternehmen.

Die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) sagte, die „Generation Praktikum“ sei keine Perspektive -weder für junge Praktikanten noch für Unternehmen. Der Unmut über unbezahlte Praktika oder Praktika für Hochschulabsolventen, über vollwertige Arbeit für wenig Geld und ohne Perspektive sei berechtigt. „Praktika dürfen junge Menschen nicht ausnutzen – auch deshalb, weil Praktika wichtige Funktionen haben: sie helfen bei der Berufsorientierung und bei der Berufswahl.“ Das „Reinschnuppern“ bedeute häufig Qualifizierung und Kennenlernen des Berufsalltages. „Im besten Fall folgt sogar ein Jobangebot, dann funktioniert dieses Praktikum. Praktika sind nicht schlecht, nur ihre Ausstattung muss stimmen.“

Beim DGB-Wettbewerb waren 31 Arbeiten von Studierenden des Fachbereichs Gestaltung der FH Mainz eingegangen. Mit dem ersten Preis (800 Euro) wurde Lisa Hartmann ausgezeichnet. Den 2. Preis (500 Euro) erhielt David Liebermann, der 3. Preis (300 Euro) ging an Nadine Morozewicz. Alle Einreichungen werden zu einer Wanderausstellung zusammengefasst, die ab sofort beim DGB Rheinland-Pfalz gebucht werden kann (Ansprechpartnerin: Birgit Sommer, Tel.: 06 13 1 / 28 16 15). Hintergrund: Einer aktuellen Erhebung der Hans-Böckler-Stiftung zufolge werden viele Praktikanten nach wie vor als billige Arbeitskräfte eingesetzt. 40 Prozent der Praktika nach Studienabschluss sind unbezahlt. Die durchschnittliche Bruttovergütung bezahlter Praktika liegt bei 551 Euro. Nur 22 Prozent der Praktikanten erhalten nach Abschluss des Praktikums ein Übernahmeangebot. Der DGB fordert daher unter anderem eine gesetzliche Definition eines Praktikums als Lernverhältnis, um eine bessere Abgrenzung zu regulären Beschäftigungsverhältnissen zu erreichen. Praktika nach Studienabschluss lehnt der DGB ab. Stattdessen sollen Unternehmen und Verwaltungen nach Willen der Gewerkschaften reguläre Arbeitsverhältnisse bzw. Trainee-und Berufseinstiegsprogramme anbieten.

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