Mainz kämpft gegen Einkaufs Mall

Kommentar

Mainz will Immobiliengigant Zügel anlegen

Mainz, 25.04.12. Der Hamburger Einkaufscentrums-Investor ECE, ein Unternehmen der Ottoversand-Gruppe, will in Mainz nach Koblenz und Ludwigshafen ein großes Einkaufszentrum errichten. Ein weiteres dieser Zentren ist in Kaiserslautern in Bau.

Gegenstand des Investments ist die von ECE erworbene Immobilie des Karstadt-Kaufhauses, das nach ECE-Wünschen in ein Einkaufszentrum mit 30.000 qm reiner Verkaufsfläche plus Gastronomie, Dienstleistung, Lager usw. einbezogen werden soll. Das ganze ist von ECE als zwei Straßen überspringender, gigantomanischer Baukörper geplant, in dem die Kunden möglichst lange verbleiben sollen.

In Mainz besteht bereits ein offenes Einkaufszentrum, das versucht, die Innenstadt-Gassenstruktur aufzunehmen, der sogenannte Brand. Eine etwas verunglückte Einkaufspassage neueren Datums befindet sich in der Mitte der Fußgängerzone, die Römerpassage.

Die Mainzer Fußgängerzone umfasst die meisten der verwinkelten Innenstadtstraßen und -gassen. Dadurch entstand ein Einkaufsviertel, das zum Bummeln einlädt und in dem sich im Vergleich zu gleich großen Städten sehr viel inhabergeführter Fachhandel erhalten konnte. Mit Karstadt und Kaufhof gibt es zwei Vollsortimenter im Kaufhaus-Format, drei große Textilkaufhäuser und ein Medien-Kaufhaus bilden unterschiedliche Anziehungspunkte in der Stadt.

Vor Jahren setzte der Stadtrat auf das sogenannte Tripolkonzept, in dem Brand, Römerpassage und Ludwigsstraße mit Karstadt die Anziehungspunkte sein sollten. Dieses Konzept führte zum Abstieg wichtiger Einkaufsstraßen wie der Großen Langgasse, der Großen Bleiche und der Flachsmarktstraße.

Der Fehler wurde ansatzweise erkannt. Nun will die Stadt erreichen, dass das Areal des neuen Einkaufszentrums verkleinert werden soll und dieses Zentrum aus mehreren Gebäuden besteht. Eine geschlossene Mall wird abgelehnt. Diesem Konzept stehen allerdings die Vorstellungen des FDP-geführten Wirtschaftsdezernates entgegen, das die von ECE angestrebte Verkaufsfläche erhalten will. Ein so überdimensioniertes Einkaufszentrum würde allerdings seine Kunden mehrere Stunden binden, sodass sie keine Kapazität zu weiteren Einkäufen in der Innenstadt hätten.

Ein offenes Einkaufszentrum entspricht allerdings nicht den Renditeerwartungen von ECE. Folgte die Stadt den Vorstellungen von ECE, würde das den Tod des umgebenden Fachhandels bedeuten, wie es beispielhaft in Ludwigshafen vorgeführt wird.

Gegen die ECE-Vorstellungen kämpfen vor allem die Altstadt-SPD und eine Bürgerinitiative. Die Grünen, mit SPD und FDP in einer Stadtratskoalition, erweisen sich als indifferent. Die FDP neigt eher dem auswärtigen Immobilienkonzern zu. Die CDU, deren ehemaliger Baudezernent Norbert Schüler einst alles tat, um ECE nach Mainz zu holen, versucht ihr Fähnchen in den Wind der Bürgermeinung zu hängen.

Bislang hat sich ECE in den meisten Städten durchgesetzt. Spannend ist die Frage, was der Immobilienkonzern der völlig überschuldeten Stadt anbieten wird, um sich letztlich durchzusetzen. Eine Schlüsselrolle kommt dabei der katholischen Kirche zu, der mehrere Gebäude gehören, die ECE für sein Einkauszentrum abreißen will.

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