Neue Gutachten zu Fluglärm

Flugroutengutachten für Flughafen Frankfurt/Main

Lewentz: Fluglärmentlastung für Mainz und Rheinhessen möglich

Mainz, 14.05.12. „Mit Veränderungen von An- und Abflugverfahren am Flughafen Frankfurt/Main können die Stadt Mainz und das angrenzende Rheinhessen erheblich von Fluglärm entlastet werden“, so hat Infrastrukturminister Roger Lewentz die Ergebnisse von zwei vom rheinland-pfälzischen Infrastrukturministerium in Auftrag gegebenen Gutachten zusammengefasst. Die Expertisen zeigten, dass Alternativen zu den Vorgaben der Flugsicherung möglich und sinnvoll sind, betonte der Minister. Die Stadt Mainz und Rheinhessen seien nicht nur durch die steigende Anzahl der Anflüge bei Ostwind, sondern seit Oktober 2011 zusätzlich auch durch Abflüge bei Westwind mit Fluglärm erheblich belastet, erläuterte Lewentz zur aktuellen Fluglärmsituation. Im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme der neuen Landebahn Nordwest am Flughafen Frankfurt/Main im Jahr 2011 ist von der Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS) bei Betriebsrichtung 25 (Westwind) eine grundlegende Neustrukturierung der Abflugrouten erfolgt.

Mit der seit Oktober 2011 geflogenen so genannten „Südumfliegung“, die über Mainz und Rheinhessen verläuft, soll vermieden werden, dass sich durchstartende Flugzeuge auf der neuen Nordwest-Landebahn bei Betriebsrichtung 25 mit regulär auf dem bestehenden Parallelbahnsystem startenden Flugzeugen kreuzen, die auf den bisherigen „TABUM-Routen“ in nördlicher Richtung über den Taunus abfliegen.

Die Landesregierung habe daher einen Gutachter mit der Prüfung beauftragt , inwieweit unter Beachtung der internationalen flugbetrieblichen Vorgaben alternative Lösungen für ein Fehlanflugverfahren möglich sind, die eine Weiternutzung der bisherigen unmittelbar nach Norden führenden TABUM-Abflugrouten ermöglichen, sagte Lewentz. Das beauftragte Institut aviaCONsult (Waldsolms) .schlägt vor, dass zusätzlich zu den aktuellen Fehlanflugverfahren im Rahmen des Instrumentenanfluges, bei denen je nach Kategorie Entscheidungshöhen zwischen 200 Fuß und 0 Fuß vorgegeben sind, ein weiteres Verfahren mit einem Entscheidungskriterium „Wolkenuntergrenze besser als 800 Fuß über NN (Normalnull)“ einzuführen (zur Information: 100 Fuß entspricht 30,48 Meter).

Da nach Einschätzung des Gutachters an rund 90 Prozent der Tage im Jahresdurchschnitt Wetterbedingungen mit einer Wolkenuntergrenze von mindestens 800 Fuß gegeben sind, müsste nur an etwa zehn Prozent der Tage im Jahresdurchschnitt die Südumfliegung genutzt werden. Die durch die Südumfliegung neu betroffenen rheinland-pfälzischen Gebietsteile könnten insoweit um rund 90 Prozent der Flugbewegungen entlastet werden.

In einer weiteren Studie wurden von dem Institut „to70“ (Altdorf) die Optimierungsmöglichkeiten beim Landeanflug bei Betriebsrichtung 07 (Ostwind) untersucht. Der Gutachter kommt zum Ergebnis, dass zu den von der DFS derzeit praktizierten Anflugverfahren Alternativen bestehen, welche die zukünftige Lärmbelastung für rheinland-pfälzische Gebietsteile bei Anflügen mit Betriebsrichtung 07 (Ostwind) deutlich verringern können.

Vom Gutachter wird im Wesentlichen Folgendes vorgeschlagen: Liste mit 3 Einträgen ? die Anhebung der Flughöhen bei den südlichen und nördlichen Gegen- anflügen um 1000 Fuß; ? Eine Staffelung der Flugzeuge in größerer Höhe (10.000 Fuß) und die konsequente Ausgestaltung der Anflugverfahren als CDA-Anflüge (Continuous Descent Approach – kontinuierliche Sinkflugverfahren); ? die Umsetzung des Point-Merge-Verfahrens (Reissverschluss-System beim Anflug mit einem zentralen Sammelpunkt in großer Höhe) als Zukunftsprojekt. Listenende „Bei der Realisierung der vorgestellten Alternativlösungen könnte die Bevölkerung in Rheinland-Pfalz in hohem Maße vom Fluglärm durch startende und landende Flugzeuge entlastet werden“, stellte Lewentz fest. Es liege nun insbesondere an der Deutschen Flugsicherung DFS, die Ergebnisse der Studie im Rahmen der angekündigten Verbesserungen der An- und Abflugverfahren zu berücksichtigen, so der Minister weiter. Die rheinland-pfälzische Landesregierung erwarte, dass sich die DFS und die Fluglärmkommission ernsthaft mit den Vorschlägen auseinander setzten.

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