Kommentar: Himmelfahrtskommando

Mainz, 17.05.12. hpt. Himmelfahrt ist traditionsgemäß der Auftakttag des Deutschen Katholikentages. Von Kardinal Meißner aus Berlin misstrauisch beäugt, wollen Katholiken eine offenere Kirche. Der Papst verordnet in einem Grußwort „Vertrauen zu Gott“.

Gottvertrauen sollte eigentlich auch christliche Politiker tragen. Treu dem christlichen Abendland verpflichtet, führen sie ihre schwere Arbeit in den C-Parteien, C-Koalitionen oder C-Oppositionen und den C-Regierungen aus. Ein christlicher Politiker, ein Umweltpolitiker zumal, scheint seit dem Vortag des Himmelfahrtsfestes in seinem Gottvertrauen erschüttert. Stimmte er am Morgen in der Kabinettssitzung noch froh der Erhöhung des Gehalts der Kanzlerin wie seines eigenen zu, musste er am Ende der Sitzung erfahren, dass er sein Amt verloren hatte. Der hoffnungsvolle Jungpolitiker, der dem 47-jährigen Norbert Röttgen nachfolgt, heißt Altmaier und hat von gutem Essen und Trinken mehr Ahnung als von der Umwelt. Altmaier ist 54 Jahre alt.

Die Umweltbedingungen in der eigenen Partei schätzte Norbert Röttgen schlecht ein. Nach dem Rücktritt des ehemaligen Zukunftsministers und NRW-Ministerpräsidenten Rüttgers, sicherte sich Röttgen den NRW-Landesvorsitz. So wurde seine Macht in Berlin stärker. Für viele CDU-/CSU-Granden in Berlin zu mächtig. Der Kanzlerin wurde bedeutet, ihr erwüchse ein Gegenspieler. Gegenspieler Röttgen, der die Energiewende vor- und rückwärts mitmachte? Andere Umweltpolitiker hätten sich dabei das Rückrad gebrochen.

Die Düsseldorfer Oppositionsparteien ließen den Haushalt der Minderheitsregierung von Hannelore Kraft platzen, obwohl sie wussten, wie populär die Ministerpräsidentin war. Röttgen fragte sich, ob er bei den dadurch erzwungenen Neuwahlen als CDU-Spitzenkandidat kandidieren solle. Die Landespartei bestärkte ihn. Die Kanzlerin auch. Gegenspieler Röttgen in Düsseldorf erschien ihr besser als in Berlin.

Der Merkel-Auftrag zur Kandidatur – oder können Sie sich vorstellen, dass ein Merkel-Minister gegen ihren Willen Arbeitszeit für Wahlkämpfe opfert? – wurde für Röttgen zum Himmelfahrtskommando. Die Kandidatur in Düsseldorf sollte zum Abschied aus dem Bundeskabinett werden, ob als Ministerpräsident oder als Oppositionsführer in NRW. Ministerpräsident wurde Röttgen nicht, auch nicht Führer der durch Hannelore Kraft minimierten CDU-Opposition. Erleichtert aufatmend verschwand Röttgen Montag früh nach Berlin. „Norbert Röttgen bleibt Umweltminister“, tönte Angela Merkel Montagabend. Dienstagabend vollführte der bayrische Ministerpräsident via ZDF eine Blutgrätsche, indem er Röttgen größte Fehler vorwarf. Derweil speiste Angela Merkel mit dem neuen französischen Staatspräsidenten zu Abend. Mittwoch dann Kabinettssitzung und ein weiterer Staatsbesuch, der Präsident von Afghanistan. Dazwischen Röttgen-Rauswurf und Altmaier-Ernennung.

Das Bundestagsmandat bleibt Röttgen noch. Er muss also nicht gleich ins Kloster, wie Wulff, oder in die USA, wie Guttenberg. Bis Herbst 2013 hat Röttgen sein Bundestagsmandat sicher. Jetzt kann er mal als Abgeordneter arbeiten und nicht nur abstimmen…

Glauben Sie, liebe LeserInnen, dass Dr. Angela Merkel, die die griechische Misere gerade erst heraufgezögert hat, zu so raschen Entscheidungen wie der Entlassung Röttgens fähig ist? Sehen Sie: eben nicht! Röttgens Abordnung nach Düsseldorf folgte dem Wunsch, ihn aus Berlin loszuwerden.

Konsterniert fragt Ministerpräsident Kurt Beck aus Mainz: Mit welchem Energiekonzept will Angela Merkel am 23. Mai mit uns verhandeln? Beck konstatiert eine zerrüttete Bundesregierung. Recht hat er, vor allem im Vergleich zu seiner Regierung. Gell, Frau Klöckner?

Ein Tipp, lieber Norbert Röttgen: Feiern Sie mal so richtig Vatertag. Heute mit Freunden (wenn Sie noch welche haben) und einigen Kisten Bier in die freie Natur. Bier trinken und Flaschen wegwerfen. Wie gut ist es doch, kein Umweltminister mehr zu sein. Keine Frage nach Flaschenpfand und der CO-2-Bilanz des Katholikentages. Vielleicht werden Sie ja Repräsentant der Konrad-Adenauer-Stiftung in Jerusalem. Da werden schon mal CDU-Parteipolitiker geparkt. Gell, Herr Gerster?

Übrigens: Auch Johannes Gerster verliert ein Amt: das des Generalfeldmarschalls der Mainzer Ranzengarde…

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