Energiewende: Nutzen für Unternehmen

Ministerin Lemke legt 6-Punkte-Papier vor: „Energiewende muss unseren Unternehmen Nutzen bringen“

Mainz, 22.05.12. In einem heute vorgelegten 6-Punkte-Papier beschreibt Wirtschaftsministerin Eveline Lemke für die Unternehmen wesentliche Punkte bei der Umsetzung der Energiewende in Rheinland-Pfalz. Dargestellt werden jeweils das gesetzte Ziel, der Weg dahin und der aktuelle Stand.

Energiewende für Versorgungssicherheit, Preisstabilität und neue Märkte

1. Ausbau der Erneuerbaren Energien planen

Rheinland-Pfalz wird bis zum Jahr 2030 seinen Stromverbrauch bilanziell zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien decken. Die wesentlichen Anteile an der regenerativen Stromerzeugung in 2030 sollen auf die Windkraft (ca. zwei Drittel) und die Photovoltaik (ca. ein Viertel) entfallen. Bis zum Jahr 2020 soll die Stromerzeugung aus Windkraft in Bezug zum Basisjahr 2010 verfünffacht und die Stromerzeugung aus Photovoltaik auf 2 Milliarden kWh erhöht werden.

Mit der Änderung des Kapitels „Erneuerbare Energien“ des Landesentwicklungsplans (LEP) IV schafft das Land verbesserte planungsrechtliche Voraussetzungen für den Ausbau von Windkraft und Photovoltaik. Die Öffentlichkeitsbeteiligung zur LEP IV Novellierung ist zum 30. April 2012 beendet worden. Derzeit werden die Stellungnahmen zur Änderung des LEP IV ausgewertet. Nach Verabschiedung des LEP IV werden die regionalen Raumordnungspläne sowie die kommunale Bauleitplanung angepasst.

Der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in RLP betrug 2010 26 Prozent (Bund: 17 Prozent) und am Bruttostromverbrauch 14,8 Prozent (Bund: 16,7 Prozent). Die installierte Windkraftleistung betrug zum 31.12.2011 insgesamt 1.663 MW (1.177 Windenergieanlagen, Zubau 2011: 258 MW bzw. 112 Anlagen). Im Vergleich der deutschen Länder lag Rheinland-Pfalz auf Platz 3 bei der neuinstallierten Leistung, unter den Binnenländern sogar auf Platz 1. Bei der Photovoltaik betrug die installierte Gesamtleistung im Jahr 2011 ca. 1.200 MW, bei einem Zubauvolumen von ca. 300 MW. Die Stromerzeugung aus Photovoltaik betrug ca. 850 Millionen kWh.

2. Versorgungssicherheit gewährleisten

Die sichere Versorgung unseres Landes mit Strom ist heute zu jedem Zeitpunkt gewährleistet und wird dies auch in einem zukünftigen regenerativen Versorgungssystem sein. Eine Energieversorgung auf der Basis einer regenerativen fluktuierenden Stromerzeugung braucht intelligente Netze, Lastmanagement und Energiespeicher sowohl für den kurzfristigen als auch den saisonalen Ausgleich von Energieerzeugung und -bedarf.

Das Land unterstützt den Ausbau von intelligenten Netzen, den Aufbau einer Energiespeicherinfrastruktur sowie die Einführung intelligenter Netzmanagementsysteme für die Verknüpfung von fluktuierender Stromerzeugung, lastflexiblen Verbrauchern und Energiespeichern. Aktuell werden in Rheinland-Pfalz Raumordnungsverfahren für zwei Pumpspeicherkraftwerke durchgeführt. Die Clusterinitiative „StoRegio“, die unter anderem Forschung zur Speicherung elektrischer Energie in Batteriesystemen zum Gegenstand hat, wird vom Land unterstützt. Die Landesregierung misst den Power-to-Gas-Technologien eine große Bedeutung für den Ausgleich von saisonalen Erzeugungsschwankungen bei der regenerativen Stromproduktion bei und unterstützt Pilotprojekte zur Technologieentwicklung. Mit dem Kompetenznetzwerk Smart Grids begleitet und unterstützt das Land die flächendeckende Einführung von intelligenten Netzen sowie von intelligenten Netzmanagementsystemen.

3. Stromnetze ausbauen

Das Forschungsinstitut Trend Research stellte im März 2012 fest, dass Rheinland-Pfalz als einziges Land neben Baden-Württemberg beim Netzausbau zu 100 Prozent im Zeitplan liegt. Das hiesige Stromtransportnetz weist insgesamt einen leistungsfähigen Stand auf. Rheinland-Pfalz setzt sich außerdem dafür ein, dass auf Bundesebene günstige Rahmenbedingungen für Investitionen in die Verteilnetze ohne zusätzliche Belastungen für die Endkunden geschaffen werden.

Rheinland-Pfalz setzt auf den Aufbau einer dezentralen Energieversorgung. Die Einbindung zahlreicher dezentraler Energieversorger in sichere und leistungsfähige Energieinfrastrukturen erfordert einen kontinuierlichen Netzausbau insbesondere bei den Verteilnetzen in den jeweiligen Regionen. Den Erfordernissen des Ausbaus von Hochspannungsnetzen wurde dabei Rechnung getragen.

In einer Verteilnetzstudie für Rheinland-Pfalz werden die Entwicklungserfordernisse des elektrischen Verteilnetzes analysiert und die Potenziale, Bedarfe und Szenarien hinsichtlich des Netzausbaus, Speicher/Lastmanagement untersucht. Auf der Grundlage der Studie werden zukünftige Ausbau- und Ertüchtigungsmaßnahmen identifiziert.

4. Energiepreise bezahlbar und kalkulierbar halten

Zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Rheinland-Pfalz und zur Sicherung von Arbeitsplätzen müssen die Energiepreise für Industrie und Gewerbe langfristig kalkulierbar und bezahlbar gehalten werden.

Das Land sieht mittel- und langfristig insbesondere in dem Anstieg der Preise für fossile Energieträger auf dem Weltmarkt ein schwer kalkulierbares Risiko für die Entwicklung der heimischen Wirtschaft. Durch die technologische Entwicklung in den vergangenen Jahren sind die Nutzungskosten für regional verfügbare Erneuerbare Energien bereits erheblich gesunken. Dieser Trend wird auch in den kommenden Jahren weiter anhalten. Damit werden bereits mittelfristig die Erneuerbaren Energien zur preiswerteren Alternative in der Strom- und Nutzwärmeerzeugung im Vergleich zu fossilen Energieträgern. Darüber hinaus tragen die Energieeinsparung und die effizientere Energienutzung bereits heute zur nachhaltigen Senkung der Energiekosten in der Wirtschaft bei. Ein stärkerer Wettbewerb auf dem Strom- und Gasmarkt und eine bessere Nutzung der Möglichkeiten für einen flexiblen Anbieterwechsel wirken sich dämpfend auf die Preisentwicklung im Strom- und Gasmarkt aus.

Das Land unterstützt die rheinland-pfälzischen Unternehmen durch Information und Erstberatung zum Einsatz Erneuerbarer Energie in der eigenen Strom- und Wärmeversorgung, zur Energieeinsparung und zur effizienten Energienutzung, z. B. durch den Einsatz energieeffizienterer Geräte oder die Umstellung von Fertigungsprozessen auf energieeffizientere Verfahren, die Energiekosten nachhaltig zu senken. Rheinland-Pfalz setzt sich auf Bundesebene für eine Verbesserung des Wettbewerbs im Strom- und Gasmarkt ein.

5. Energieberatung neu ausrichten

Die Energieberatung von Unternehmen und Kommunen sowie von den Bürgerinnen und Bürgern zum Ausbau der Erneuerbaren Energien, zur Energieeinsparung und zur Steigerung der Energieeffizienz wird neu ausgerichtet und in der Fläche weiter ausgeweitet.

In Rheinland-Pfalz wird eine starke Landesenergieagentur aufgebaut und regionale Energieagenturen vom Land gefördert. Wesentliche Beratungsschwerpunkte der Landesenergieagentur werden die Information und Erstberatung von Unternehmen zur Nutzung heimischer regenerativer Energiequellen, Kraft-Wärme-Kopplung, Steigerung der Energieeffizienz und die Entwicklung von Branchenenergiekonzepten bilden.

Die Landesenergieagentur wird als landeseigene GmbH zum 01.07.2012 ihre Tätigkeit aufnehmen. Regionale Energieagenturen werden vom Land durch eine Starthilfefinanzierung sowie durch die Förderung von Beratungs- und Aktionspaketen in Ergänzung bundesweiter Förderungen unterstützt werden.

6. Neue Leitmärkte erschließen

Produkte und Technologien für das Energiesparen, die Energieeffizienz sowie die Erneuerbaren Energien eröffnen als Leitmärkten der Zukunft insbesondere für rheinland-pfälzische Technologieunternehmen neue wirtschaftliche Chancen, die es für ein nachhaltiges Wachstum des Wirtschaftsstandortes zu nutzen gilt.

Die Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind in der Forschung und Entwicklung von Energietechnologien wichtige Partner rheinland-pfälzischer Unternehmen. Aktive regionale Netzwerke von kooperierenden Unternehmen und Forschungseinrichtungen schaffen zusätzliche Synergien insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen und stärken damit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sowie unseren Wirtschaftsstandort.

Die Bildung von Innovationsclustern steigert die Innovationskraft und die Produktivität der Wirtschaft, führt zur Ansiedlung neuer Unternehmen und unterstützt Forschung und Entwicklung sowie die Aus- und Weiterbildung von Arbeitskräften.

Entsprechend dem Green Tech Atlas 2.0 der Roland Berger Unternehmensberatung lag das Weltmarktvolumen der Leitmärkte für Energie- und Umwelttechnologien in 2007 bereits bei über 1.400 Milliarden Euro und soll sich bis 2020 auf über 3.100 Mrd. Euro mehr als verdoppeln. Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt bereits seit Jahren den Know-how- und Technologietransfer von den Hochschulen und Forschungsinstituten zur Wirtschaft. Beispiel hierfür ist u. a. die Transferstelle Bingen. Mit ihrer Clusterstrategie fördert das Land die Ansiedlung und die wirtschaftliche Entwicklung von innovativen Unternehmen, u. a. in den Bereichen Metall-Keramik-Kunststoffe, Biotechnologien, Energie und Umwelt oder Fahrzeugbau.

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