Migranten haben weniger Chancen

Bevölkerung mit Migrationshintergrund 2010: Weiterhin deutliche Unterschiede bei Bildung und Erwerbsbeteiligung

Bad Ems, 03.07.12. Im Jahr 2010 lebten in Rheinland-Pfalz rund 747.000 Menschen mit Migrationshintergrund. Wie das Statistische Landesamt in Bad Ems mitteilt, sind damit 18,7 Prozent der rheinland-pfälzischen Bevölkerung selbst nach Deutschland eingewandert oder Nachkommen von Zugewanderten. Nach wie vor unterscheiden sich die Menschen mit Migrationshintergrund bei den erzielten Bildungsabschlüssen und der Erwerbstätigkeit deutlich von der Bevölkerungsgruppe ohne Migrationshintergrund.

Im Jahr 2010 gaben 14,9 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund ab 15 Jahren an, keinen Schulabschluss zu besitzen. In der übrigen Bevölkerung belief sich dieser Anteil nur auf 2,6 Prozent. Ferner konnten 45,3 Prozent der Zuwanderer aus dem Ausland bzw. deren Nachkommen keinen beruflichen Abschluss vorweisen; bei den Personen ohne Migrationshintergrund lag der Anteil bei 24,7 Prozent.

Die schulische und berufliche Qualifikation hat direkte Auswirkungen auf die Chancen am Arbeitsmarkt. Die Erwerbstätigenquote der 15- bis 65-jährigen Bevölkerung mit ausländischen Wurzeln lag bei 64,1 Prozent, in der restlichen Bevölkerung gleichen Alters betrug sie 73,9 Prozent. Als erwerbslos bezeichneten sich 6,5 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund, bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund waren es lediglich 3,7 Prozent.

Die Unterschiede bei der Erwerbstätigkeit haben auch Auswirkungen auf die soziale Lage. So liegt die Armutsgefährdung der Menschen mit Migrationshintergrund mit 26,7 Prozent mehr als doppelt so hoch wie die der übrigen Bevölkerung (12 Prozent).

Die Daten stammen aus dem Mikrozensus 2010, einer Stichprobenerhebung, bei der jährlich 1% der Haushalte zu Themen wie Erwerbstätigkeit, Bildung und Ausbildung befragt werden. In Rheinland-Pfalz sind rund 18.000 Haushalte in die Erhebung einbezogen. Menschen mit Migrationshintergrund sind Zugewanderte und in Deutschland geborene Ausländer/-innen sowie hier geborene Deutsche, die mit zumindest einem Elternteil im selben Haushalt leben, der zugewandert ist oder als Ausländer in Deutschland geboren wurde. Die Erwerbstätigenquote beschreibt den Anteil der Erwerbstätigen in einer Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung in dieser Altersgruppe. Als armutsgefährdet gelten nach der Definition der Europäischen Union diejenigen Personen, die mit weniger als 60 % des mittleren Einkommens der Bevölkerung auskommen müssen. Die angegebene Armutsgefährdung wurde am mittleren Einkommen der gesamtdeutschen Bevölkerung gemessen.

Autorin: Merle Hattenhauer (Referat Mikrozensus, Verdienste, Preise, Haushaltserhebungen)

Weitere Informationen: www.statistik.rlp.de (Statistischer Bericht » Bevölkerung mit Migrationshintergrund «, Beitrag im Statistischen Monatsheft März 2012)

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