Bevölkerung wird älter

Bevölkerung und Gebiet

Statistiker sehen für einzelne Regionen neue Entwicklungen

Bad Ems, 12.07.12. Weniger Zuwanderung und neue demografische Entwicklungen in einzelnen Regionen: Die dritte regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Landesamtes zeigt in Teilbereichen veränderte Ergebnisse für Rheinland-Pfalz. Auch wenn sich in der Gesamtentwicklung der Bevölkerung wenig Änderungen zu früheren Berechnungen ergeben, werden die kreisfreien Städte Landau, Mainz und Trier sowie die Landkreise Mainz-Bingen und Trier-Saarburg in der neuen Vorausberechnung bis 2030 besser abschneiden.

Das Bewusstsein für den demografischen Wandel ist nach Überzeugung von Innen-Staatssekretärin Heike Raab in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sehr ausgeprägt. »Auf sinkende Einwohnerzahlen und die älter werdende Bevölkerung reagieren Land, Kommunen, Kammern, Verbände und Unternehmen mit einer Vielzahl von Maßnahmen«, so Raab bei der Präsentation der neuen Bevölkerungsvorausberechnung durch den Präsidenten des Statistischen Landesamtes, Jörg Berres, in Mainz. »Die mit dem demografischen Wandel verbundenen Herausforderungen werden angenommen und vielfach auch als Chance gesehen«, betonte Raab.

»Die Vorausberechnungen des Statistischen Landesamt helfen uns, unsere Strategie zur Gestaltung der Auswirkungen des demografischen Wandels aktiv und passgenau für die Regionen zu gestalten«, so Demografie-Staatssekretärin Jacqueline Kraege. Weiter erläuterte sie: »Eine tendenziell wachsende Stadt wie Landau steht vor anderen Herausforderungen als Regionen wie Kusel oder Birkenfeld, die in den kommenden Jahren den zu erwartenden Bevölkerungsrückgang planerisch gestalten müssen.« Das Demografieministerium bietet den Kommunen zur Bewältigung dieser Prozesse mit der Servicestelle »Gut leben im Alter« und der Servicestelle zur Pflegestrukturplanung schon jetzt konkrete Unterstützungen an, die auch von den Kommunen intensiv genutzt werden.

Mit seiner ersten regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung vor zehn Jahren habe das Statistische Landesamt einen entscheidenden Bewusstseinswandel angestoßen, so Staatssekretärin Raab. Im Land seien daraufhin viele Weichen gestellt worden, um trotz sinkender Einwohnerzahlen und älter werdender Bevölkerung überall attraktive Lebensverhältnisse zu ermöglichen. »Die Ergebnisse der zweiten Vorausberechnung sind im Jahr 2008 in das Landesentwicklungsprogramm eingeflossen, das unter anderem den Grundsatz »Innenentwicklung vor der Außenentwicklung« festschreibt«, erläuterte Raab. Damit wurde der Nutzung vorhandener Flächen der Vorrang vor der Ausweisung neuer Baugebiete gegeben. Dorferneuerung und Städtebauförderung seien mit Blick auf den demografischen Wandel angepasst worden. Die Kommunal- und Verwaltungsreform sei nicht zuletzt in dieser Entwicklung begründet.

Jörg Berres wies darauf hin, dass für das Land insgesamt die Ergebnisse, trotz geänderter Annahmen zur Zuwanderung, nur geringfügig von der vorangegangenen Berechnung abweichen. Regional gibt es jedoch deutliche Unterschiede. Die Veränderungen ließen sich unter anderem durch eine verstärkte Binnenwanderung in die Ballungsräume und durch politische Entscheidungen wie etwa die Zweitwohnungssteuer erklären.

»Nach der mittleren Variante unserer Berechnungen werden im Jahr 2030 noch rund 3,77 Millionen Menschen in Rheinland-Pfalz leben, das wären 5,8 Prozent weniger als im Jahr 2010 und etwa so viele wie im Jahr 1990«, unterstrich Berres. Bis 2060 werde die Bevölkerungszahl um 20 Prozent auf 3,19 Millionen sinken, also auf den Wert von 1952. »Bis 2030 wird es mit den kreisfreien Städten Trier, Landau und Mainz sowie den Landkreisen Trier-Saarburg und Mainz-Bingen nur fünf Gebiete mit einer Bevölkerungszunahme geben. Deutlich über dem Landesdurchschnitt liegende Bevölkerungsrückgänge sind in den Regionen Südwestpfalz, Kusel und Birkenfeld zu erwarten. Langfristig, also bis 2060, werden alle Kreise und kreisfreien Städten weniger Einwohner haben«, so der Statistiker.

»Neben der sinkenden Einwohnerzahl stellt die demografische Alterung eine große Herausforderung dar«, stellte Berres fest. Das heute bereits hohe Durchschnittsalter der Bevölkerung (44 Jahre) werde bis 2030 auf 49 Jahre und bis 2060 sogar auf 51 Jahre steigen. »Regional verläuft die Alterung sehr unterschiedlich. Mittelfristig wird der Anteil der älteren Menschen in den Landkreisen höher sein als in den kreisfreien Städten«, sagte Berres. Der Anteil der 65-Jährigen und Älteren an der Gesamtbevölkerung beträgt dann in den Städten 25 Prozent (heute 20 Prozent) und in den Landkreisen 30 Prozent (heute 21 Prozent).

Dazu erklärte Staatssekretärin Jacqueline Kraege, dass Menschen gerne älter werden und sie können auch gut älter werden, wenn heute darauf geachtet wird, dass die soziale Infrastruktur sich auf dieses Älterwerden der Bevölkerung einstellt. Das Land habe mit seinem Aktionsplan »Gut leben im Alter« einen Beteiligungsprozess insbesondere zu den Themen Wohnen, Mobilität, Sicherheit und Generationengerechtigkeit angestoßen. »Wir haben die Instrumente geschaffen, um die Auswirkungen des demografischen Wandels zu gestalten. Nun gilt es, sie bei den zukünftigen Entwicklungsprozessen – angefangen von der Dorfkernerneuerung, der Ausgestaltung der Sozialen Stadt bis hin zu Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur oder der medizinischen und pflegerischen Versorgung im ländlichen Raum – zu beachten.«

Die Neuberechnung basiert auf Daten aus der amtlichen Bevölkerungsfortschreibung für das Jahr 2010 und reicht bis ins Jahr 2060. »Die Annahmen zur Geburtenentwicklung und zur Zunahme der Lebenserwartung haben wir gegenüber der vorigen Berechnung unverändert gelassen«, erläuterte Berres. Die Annahmen zur Wanderung mussten angesichts abgeschwächter Zuwanderung angepasst werden.

»Wir werden in den nächsten Monaten untersuchen, welche Auswirkungen sich für verschiedene Lebensbereiche ergeben« schloss Berres. Bis zum Jahresende werden zunächst die Ergebnisse für die Verbandsgemeindeebene für den Zeitraum bis 2030 vorliegen. Daran schließen sich regionalisierte Berechnungen zu Kinderbetreuung und Schülern, zu Erwerbspersonen sowie zur Pflegebedürftigkeit an.

Downloads und interaktiver Atlas

Die Broschüre »Rheinland-Pfalz 2060 – Dritte regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung« kann zum Preis von 15 Euro einschließlich Versandkosten beim Statistischen Landesamt bestellt werden. Bestelladresse: Statistisches Landesamt, Vertrieb, Mainzer Straße 14-16, 56130 Bad Ems, Tel.: 02603 71-2450, Fax: 02603 71-194322, E-Mail: vertrieb(at)statistik.rlp.de. Die Publikation steht als PDF-Datei im Internet unter www.statistik.rlp.de im Bereich Staat und Gesellschaft unter »Demografischer Wandel« bereit. Außerdem gibt es dort detaillierte Berechnungen für alle Kreise und kreisfreien Städte zum Heruntergeladen. Die Ergebnisse der Vorausberechnung können ferner über einen interaktiven Atlas angezeigt werden.

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