GEW sieht bedrohlichen Fachkräftemangel in Kindertagesstätten

Fachkräftemangel in Kitas verschärft sich

GEW sieht besorgniserregende Entwicklung

Mainz, 07.08.12. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rheinland-Pfalz (GEW) schlägt Alarm. Einer Umfrage zu Folge, die sie in den Kitas des Landes durchgeführt hat, verschärft sich der Fachkräftemangel. Der Arbeitsmarkt für Erziehungsfachkräfte scheint vielerorts leergefegt. So seien die Bewerberzahlen auf frei werdende Stellen deutlich zurückgegangen und die Qualität der Bewerbungen insgesamt schlechter geworden, melden die Kitas. Frei werdende Stellen in den Kitas können offensichtlich nur noch mit zeitlicher Verzögerung, teilweise auch gar nicht wieder besetzt werden.

„Der Personalmangel bereitet uns große Sorge, denn die Auswertung unserer Umfrage, an der sich fast 500 Kitas beteiligt haben, zeigt, dass die geforderte Qualität der Bildungs- und Erziehungsarbeit vielerorts akut gefährdet ist“, sagte Klaus-Peter Hammer, Vorsitzender der GEW in Rheinland-Pfalz. So meldete mehr als die Hälfte der Kitas, dass infolge fehlenden Fachpersonals Leistungsangebote eingeschränkt werden müssten und die Qualität verbleibender Angebote sinke. Aus vielen Kitas werde berichtet, dass keine Naturausflüge oder Stadterkundungen mehr durchgeführt werden könnten. Auch Fördermaßnahmen wie individuelle Sprachförderung oder eine gezielte Vorbereitung der Kinder auf den Übergang in die Schulen müssten teilweise reduziert oder vorübergehend sogar eingestellt werden.

Betroffen zeigte sich der GEW-Vorsitzende darüber, dass der Fachkräftemangel sich offensichtlich auch auf die Arbeitszufriedenheit und die Gesundheit der Beschäftigten in Kitas negativ auswirkt. Mehr als 70% der teilnehmenden Kitas berichteten von steigenden physischen und psychischen Belastungen. Viele sagten, die Arbeitszufriedenheit nehme stetig ab und das Arbeitsklima verschlechtere sich.

„Wenn die Kitas mehrheitlich melden, dass der Krankenstand zunimmt, sollte das für alle Verantwortlichen eine Warnung sein“, so Hammer, der aufgrund der Verwirklichung des Rechtsanspruches auf einen Kita-Platz für Einjährige nächstes Jahr von einer weiteren Verschärfung der Situation ausgeht. Die GEW kritisiert, dass die Weiterentwicklung der Kindertagesstätten in der Vergangenheit zu sehr unter dem Gesichtspunkt der Ausweitung der Kita-Plätze betrieben worden sei.

„Es ist ja schön und auch richtig, dass für jedes Kind ein Platz in einer Kindertagesstätte zur Verfügung steht. Was nutzt es uns aber, wenn am Ende das Personal fehlt und diejenigen, die in einer Kita arbeiten, überlastet werden und krank zu werden drohen“, moniert Hammer. „Die GEW vertritt deshalb die Meinung, dass eine weitere Ausweitung der Angebote in den Kitas solange nicht stattfinden sollte, wie vor Ort qualifiziertes Personal fehlt. Darüber hinaus empfiehlt die GEW allen Kitas, die mit personellen Engpässen kämpfen, die Leistungsangebote der Einrichtung permanent darauf hin zu überprüfen, ob diese nicht temporär eingeschränkt werden können“, sagt GEW-Chef Hammer.

Die GEW mahnt eine schnelle nochmalige Ausweitung der Ausbildungskapazitäten an, denn nach ihr vorliegenden Informationen bewerben sich zurzeit immer noch weit mehr Ausbildungswillige als an den Ausbildungsschulen des Landes Plätze zur Verfügung stehen. Außerdem spricht sich die Bildungsgewerkschaft für eine Ausweitung der Studiengänge an den Fachhochschulen des Landes aus, die zu Berufsabschlüssen im Bereich der Frühpädagogik führen. Ferner fordert die GEW zielgruppenspezifische Werbekampagnen durchzuführen. Sie will damit insbesondere mehr Menschen mit Migrationshintergrund und mehr Männer für diesen Beruf gewinnen.

Die GEW will sich auch einer Diskussion über Seiteneinstiege in den Beruf nicht verschließen, stellt aber klar, dass sich eine Qualifizierung von geeigneten Personen mit anderen Berufsabschlüssen an den hohen Anforderungen orientieren müsse, die auch für die grundständige Berufsausbildung gelten. In diesem Zusammenhang hält die GEW den neuen Modellversuch Teilzeit-Fachschulausbildung für Erzieherinnen und Erzieher, der demnächst an neun Standorten im Land startet, als einen Schritt in die richtige Richtung. Die GEW glaubt, dass für diese Ausbildung Personen gewonnen werden können, die ansonsten nicht für die Arbeit in einer Kita zur Verfügung ständen und sieht es als Vorteil, wenn Beschäftigte, die über andere berufliche Vorerfahrungen verfügen, in den Kitas mitarbeiten. Die Gewerkschaft äußert aber Kritik an den Bedingungen, unter denen diese Ausbildung in Teilzeitform durchgeführt werden soll.

„Mit einem Teil ihrer Zeit arbeiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Ausbildung von Beginn an als Hilfskräfte in einer Kita. Da sie auf den Stellenschlüssel angerechnet werden sollen, sehen wir die Gefahr, dass hier regulär qualifiziertes Personal durch weniger qualifizierte Beschäftigte, die zudem billiger sind, ersetzt wird“, erläutert Klaus-Peter Hammer die Bedenken seiner Gewerkschaft. Außerdem sieht Hammer zusätzliche Belastungen auf die Kitas zukommen, da die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Ausbildung in Teilzeitform intensiv angeleitet und betreut werden müssten. Den ausbildenden Kitas müssten, so die Meinung der GEW, Zusatzstunden im Personalschlüssel gewährt werden, damit diese ihren Part in der Ausbildung überhaupt bewältigen können.

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