Studie zur Kooperation von Ganztagsschule und Sportvereinen

Kooperation zahlt sich für Ganztagsschulen und Vereine gleichermaßen aus

Bildungsministerium und Landessportbund legen Studie zum Thema „Ganztagsschule und Sportvereine“ vor

Mainz, 18.09.12. Gemeinsam für die Zukunft der Vereine: Bildungsstaatssekretär Hans Beckmann und Karin Augustin, Präsidentin des Landessportbundes Rheinland-Pfalz (LSB) betonten im Rahmen der Vorstellung einer Studie zum Thema „Ganztagsschule und Sportvereine“, die das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur und der LSB in Auftrag gegeben hatten und die jetzt der Öffentlichkeit präsentiert wurde, dass sie sich gemeinsam den Entwicklungen im Zuge der zunehmenden Einrichtung von Ganztagsschulen und den damit einhergehenden möglichen Auswirkungen auf die Sportvereine stellen werden. Niemandem könne daran gelegen sein, dass die Schüler und Schülerinnen aufgrund ihrer zunehmenden Belastung im Ganztagsschulbereich den Sportvereinen den Rücken kehren.

98 Prozent der Ganztagsschulen halten Angebote zu den Themen Bewegung, Spiel und Sport vor. Bedenklich aus Sicht des LSB ist, dass in fast 60 Prozent der Fälle hinter diesen Angeboten nicht Sportvereine, sondern Einzelpersonen ohne Bezug zu Sportvereinen stehen – beides Ergebnisse der neuen Studie. „Die Erwartungshaltungen der Ganztagsschulen und der Sportvereine weichen voneinander ab“, nannte Prof. Dr. Lutz Thieme von der Fachhochschule Koblenz/Standort Rhein-Ahr-Campus in Remagen, unter dessen Leitung die repräsentative Untersuchung erstellt wurde, eine der Kernaussagen. „Das Verständnis füreinander – was wollen die Schulen erreichen und was die Sportvereine – ist wechselseitig nur mäßig ausgeprägt.“ Thieme sprach von „völlig unterschiedlichen Sichtweisen von Sportvereinen, Schulen und Einzelpersonen in der Ganztagsschule“. Während für die Vereine die Gewinnung neuer Mitglieder im Mittelpunkt stehe, sei den Einzelpersonen eher daran gelegen, die Qualität des schulischen Angebots ein Stück weit zu verbessern.

In der Studie wird deutlich, dass die Qualifikation der Anbieter insgesamt auf einem hohen Niveau liegt. Über zwei Drittel der Leiter von Ganztagsangeboten besitzen eine gültige C-, B- oder A-Lizenz. Demgegenüber stehen allerdings knapp zehn Prozent der Angebotsleiter, die gänzlich ohne allgemeine formale Qualifikation im Ganztag aktiv sind. Deutlich wird auch, dass Vereine, die verstärkt mit Ganztagschulen kooperieren, erfolgreich junge Mitglieder hinzugewinnen und damit nachweislich von der Zusammenarbeit profitieren. In der Zusammenschau weist die Studie eine hohe Zufriedenheit an Standorten nach, an denen Kooperationen erfolgreich laufen. Allerdings haben 74,5 Prozent der befragten Sportvereine noch nie eine Kooperation mit einer Ganztagsschule durchgeführt, die meisten haben sich auch noch nicht mit diesem Gedanken beschäftigt. Aktuell sind nur 15 Prozent der Vereine in Kooperationen aktiv. Laut Thieme sehen die Sportvereine nicht die Ganztagsschule als Hauptursache für eine mögliche negative Mitgliederentwicklung an, sondern ganz allgemein die steigende schulische Belastung sowie die Zunahme alternativer Freizeitangebote. Zudem besage die Studie, „dass die Sportstättenkapazitäten außerhalb von Ballungsräumen nicht der erwartete Knackpunkt sind wie es zum Beispiel die Verfügbarkeit der Übungsleiter ist“.

„Bewegung, Spiel und Sport prägen die außerunterrichtlichen Zusatzangebote in der Ganztagsschule in besonderer Weise“, sagte Bildungsstaatssekretär Hans Beckmann. Insgesamt machten diese Angebote zwischen 20 und 30 Prozent aller Angebote aus und seien damit ein wesentlicher Bestandteil der Ganztagsschule. „Gemeinsam sind der LSB und wir an der Qualifizierung externer Übungsleiterinnen und Übungsleiter interessiert, die in Ganztagsschulen Sportangebote unterbreiten.“ Sein Ministerium werde hier weiterhin finanzielle Unterstützung leisten, um die Anzahl der Personen ohne Qualifizierung weiter zu reduzieren. Günter Berg, LSB-Vizepräsident Bildung und Erziehung, artikulierte die klare Forderung an das Ministerium nach einer stärkeren finanziellen Unterstützung für die Koordinierung und Unterstützung der Vereine vor Ort. Die Fördergelder des Ministeriums von jeweils 60.000 Euro für 2012 und 2013 könnten „nur ein Anfang sein – in Nordrhein-Westfalen sind es pro Jahr über eine Million Euro“. Berg wörtlich: „Entscheidender Punkt ist der Abschluss von Verträgen über den Einsatz im außerunterrichtlichen Bereich in der Ganztagsschule.“ Bei diesen Vertragsabschlüssen mit Personen, die Sport- und Bewegungsangebote an der Ganztagsschule durchführen, müsse künftig eine Verbindung zum Sportverein hergestellt werden. Was die Talentförderung und -entwicklung angehe, gelte es die Rahmenbedingungen so zu modifizieren, dass Unterricht am außerschulischen Ort möglich werde. Talentierte Kinder müssten an Stützpunkte gebracht werden können, wo sie eine spezielle Förderung erhalten. „Wir müssen einfach Sportvereine und Ganztagsschulen enger in Verbindung bringen, damit die Kooperationen vor Ort entstehen und die Schulen noch stärker öffnen für die Gruppen des Leistungssports“, so Berg. Eine „Schwächung der formalen Mitgliedschaften der Vereine“ dürfe es nicht geben.

LSB-Präsidentin Karin Augustin bekräftigte, es sei ganz wichtig, „dass unsere gute Vereinsstruktur erhalten bleibt, dass die kleinen Vereine mit ihrer wichtigen sozialen Funktion nicht aussterben – und dass wir Leistungssportförderung ermöglichen nicht nur in den Ballungszentren, sondern auch auf dem Land“. Es müsse möglich sein, „Zeitfenster zu entwickeln, in denen Schüler freigestellt werden für ein Leistungssporttraining“.

Basierend auf den Ergebnissen der vorgelegten Studie werden laut Prof. Thieme in Phase zwei im Jahr 2013 Fallanalysen von Vorzeigeprojekten erstellt, ehe im Jahr 2014 die Befragung erneut durchgeführt werde „in der Hoffnung, dass Maßnahmen, die jetzt getroffen werden, dann vielleicht schon Auswirkungen zeigen“.

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