Kommentar: Naturschutz versus Windkraft

Kommentar

Naturschutz versus Windkraft?

von Hans-Peter Terno

Mainz, 25.09.12. Sie haben es schon schwer, die Naturschutzverbände in Rheinland-Pfalz. Außer dem Hochmoselübergang, dem A1 Lückenschluss und dem B 10-Ausbau durch den Pfälzer Wald haben die Naturschutzverbände hierzuland keine aufregerthemen. Schulterschluss der Landesregierung beim Welpentransport, bei Wildkatzen und Wölfen, ein bevorstehender doppelter Nationalpark im Hunsrück (Hochwald und soonwald) fordern eher Beifall als Protest.

Protest sichert aber den Verbänden in der skandalorientierten Medienwelt die Öffentlichkeit, damit Spenden, Mitglieder und Aufmerksamkeit. Eine Zwickmühle für die Naturschutzverbände.

Verbandsstrategisch bietet sich da die Windkraft an. Windräder sind unübersehbar. Stehen sie in Vogelfluglinien bedeuten sie tatsächlich eine Gefahr. Das wissen ADD und SGD und legen bei der Genehmigung großen Wert auf den Vogelschutz.

Was tatsächlich stört, ist der ungewohnte anblick der Windräder. Touristen reisen zwar mit dem Bus nach Holland, um die „Windmühlen“ (in Wahrheit, Pumpstationen zur Absenkung des oberflächennahen Grundwassers) zu bewundern. Aber die modernen Windräder vor der eigenen Haustür? Begeisterte Menschen folgen den Routen der Industriekultur mit ihren historischen Fabrikbauten und Fördertürmen, aber die neuen Fabriken vor der eigenen Haustür?

Was neu ist in der Landschaft stört offenbar.

70% der rheinland-pfälzischen Bäume sind geschädigt. Grund sind die Abgase von Kraftwerken, die Strom aus fossilen Rohstoffen erzeugen und die Abgase des Autoverkehrs. Windkraft verursacht diese Abgase nicht. Sie vermindert sogar den Import fossiler Rohstoffe.

Windkraft ist, wenn sie verbrauchernah produziert wird, dadurch gekennzeichnet, daß sie keine weiten Stromtrassen erfordert. Bestehende Trassen können, wie im Hunsrück durch Hochleistungskabel verstärkt werden.

Die Menschen im Pfälzer Wald, dem Hunsrück, der Eifel und dem Westerwald benötigen mehr Strom denn je. Internet und Elektrokommunikation bringen die Welt in die oft abgelegenen Dörfer und schaffen Arbeitsmöglichkeiten am Ort.

Mehr Strom braucht aber mehr Leitungen. Die Alternative zur Windkraft im Pfälzer Wald oder vergleichbaren Gebieten sind neue Stromtrassen mit Hochspannungsleitungen. Diese sind weitaus umweltschädlicher.

Ulrike Höfken betonte gestern in ihrer Funktion als Umweltministerin, daß Windkraft dem Naturschutz diene. Eveline Lemke wird als zuständige Ministerin heute den modifizierten Landesentwicklungsplan vorlegen. Es gibt dort Ausschließgebiete für Windkraft, aber auch vielerorts die Möglichkeit, daß Gemeinden selbst entscheiden können, ob und wo sie naturschutzverträglich Windkraftanlagen genehmigen. Das sind die demokratischen Entscheidungen der betroffenen Bürgerinnen und Bürger. Eine zentrale Planung der Standorte, wie von den Naturschutzverbänden gefordert, wäre undemokratisch.

Den Naturschutzverbänden sei gesagt: man kann nicht Bürgerbeteiligung fordern und sie gleichzeitig auf Gemeindeebene ablehnen.

Eveline Lemke und Ulrike Höfken sind hingegen nur zu unterstützen.

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