Ovaler Tisch für Ausbildung und Fachkräfte

Ovaler Tisch für Ausbildung und Fachkräftesicherung

Viele Wege führen zu guten Fachkräften für Rheinland-Pfalz

Mainz, 17.10.12 „Dank der guten Kooperation am „Ovalen Tisch für Ausbildung und Fachkräftesicherung“ haben die rheinland-pfälzischen Betriebe und die Landesregierung auch in diesem Jahr ihr Angebot an Ausbildungsplätzen auf hohem Niveau gehalten“, sagte Ministerpräsident Kurt Beck bei der heutigen Sitzung in Mainz. Während viele junge Menschen ihre Ausbildung bereits im August begonnen haben, sind noch rund 4.500 Bewerberinnen und Bewerber ohne Ausbildungsplatz. Kurz vor dem offiziellen Beginn des Ausbildungsjahres waren wiederum am 1. September bei den Agenturen für Arbeit in Rheinland-Pfalz noch 3.600 freie Ausbildungsstellen gemeldet, 50 weniger als vor einem Jahr. „Auch die Landesregierung hält sich an die vereinbarten Ausbildungsleistungen und hat in diesem Jahr 7.911 Ausbildungsstellen besetzt, davon waren 3.214 neu begründete Ausbildungsverhältnisse“, so der Ministerpräsident.

Insgesamt wurden den Agenturen für Arbeit in Rheinland-Pfalz von den Betrieben in diesem Jahr 25.200 Ausbildungsstellen gemeldet, etwa gleich viele wie im vergangenen Jahr. Diesen standen rund 28.600 gemeldete Bewerberinnen und Bewerber gegenüber, 2.200 mehr als im vergangenen Jahr. Jürgen Haßdenteufel, Geschäftsführer der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, bekräftigte, dass die Partner des Ovalen Tisches weiterhin mit großem Engagement den Ausgleich am Ausbildungsmarkt vorantreiben werden. „Im Hinblick auf den demografischen Wandel und den zukünftigen Fachkräftebedarf ist es zwingend erforderlich, für möglichst alle Ausbildungsplätze passende Bewerberinnen und Bewerber zu finden.

In westlichen Bundesländern bleiben seit Jahren durchschnittlich fast 16 Prozent der jungen Menschen unter 35 Jahren ohne formale berufliche Qualifikation. Hier liegt ein großes Fachkräftepotential brach, zugleich sind die beruflichen Chancen dieser jungen Menschen deutlich eingeschränkt“.

Bei den Industrie- und Handelskammern in Rheinland-Pfalz wurden bis Ende September fast 16.700 neue Ausbildungsverträge registriert. „Dies ist zwar ein geringes Minus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Langzeitbilanz des Ausbildungsengagements der Unternehmen ist aber deutlich positiv. Heute bilden die IHK-Betriebe in Rheinland-Pfalz rund 25 Prozent mehr neue Azubis aus als noch vor 10 Jahren“, so IHK-Präsident Peter Adrian. Damit dies weiterhin funktioniere, seien gute Rahmenbedingungen für die duale Berufsbildung etwa durch eine qualitätsvolle Berufsorientierung in den allgemein bildenden Schulen und eine gute Lehrerausstattung in den Berufsschulen notwendig.

Im rheinland-pfälzischen Handwerk wurden bis Ende September rund 8.400 neue Lehrverträge gemeldet. „Dies ist ein knapper Rückgang gegenüber dem Vorjahr, der aber keineswegs auf eine nachlassende Ausbildungsbereitschaft zurückzuführen ist“ betonte der Präsident der Handwerkskammer Karl Josef Wirges. „Im Gegenteil: bei entsprechender Nachfrage von geeigneten Bewerbern hätten unsere Betriebe sicherlich noch mehr als 1.000 Lehrstellen zusätzlich besetzen können“, so Wirges. Der demografische Wandel hat den gesamten Ausbildungsmarkt für Rheinland-Pfalz noch nicht erfasst, dennoch wollen sich die Teilnehmer des Ovalen Tischs für den zukünftigen Fachkräftebedarf wappnen. Engpässe gibt es schon heute beispielsweise im Hotel- und Gaststättengewerbe oder in den Pflegeberufen. Eine vom Ovalen Tisch verabschiedete Kommunikationsstrategie unter dem Motto „Viele Wege führen nach vorn“ soll die Vorteile der dualen Ausbildung herausstellen und damit künftigem Fachkräftebedarf vorbeugen. „Die Partner des Ovalen Tisches wollen gemeinsam und noch gezielter die Attraktivität der beruflichen Ausbildung herausstellen. Vor allem das Duale Ausbildungssystem mit seiner Kombination aus betrieblichem und berufsschulischem Lernen ist ein Qualifizierungsweg, der gleichwertige Karrierechancen wie die Hochschulreife eröffnen kann“, betonte Wirtschaftsministerin Eveline Lemke.

Zum 30.08.2012 waren den Arbeitsagenturen rund 550 offene Ausbildungsstellen im Gastgewerbe gemeldet. „Durch eine Reihe bereits umgesetzter richtungweisender Schritte werden wir versuchen, diese Stellen aus dem derzeitig noch vorhandenen Bewerberüberhang zu besetzen“, sagte der Präsident der DEHOGA Rheinland-Pfalz, Gereon Haumann. Zu diesen Maßnahmen gehören: die Verabschiedung des neuen Mantel- und Entgelttarifvertrages mit deutlich verbesserten Ausbildungsvergütungen und ganz neu: die Auflage eines modernen Ausbilderleitfadens. Auch die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer soll gefördert werden. Ministerin Malu Dreyer sagte: „Berechnungen der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland oder das von der Landesregierung durchgeführte Branchenmonitoring in den Gesundheitsberufen zeigen, welche großen und unverzichtbaren Fachkräftepotentiale in einer höheren Erwerbsbeteiligung der über 55jährigen stecken.“

Die Gewerkschaften wie beispielsweise die IG BCE nehmen dieses Thema in ihre Tarifverhandlungen auf und konnten für die chemische Industrie in den Tarifabschluss für 2012 auch den Einstieg in eine altersgerechte Arbeitswelt durch altersgerechte Arbeitszeiten und mehr Erholzeiten für Ältere verbinden. „Wir haben den Tarifvertrag Lebensarbeitszeit und Demografie aus dem Jahr 2008 weiterentwickelt. Jetzt steht die Reduzierung der Arbeitszeit im Mittelpunkt. Leitidee ist, gleitende Übergänge in den Ruhestand zu ermöglichen“, sagte Michael Päckert, stellvertretender Landesbezirksleiter IGBCE.

Ein Experte des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration präsentierte der Runde die Ergebnisse des Abschlussberichts der Hochrangigen Konsensgruppe Fachkräftebedarf und Zuwanderung. Demnach wird es in Zukunft nicht ausreichen, das inländische Fachkräftepotential etwa durch eine Qualifizierung von Arbeitslosen oder durch eine höhere Erwerbstätigkeit bei Frauen zu erschließen. Die deutsche Wirtschaft sei auf eine erleichterte und gezielt gesteuerte Zuwanderung von Fachkräften aus Europa wie aus Drittländern angewiesen. „Die Zuwanderung hoch qualifizierter Arbeitskräfte, gerade aus den südeuropäischen Krisenländern, ist eine Möglichkeit, das Fachkräftepotenzial zu verbessern“, sagte auch Werner Simon, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland Pfalz (LVU). Er nannte als weitere zu mobilisierende Reserve ältere Arbeitnehmer, deren Erwerbsbeteiligung zwar in den vergangenen Jahren gewachsen, aber noch lange nicht ausgeschöpft sei. „Wir sprechen uns daher auch gegen alle Versuche aus, an der Rente mit 67 zu rütteln“, so Simon. Zu verbessern sei zudem die Qualifikation von Menschen mit Migrationshintergrund. „Zu viele verlassen noch die Schule ohne Abschluss, zu wenige ergreifen eine duale Ausbildung oder ein Studium“, so Simon.

Die Stärke des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsstandortes mit seiner mittelständischen Struktur basiert auf gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ausbildung und Fachkräftesicherung bleiben deshalb Schwerpunktthema in Rheinland-Pfalz, waren sich alle Teilnehmer des Ovalen Tisches einig.

Migration, Demografie

This entry was posted in Allgemein and tagged , , , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.