Universität im Rathaus: Das Judentum in der Moderne

„Universität im Mainzer Rathaus Rathaus“ 2012/2013 wird eröffnet

Mainz, 17.10.12. „Und es wird sein der Rest Jakobs inmitten vieler Völker, wie Tau vom Ewigen“ – Das Judentum als Weltreligion

Eröffnungsvortrag der Reihe „Universität im Rathaus“ 2012/2013 mit einer Einführung des Vorsitzenden des Kuratoriums der Israelstiftung in Deutschland

Die Vorlesungsreihe „Universität im Rathaus“ behandelt im Wintersemester 2012/2013 unter der Überschrift „Das Judentum in der Moderne“ im Andenken an den im Jahr 2010 verstorbenen Rabbiner Leo Trepp Fragestellungen der jüdischen und deutsch-jüdischen Geschichte, die zum Teil in direkter Verbindung zu Trepps eigenem Denken stehen. 2013 wäre Leo Trepp 100 Jahre geworden. Am Eröffnungsabend der Reihe führt Dr. h.c. Johannes Gerster in seinem Amt als Vorsitzender des Kuratoriums der Israelstiftung in Deutschland mit ganz persönlichen Worten und Einblicken in das Leben und Wirken Leo Trepps ein und betrachtet ihn als „Mainzer – Rabbiner – Brückenbauer“. Im Anschluss referiert Univ.-Prof. Dr. Mechthild Dreyer, Vizepräsidentin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, zum Thema „‘Und es wird sein der Rest Jakobs inmitten vieler Völker, wie Tau vom Ewigen‘ – Das Judentum als Weltreligion“. Der erste Vortrag der diesjährigen Reihe „Universität im Rathaus“ beginnt am Dienstag, 23. Oktober 2012, um 20 Uhr im Ratssaal des Rathauses der Landeshauptstadt Mainz. Der Eintritt ist frei. Anmeldung nicht erforderlich.

Dass die jüdische Religion in der gesamten Welt zu Hause, ja die Religion der Menschheit ist und dass es keines eigenen jüdischen Staates bedarf, davon war Herrmann Cohen (1842-1918) zutiefst überzeugt und mit dieser Position grenzte er sich dezidiert gegen Martin Buber ab. Cohen, der einzige deutsche Lehrstuhlinhaber für Philosophie bis 1919, hat in seinem umfangreichen Werk nicht nur Kants Philosophie neu gedacht, wodurch er zum Begründer des Marburger Neukantianismus wurde, sondern hat zugleich auch die Inhalte und die Relevanz der jüdischen Religion philosophisch reformuliert. In ihrem Vortrag entwickelt Univ.-Prof. Dr. Mechthild Dreyer Cohens These, dass die Ethik Kants beispielhaft in der jüdischen Religion umgesetzt ist und rekonstruiert seinen Gedanken, dass diese kantisch gedeutete jüdische Religion aufgrund ihres messianischen Gottesbegriffs zugleich auch Weltreligion ist.

Die Reihe „Universität im Rathaus“ ist im Wintersemester 2012/2013 dem eng mit Stadt Mainz und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz verbundenen Rabbiner Leo Trepp gewidmet. Trepp, 1913 in Mainz geboren, von 1951 bis 1983 Professor für Philosophie und Geisteswissenschaften am Napa College, Kalifornien, kam, obwohl persönlich durch den Terror des Naziregimes betroffen, seit den 1950er Jahren regelmäßig nach Deutschland, hielt Vorträge und wirkte auf eine Versöhnung von Juden und Christen hin. Seit seiner Emeritierung lehrte er bis zu seinem Tod im Jahr 2010 in jedem Sommer als Professor für judaistische Studien an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er begeisterte seine Zuhörerinnen und Zuhörer nicht nur durch sein profundes Wissen, sondern ebenso durch seine Weisheit, Menschlichkeit, Güte und Toleranz. Zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen wurden ihm für sein Wirken zuteil.

„Universität im Rathaus“ ist ein gemeinsames Projekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Stadt Mainz. Seit mehr als 30 Jahren dient der Universität dieses Forum als Brückenschlag vom Campus in die Stadt. Der Bevölkerung einen Einblick in die vielfältigen Facetten der unterschiedlichsten Disziplinen von 4.000 Wissenschaftlern in mehr als 150 Instituten und Kliniken zu geben, ist das Ziel dieser Veranstaltungsreihe. Die Reihe wird in Kooperation mit der Allgemeinen Zeitung durchgeführt.

Programm und weitere Informationen unter: http://www.universitaet-im-rathaus.uni-mainz.de.

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