SchülerInnen fordern mehr Demokratie an Schulen

Die LandesschülerInnenvertretung Rheinland-Pfalz informiert:

„Mit Betreten des Schulgeländes verlassen Sie den demokratischen Sektor der Bundesrepublik Deutschland“

Mainz, 18.10.12. Heute Morgen haben wir in drei Städten in Rheinland-Pfalz auf unsere Forderung nach einer Demokratisierung der Schule aufmerksam gemacht. Vor dem Gelände mehrerer Schulen in Mainz, Koblenz und Neustadt wurde mit Sprühkreide der Spruch: „Mit Betreten des Schulgeländes verlassen Sie den demokratischen Sektor der Bundesrepublik Deutschland“ angebracht.

Dieser Tage ist es leider gang und gäbe, dass die Interessen der Schülerinnen und Schüler in der Schule kaum berücksichtigt werden – von der allgemein so anerkannten Demokratie und Mitbestimmung keine Spur.

Wir möchten durch diese Aktion auf unsere Forderungen nach stärkerer Beteiligung der Schülerinnen und Schüler in allen Bereichen aufmerksam machen. Als direkte Partizipationsmöglichkeit fordern wir die Einführung eines wöchentlich zusammentretenden Klassenrates – in dem der demokratische Gedanke nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt wird.

Besonders wichtig ist uns in diesem Zusammenhang auch die gleichberechtigte Stimmberechtigung der Schülerinnen und Schüler in allen Konferenzen, also auch der Gesamtkonferenz. Die Schule, wie wir sie alle kennen, richtet sich nicht an den Prinzipien von Demokratie und gleicher Mitbestimmung aus. Stattdessen gibt es klare hierarchische Strukturen, in denen in nahezu jedem Fall die ranghöhere Person die Entscheidungsgewalt innehat. Statt guten Argumenten, Mehrheitsentscheidungen und Vertrauen in die Verantwortlichkeit der Schülerinnen und Schüler wird sich stattdessen über SchülerInneninteressen hinweggesetzt und es werden willkürliche Entscheidungen durchgesetzt.

Wie sollen Kinder, die in einem solchen System einen besonders prägenden Lebensabschnitt verbringen – die Kindheit und Jugend – später in der Gesellschaft selbst frei entscheiden? Die oft gescholtene Politikverdrossenheit, der Nachwuchsmangel in politischen Organisationen und viele weitere gesellschaftliche Probleme sind unserer Meinung nach eine Folge dieser inkonsequenten Umsetzung der demokratischen Idee im alltäglichen Schulleben.

„Die Schule hat laut Schulgesetz die Verpflichtung, junge Menschen zu demokratischen Bürgern zu erziehen. Leider kann ein Schüler heute kaum Demokratie lernen, wenn er in einem autoritären System wie dem der Schule aufwächst. Das Lehren und Lernen von Demokratie ist nur durch Partizipation möglich. Diese fordern wir, um den Schülerinnen und Schülern die Demokratie näher zu bringen“, so LSV-Vorstandsmitglied Johannes Domnick.

Eine demokratische Schule hätte zur Folge, dass Egoismus, Ellenbogeneinsatz und Arroganz abgelöst würden durch wirkliche Toleranz und das Akzeptieren von Mehrheitsentscheidungen sowie der Notwendigkeit der Findung einer Lösung, die für alle tragbar ist.

Minimalvoraussetzung, um den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zur Organisation und Interessenvertretung zu gewähren, ist, dass sie an allen Schulen in Rheinland-Pfalz eine SchülerInnenvertretung aus ihrer Mitte wählen können, die all diese Aufgaben wahrnimmt.

Eine Schule, die sich nach den genannten Prinzipien richtet, sorgt für eine wirklich freie Entfaltung der Persönlichkeit – Lernen nach Neigungen und nicht nach Lehrplänen, Karriereaussichten oder willkürlich definiertem gesellschaftlichem Nutzen.

Mit dieser Aktion rufen wir alle Schülerinnen und Schüler aus Rheinland-Pfalz auf, sich für eine demokratische Schule einzusetzen und diese gemeinsam einzufordern!

Für weitere Informationen: www.lsvrlp.de

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