Religion und Wirtschaft: Tagung zum Pietismus

Internationale Konferenz „Pietismus und Ökonomie ca. 1650-1750“ vom 1.-3. November 2012 im Erbacher Hof in Mainz Veranstaltung der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Verbindung mit dem Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt und der Akademie des Bistums Mainz

(Mainz, 26.10.12, voi) Geld ist für die christlichen Kirchen der Gegenwart nicht selten ein heikles Thema. Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) führt vom 1. bis 3. November 2012 eine internationale Konferenz durch, die sich diesem Thema in theologischer und kulturgeschichtlicher Perspektive widmen wird. Mitveranstalter sind das Forschungszentrum Gotha für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt und der Erbacher Hof, die Akademie des Bistums Mainz. Die Tagung konzentriert sich auf den Pietismus, die bedeutendste Reformbewegung des mitteleuropäischen Protestantismus, zu deren Hauptvertretern August Hermann Francke und Nikolaus Ludwig von Zinzendorf sowie die Herrnhuter Brüdergemeine zählen.

August Hermann Francke gründete in Halle an der Saale einen der größten Schulkomplexe des frühen 18. Jahrhunderts, zu dem neben Schulen für alle Stände und Begabungen auch ein Waisenhaus, eine Druckerei und eine Reihe von Wirtschaftsbetrieben gehörten. Er strebte eine umfassende Reform von Kirche und Gesellschaft durch eine fromme Erziehung an. Wie auch andere Vertreter des Pietismus war er offen für die Anwendung technischer und administrativer Innovationen und neuer ökonomischer Prinzipien. Diese wohlwollende Einstellung gegenüber ökonomischer Rationalität ging andererseits einher mit einer Kritik an bestimmten Begleiterscheinungen der zeitgenössischen ökonomischen und sozialen Praxis wie etwa der Vernachlässigung der Armenfürsorge und ihrer religiösen Erziehung oder dem Luxus des höfischen Lebens.

Die Tagung „Pietismus und Ökonomie ca. 1650-1750“ wird sich mit vielfältigen Facetten des ökonomischen Handelns in der pietistischen Reformbewegung befassen, beispielsweise mit der Ökonomie sozialer Einrichtungen, der Halleschen Mission, dem Medikamentenhandel, dem Zeitungsmarkt, der Finanzierung des Bibeldrucks (durch Lotterie), mit wichtigen Unternehmerpersönlichkeiten (Röntgen, Stobwasser). Hinzu kommen wichtige kulturgeschichtliche Aspekte wie der ökonomische Umgang mit der Zeit, der pietistischen Kritik an Zeitverschwendung und Vergnügungen, Freundschaftsökonomie sowie wirtschaftliche Denkweisen in der pietistischen Theologie (Aufrechnungspraktiken in der Frömmigkeit, ökonomische Aspekte im Erlösungsdenken, theologisches Argumentieren mit „Wirtschaftswundern“).

An der Tagung sind etwa 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Nordamerika, den Niederlanden, Großbritannien, der Schweiz und Deutschland beteiligt. Sie wird geleitet von Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Breul (Kirchengeschichtliches Seminar, JGU), Prof. Dr. Alexander Schunka (Forschungszentrum Gotha) und Prof. Dr. Peter Reifenberg (Erbacher Hof).

Programm und weitere Informationen:

http://www.ev.theologie.uni-mainz.de/Dateien/Flyer_Pietismus_und_Oekonomie.pdf

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