Universität im Rathaus: Jüdische Exilerfahrungen vor und nach 33

„Mein Leben in Deutschland vor und nach dem 30. Januar 1933 – Autobiographische Aufzeichnungen jüdischer Emigrantinnen und Emigranten“

Dritter Vortrag der Reihe „Universität im Rathaus“ 2012/2013 am 20. November 2012

(Mainz, 15.11.12 , voi) Die Vorlesungsreihe „Universität im Rathaus“ behandelt im Wintersemester 2012/2013 unter der Überschrift „Das Judentum in der Moderne“ im Andenken an den im Jahr 2010 verstorbenen Rabbiner Leo Trepp Fragestellungen der jüdischen und deutsch-jüdischen Geschichte, die zum Teil in direkter Verbindung zu Trepps eigenem Denken stehen. Im dritten Vortrag der Reihe stellt Referent Prof. Dr. Detlef Garz vom Institut für Erziehungswissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) autobiographische Aufzeichnungen jüdischer Emigrantinnen und Emigranten aus der Zeit vor und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland vor. Der Vortrag beginnt am Dienstag, 20. November 2012, um 20 Uhr im Hörsaal des Rathauses der Landeshauptstadt Mainz. Der Eintritt ist frei. Anmeldung nicht erforderlich.

Es gibt nur wenige Dokumente, aus denen das Geschehen und die Erlebnisse jüdischer Emigranten, die Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus verlassen mussten, in einer zeitnahen Weise hervorgehen, die also erfahrungsnah verfasst wurden. Zu diesen wenigen Texten gehören autobiographische Aufzeichnungen, die in den Jahren 1939 und 1940 für ein „wissenschaftliches Preisausschreiben“ der US-amerikanischen Harvard University verfasst wurden. Mehr als 200 Personen, die aus Deutschland und Österreich in die USA, aber auch nach England, Shanghai, Palästina oder in die Schweiz emigrieren konnten, haben über ihr Leben in Deutschland, über die Ausreise bzw. Flucht sowie über den (versuchten) Neuanfang in zum Teil sehr ausführlichen Erzählungen von 100 Seiten und mehr Zeugnis gelegt. Sie berichten über das Alltägliche und das Außergewöhnliche, über Unterstützung, aber eben auch über Verfolgung und Unterdrückung. In seinem Vortrag wird Prof. Dr. Detlef Garz einerseits das wissenschaftliche Projekt der Harvard University vorstellen, andererseits sollen die Stimmen der Verfolgten zu ihrem Recht kommen.

Die Reihe „Universität im Rathaus“ ist im Wintersemester 2012/2013 dem eng mit Stadt Mainz und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz verbundenen Rabbiner Leo Trepp gewidmet. Trepp, 1913 in Mainz geboren, von 1951 bis 1983 Professor für Philosophie und Geisteswissenschaften am Napa College, Kalifornien, kam, obwohl persönlich durch den Terror des Naziregimes betroffen, seit den 1950er Jahren regelmäßig nach Deutschland, hielt Vorträge und wirkte auf eine Versöhnung von Juden und Christen hin. Seit seiner Emeritierung lehrte er bis zu seinem Tod im Jahr 2010 in jedem Sommer als Professor für judaistische Studien an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er begeisterte seine Zuhörerinnen und Zuhörer nicht nur durch sein profundes Wissen, sondern ebenso durch seine Weisheit, Menschlichkeit, Güte und Toleranz. Zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen wurden ihm für sein Wirken zuteil.

„Universität im Rathaus“ ist ein gemeinsames Projekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Stadt Mainz. Seit mehr als 30 Jahren dient der Universität dieses Forum als Brückenschlag vom Campus in die Stadt. Der Bevölkerung einen Einblick in die vielfältigen Facetten der unterschiedlichsten Disziplinen von 4.000 Wissenschaftlern in mehr als 150 Instituten und Kliniken zu geben, ist das Ziel dieser Veranstaltungsreihe. Die Reihe wird in Kooperation mit der Allgemeinen Zeitung durchgeführt.

Programm und weitere Informationen unter: http://www.universitaet-im-rathaus.uni-mainz.de.

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