DFG genehmigt Graduiertenkolleg Konzepte von Mensch und Natur

Frühe Vorstellungen von Mensch und Natur: DFG bewilligt Graduiertenkolleg an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Neues Graduiertenkolleg untersucht Konzepte von Mensch und Natur in den Kulturen des Orients und Okzidents zwischen 3200 v.Chr. und dem Mittelalter

(Mainz, 16.11.12, voi) Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ein neues Graduiertenkolleg ein, das sich mit den frühen Mensch- und Naturvorstellungen im vorderasiatischen, nordostafrikanischen und europäischen Raum befasst. Das Graduiertenkolleg „Frühe Konzepte von Mensch und Natur: Universalität, Spezifität, Tradierung“ bietet 24 Doktorandinnen und Doktoranden ab Oktober 2013 ein strukturiertes Forschungs- und Qualifizierungsprogramm. Die Teilnehmer werden anhand von Texten, Abbildungen und materiellen Quellen aus der Zeit von etwa 3200 v.Chr. bis zum Mittelalter erarbeiten, wie sich Konzepte des Menschen und der Natur entwickelt und im Rahmen der Verbreitung und Vermittlung zwischen Kulturen und Zeitepochen verändert haben. An ausgewählten Beispielen will das Kolleg herausarbeiten, wie sich Menschen von der Prähistorie bis zum Mittelalter Weltentstehung und Urelemente vorstellten, welche frühen Konzepte von Naturphänomenen oder Naturgewalten vorherrschten, wie Flora, Fauna und Landschaft beschrieben wurden und wie man den menschlichen Körper, Krankheit und Heilung erklärte. Dabei wird eine enge Zusammenarbeit der Geisteswissenschaften mit den Natur- und Lebenswissenschaften praktiziert. Sprecherin des neuen Graduiertenkollegs ist Univ.-Prof. Dr. Tanja Pommerening vom Institut für Ägyptologie und Altorientalistik der JGU.

„Eine übergreifende inner- und transkulturelle Verortung früher Konzepte setzt voraus, dass tiefgehende Kenntnisse aller behandelten Kulturen, ihrer Sprachen und ihrer materiellen Kultur vorhanden sind“, so Pommerening. „Ein Graduiertenkolleg als interdisziplinärer Forschungs- und Ausbildungsverbund bietet den optimalen Rahmen, um auf dem Gebiet der Wissensgeschichte größere Fortschritte zu erzielen, weil es aufgrund der besonderen Betreuungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten zielgerichtete Arbeiten und einen permanenten interdisziplinären Austausch ermöglicht.“ Die einzelnen fachspezifischen Arbeiten der Promovenden sollen gleichartige Fragestellungen und eine breite Methodik berücksichtigen, um objektivierbare Vergleichsdaten zu liefern.

Die Voraussetzungen für das neue Graduiertenkolleg sind an der JGU mit ihrer Vielfalt an sogenannten Kleinen Fächern insbesondere im Bereich der Altertumswissenschaften ideal. Dazu tragen allein vier Professuren für den altorientalischen und altägyptischen Bereich bei, insgesamt sieben Professuren für die Klassische Antike und zwei für den Christlichen Orient/Byzanz, hinzu kommt die Beteiligung der Germanistischen Mediävistik und Medizingeschichte. Diese fachliche und personelle Breite ermöglicht vor Ort vielfältige interdisziplinäre Kombinationen und dient als Basis für die Herausbildung exzellenter Forschung. Hiervon zeugen – auf das Thema des neuen Graduiertenkollegs bezogen – insbesondere die zwei bereits jahrzehntelang bestehenden internationalen Arbeitskreise „Alte Medizin“ und „Antike Naturwissenschaften und ihre Rezeption“. Durch die in Mainz zusätzlich vorhandenen und am Graduiertenkolleg beteiligten Forschungsinstitute und Forschungsschwerpunkte – darunter das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM), der WissenschaftsCampus Byzanz zwischen Orient und Okzident sowie der Forschungsschwerpunkt Historische Kulturwissenschaften, das Forschungszentrum Sozial- und Kulturwissenschaften und das Konrad-Weidemann-Zentrum der JGU – ergibt sich ein einmaliges Spektrum von Wissenszweigen philologischer, bild- und kulturwissenschaftlicher, wissenschaftshistorischer und naturwissenschaftlicher Disziplinen, die in großem Umfang erstmalig zusammenarbeiten und voneinander profitieren werden. Durch die fest eingebundenen Kooperationspartner verschiedener Disziplinen in den USA, England, Frankreich und Belgien werden zudem transnationale Kontakte in Forschungsfragen erleichtert.

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