Überdurchschnittlich viele Niedriglöhner im Land

Gehaltsstatistik

Neue DGB-Statistik enthüllt: Ein Viertel der Vollzeitbeschäftigten in Rheinland-Pfalz erhält nur Niedriglohn

Mainz, 04.12.12 Rund ein Viertel aller Vollzeitkräfte in Rheinland-Pfalz erhält lediglich einen Niedriglohn. Dies ist das Ergebnis einer DGB-Auswertung der aktuellsten Lohnstatistik. Demnach arbeiteten 2010 rund 202.000 Menschen im Land trotz Vollzeitstelle für weniger als 1.890 Euro brutto im Monat. „Zu den rund 385.000 Minijobberinnen und Minijobbern im Land kommt also noch eine erhebliche Zahl von Menschen hinzu, die trotz Vollzeitstelle schlecht verdienen“, sagte der DGB-Landesvorsitzende Dietmar Muscheid am Sonntag in Mainz. „Jeder, der sich zur Rentenpolitik äußert, sollte diese Zahlen im Hinterkopf haben und bedenken, was sie für die Zukunft der Menschen bedeuten.“

Der DGB-Auswertung zufolge rutschen Vollzeitbeschäftigte in Rheinland-Pfalz noch häufiger in den Niedriglohnsektor als in den alten Bundesländern insgesamt. Während der Anteil im Durchschnitt der westdeutschen Länder bei 20,8 Prozent liegt, sind es in Rheinland-Pfalz 23,1 Prozent. Besonders viele niedrig Bezahlte gibt es in der Südwestpfalz (36,9 Prozent), im Rhein-Pfalz-Kreis (31,4 Prozent), in Neustadt (31,1 Prozent) und im Landkreis Kaiserslautern (29,2 Prozent).

Besser ist die Situation in Ludwigshafen (13,7 Prozent), im Westerwaldkreis (13,4 Prozent), in Bitburg-Prüm (13,3 Prozent) und in Germersheim (13,2 Prozent).

Von Niedriglöhnen sind dabei auch Menschen mit Ausbildung in hoher Zahl betroffen. So zählten in Rheinland-Pfalz bereits 17,9 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten mit Berufsabschluss zu den Niedrigverdienern. In den alten Bundesländern insgesamt waren es demgegenüber 16,0 Prozent der Erwerbstätigen in Vollzeit und mit Ausbildung.

„Dieses überdurchschnittlich hohe Niedriglohnrisiko von qualifizierten Arbeitskräften passt nicht zu den Klagen von Arbeitgebern über Fachkräftemangel“, sagte Muscheid weiter. Die DGB-Auswertung sei vielmehr ein Indiz dafür, dass Beschäftigte teils im erlernten Beruf keinen Job fänden oder nicht qualifikationsgerecht vergütet würden. Trotz Berufsabschluss steckten sie oftmals in Jobs für Un- oder Angelernte. Je länger diese Situation andauere, desto weniger wert sei die erworbene Qualifikation.

Noch weit miserabler sei die Entlohnung für viele ohne Berufsabschluss. „Mehr als 31 Prozent der Geringqualifizierten im Land zählen zugleich zu den Geringverdienern. Das Risiko, als Vollzeitbeschäftigte oder Vollzeitbeschäftigter einen Niedriglohn zu erhalten, ist für Beschäftigte ohne Berufsabschluss annähernd doppelt so hoch wie für Qualifizierte.“

Insbesondere im Dienstleistungsgewerbe sei das Risiko einer schlechten Bezahlung für Qualifizierte wie für Beschäftigte ohne Berufsabschluss überdurchschnittlich hoch, sagte Muscheid. Nach Einschätzung des DGB Rheinland-Pfalz haben Menschen, die wenig verdienen, oftmals auch ein instabiles Arbeitsverhältnis und ein hohes Entlassungsrisiko.

Die beruflichen Aufstiegschancen für Niedriglohnverdiener seien hingegen ungünstiger als in vielen anderen Industrieländern. Wer behaupte, Niedriglöhne seien Einstiegslöhne, der liege falsch. Die Chancen, in besser bezahlte Jobs aufzusteigen, seien hierzulande relativ gering. Viel häufiger als der Einstieg in besser bezahlte Tätigkeiten, sei eine Verfestigung der Niedriglohnfalle.

Der hohe Niedriglohnsektor in Rheinland-Pfalz ist nach Einschätzung des DGB auch eine Zeitbombe für künftige Altersarmut. Wer über einen längeren Zeitraum wenig verdient, wird künftig verstärkt von Altersarmut bedroht sein. Hinzu kommt, dass private Altersrücklagen bei niedrigem Einkommen so selten sind, dass das soziale Problem der Altersarmut dadurch kaum gemindert werden kann.

Für die Erhebung hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die auch von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verwendete Definition über Niedriglöhne zugrunde gelegt. Danach zählt zu den Geringverdienern, wer in seinem Land auf weniger als zwei Drittel des mittleren (durchschnittlichen) Lohns kommt. Wegen des immer noch deutlichen Lohngefälles zwischen Ost und West wurde nicht die bundesweite Niedriglohnschwelle, sondern eine differenzierte für West und Ost zugrunde gelegt. Danach lag die Niedriglohnschwelle 2010 in den alten Ländern bei 1.890 Euro brutto im Monat und in den neuen Bundesländern bei 1.379 Euro. Ausgewertet wurden die Meldungen für die Sozialversicherungen, die die Arbeitgeber vornehmen. In Rheinland-Pfalz allein wurden die Meldungen für 873.420 Vollzeitbeschäftigte mit sozialversichertem Job einbezogen, für die alten Bundesländer rd. 16,6 Mio. und für die neuen Bundesländer gut 3,9 Mio. Meldungen.

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