Kommentar zur Steinbrück-Rede

Spannende Rede und leckeres Essen

von Hans-Peter Terno

Mainz, 10.12.12. Peer Steinbrück hielt seine Nominierungsrede um die beste Mittagszeit. Phönix übertrug den Nominierungsparteitag der SPD in Hannover. All die Journalisten, die nach Abschluß dieses Parteitages berichteten, hätten die Reden von Gabriel und Steinbrück hören können. Wenn sie nur nicht so hungrig gewesen wären oder noch damit beschäftigt waren, ihren weihnachtsmarktlichen Glühweinrausch auszuschlafen.

Ich habe die Rede des Kanzlerkandidaten gehört, wenn auch mit kurzen Unterbrechungen, die der Zubereitung meines Mittagsnmahls gewidmet waren. Gegessen habe ich dieses während des Schlußbeifalls, der gut eine Viertelstunde einnahm. Ich kochte etwas einfaches, die Rede war zzu spannend.

Eingangs widmete sich Peer Steinbrück der 150-jährigen Geschichte der SPD und zog daraus sein Wahlkampfmotto: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität. Bei der Freiheit zitierte Steinbrück ohne Namensnennung Rosa Luxemburg: „Freiheit ist immer auch die Freiheit des Anderen“.

Dann wurde der Kandidat konkret. Er sagte, was er will, arbeitete die Unterschiede zur Politik der Kanzlerin und ihrer Regierungskoalition heraus. Steinbrück geißelte die Ettiketten, die auf „leere Flaschen“ geklebt wurden, wie „Lebensleistungsrente“ oder „Lohnuntergrenze“.

Mindestlohn und armuttsfeste Solidaritätsrente waren seine Antworten. Er will gegen die Erwerbsarmut kämpfen, bezahlbaren Wohhnraum schaffen, das Auseinanderdriften der Gesellschaft beenden, Chancen für alle eröffnen. Diese unnd die anderen Forderungen und Ziele wurden mit konkreten Maßnahmen untermauert, mit denen diese Ziele zu erreichen wären.Korrekturen will Steinbrück bei den Hartz-Gesetzen machen, die Finanzmärkte und Banken wieder an die Leine nehmen. „Wir brauchen keine marktgerechte Demokratie, wir brauchen demokratiegerechte Märkte“ sagte der klare Befürworter der sozialen Marktwirtschaft. Den Spitzensteuersatz will er erhöhen, die Erbschaftssteuer erhöhen, eine Vermögensabgabe einführen, das Ehegattensplitting abschaffen und die Pflegeversicherung um ein halbes Prozent erhöhen. Damit verabschiedet er sich von Entscheidungen der Regierung Schröder, die er mitzuverantworten hat.

Nach der gefühlt ewigen Kanzlerschaft Merkels endlich wieder eine Rede mit glasklaren Inhalten. Das war spannend. Zumal Steinbrück die Regierung mit klaren Gegenpositionen kritisierte, dabei über der Gürtellinie blieb und persönliche Herabstellungen vermied.

Dem Mann ist der Inhalt seiner Rede abzunehmen und zuzutrauen, daß er diese im Falle eines Wahlerfolges gemeinsam mit den Grünen umsetzt. Einer möglichen großen Koalition erteilte er eine klare Absage. Steinbrück sprach auch die „Wackersteine“ im Nominierungsverfahren an, seine Rednerhonorare. Diese Honorare verführten Phoenix-Journalisten in Kurzinterviews auf dem Parteitag die Behauptung aufzustellen, Steinbrück würde als Millionär wahrgemommen. Geld zu haben und Sozialdemokrat zu bleiben schließt sich für die eifrig Etiketten klebenden Journalisten offenbar aus. Dabei gab es schon welche auch in SPD-Regierungen. Aber so weit denken Journalisten offenbar nicht zurück. Eine Woche schon und so zitierten sie die Ergebnisse der Sonntagsfragen von ARD und ZdF von letzter Woche so, als ob sie die Reaktionen der Befragten auf Nominierungsparteitag und Steinbrück-Rede darstellten…Dem großen Medienlob für Merkel auf und nach dem CDU-Parteitag folgte nun die große Kritik der Medien auf und nach dem SPD-Parteitag. Wie gesagt, die Journalisten mußten essen, statt zuzuhören.

Für ähnliche Anlässe mein Rezept des gestrigen Schnellmenüs: Vorgefertigte Gnochhi 20 Minuten kochen und dann abgiessen. Ein Putenschnitzel in Würfel schneiden, salzen und in Olivenöl kurz anbraten. Abgegossene Gnocchi hinzugeben und eine Dose Pizzatomaten. Umrühren, Deckel auf die Pfanne, Temperatur klein stellenn und 15 Minuten warten. Für die verschiedenen Zubereitungsschritte war ich jeweils nur 1-2 Minuten in der Küche. Das Essen schmeckte, ich habe noch für heute übrig und vor allem: so konnte ich mit Ausnahme weniger Minuten fast die komplette 105-minütige Steinbrück-Rede hören.

Übrigens: wenn Sie Interesse an weiteren, blindengeeigneten Rezepten haben, nächsten Sonntag, im Sonntagskommentar kommt wieder eines.

This entry was posted in Allgemein and tagged , , , , , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.