Universität im Rathaus: Wie Shylock heute interpretieren…

Terminhinweis

„Wenn Ihr uns stecht …“ Shylock-Interpretationen als Inszenierung jüdischer Identität

Fünfter Vortrag der Reihe „Universität im Rathaus“ 2012/2013

am 18. Dezember 2012

Mainz, 12.12.12 Die Vorlesungsreihe „Universität im Rathaus“ behandelt im Wintersemester 2012/2013 unter der Überschrift „Das Judentum in der Moderne“ im Andenken an den im Jahr 2010 verstorbenen Rabbiner Leo Trepp Fragestellungen der jüdischen und deutsch-jüdischen Geschichte, die zum Teil in direkter Verbindung zu Trepps eigenem Denken stehen. Im fünften Vortrag der Reihe geht es Referent Prof. Dr. Peter W. Marx vom Institut für Medienkultur und Theater der Universität zu Köln um die moderne Interpretation der Figur des Shylock in Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“. Der Vortrag beginnt am Dienstag, 18. Dezember 2012, um 20 Uhr im Ratssaal des Rathauses der Landeshauptstadt Mainz. Der Eintritt ist frei. Anmeldung nicht erforderlich.

Obgleich Shylock in Shakespeares Kaufmann von Venedig von seiner Entstehung her Teil einer typischen Verlach-Dramaturgie ist, wurde die Figur im 20. Jahrhundert zu einer zentralen Denkfigur für die Inszenierung jüdischer Identität: Die Inszenierung von Shakespeares Stück forderte Regisseure, Schauspieler und Publikum gleichermaßen zu einem Nachdenken über Jüdischsein im Horizont der Moderne heraus. Noch im Kaiserreich, vor allem aber in der Weimarer Republik entwickelte sich Shylock zu einem Symbol jüdischer Selbstbehauptung angesichts eines erstarkenden Antisemitismus. Nach 1945 schließlich – im Bewusstsein um die Verbrechen der Shoah – stellte und stellt sich die Frage nach der Möglichkeit dieser Figur neu.

Die Reihe „Universität im Rathaus“ ist im Wintersemester 2012/2013 dem eng mit Stadt Mainz und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz verbundenen Rabbiner Leo Trepp gewidmet. Trepp, 1913 in Mainz geboren, von 1951 bis 1983 Professor für Philosophie und Geisteswissenschaften am Napa College, Kalifornien, kam, obwohl persönlich durch den Terror des Naziregimes betroffen, seit den 1950er Jahren regelmäßig nach Deutschland, hielt Vorträge und wirkte auf eine Versöhnung von Juden und Christen hin.

Seit seiner Emeritierung lehrte er bis zu seinem Tod im Jahr 2010 in jedem Sommer als Professor für judaistische Studien an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er begeisterte seine Zuhörerinnen und Zuhörer nicht nur durch sein profundes Wissen, sondern ebenso durch seine Weisheit, Menschlichkeit, Güte und Toleranz. Zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen wurden ihm für sein Wirken zuteil.

„Universität im Rathaus“ ist ein gemeinsames Projekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Stadt Mainz. Seit mehr als 30 Jahren dient der Universität dieses Forum als Brückenschlag vom Campus in die Stadt. Der Bevölkerung einen Einblick in die vielfältigen Facetten der unterschiedlichsten Disziplinen von 4.000 Wissenschaftlern in mehr als 150 Instituten und Kliniken zu geben, ist das Ziel dieser Veranstaltungsreihe. Die Reihe wird in Kooperation mit der Allgemeinen Zeitung durchgeführt.

Programm und weitere Informationen unter: http://www.universitaet-im-rathaus.uni-mainz.de.

Shylock, nazi-Regime

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