Weihnachtskommentar

Weihnachtskommentar Essen verbindet von Hans-Peter Terno Mainz, 24./25.12.12 Er kann es offenbar nicht erwarten. Bundespräsident Johannes Gauck verbreitete bereits am 4. Advent den Inhalt seiner Weihnachtsansprache an die Medien. Diese wird traditionsgemäß am Abend des ersten Feiertages gesendet. Was nur trieb den Präsidenten, seine Rede vorab zu verbreiten? Wollte er die Nachrichtenhohheit am Weihnachtsabend? Da gibt es bekanntlichermaßen kaum was zu berichten. Oder wollte er in einem Atemzug mit den Weihnachtsansprachen der Repräsemtamtem der beiden großen Kirchen genannt werden? Die Antwort bleibt offen. Am ersten Feiertag, zur Zeit seiner Rede im Fernsehen, wird der Wasserverbrauch jedenfalls kurzfristig ansteigen. Die bereits bekannte Rede des Präsidenten wird gesendet, dann können die Zuschauerinnen und Zuschauer ja noch mal kurz die Toilette aufsuchen, um später an der spannensten Stelle des Abendprogrammes nicht von einem etwaigen Harndrang gestört zu werden. Der ehemalige protestantische Pastor, der vor kurzem mit seiner Lebensgefährtin Afghanistan besuchte, berichtete von dem Eindruck der Reise. Er verstehe jetzt, wie wichtig es sei, daß in der europäischen Union seit 60 Jahren Frieden herrsche. Davon, daß es den Deutschen gut ginge, sprach er auch und davon, daß die Menschen verunsichert seien, weil der Abstand zwischen Arm und Reich immer größer werde. Die beiden Repräsemtamtem der katholischen und der evangelischen Kirche fanden da deutlichere Worte. Sie müssen ja auch keine rücksicht auf den kleineren Koalitionspartner der Bundesregierung nehmen. Julia Klöckner, rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende treibt da ganz anderes um. Ihr geht es um Gott an sich. Der sei so groß, daß er über allem Geschlechtlichem stehe und somit durchaus den Artikel „das“ erhalten könne, verteidigt sie sie die Familienministerin Christina Schröder. Also nicht mehr „Vater unser, der Du bist im Himmel?“ sondern „Neutrum unser, das Du bist im Himmel…“. Klöckner nimmt sich das Recht der Unfehlbarkeit der studierten, katholischen Theologin. Religionswissenschaftlich gesehen, ist Gott ein Mann. Jahwe folgt der matriarchalischem Göttin Astarte, deren heiliges Symbol die Schlange war. Deshalb die Verdammung Evas und der Schlange in der Schöpfungsgeschichte der Bibel. Aber gut, mischen wir uns nicht in innerchristliche Diskussionen ein. Heute und morgen habe ich Freunde mit ihren Kindern zum Essen eingeladen. Sie sind mehr oder weniger muslimische Gläubige. Da wird „der, die, das Gott“ ohnehin kein Thema sein. Da geht es um die Kinder und ihre Chancen, geht es um den Austausch von Kochrezepten… Ach, ja, ich hatte Ihnen ein Rezept versprochen. Ich nehme ein Silvesterrezept, damit Sie noch einkaufen können. Pikante Silvestertorte Sie benötigen: Zwei Rollen Blätterteig aus der Kühltheke 2 Tassen Langkornreis 1 Päckchen TK-Blattspinat 1 Päckchen Seehecht Filetspitzen aus der Tiefkühltruhe 1 kleiner Becher saure Sahne 1 Tütchen Parmesan. Kochen Sie eine große Tasse Langkornreis. Dazu tun Sie etwas Olivenöl in den Topf, geben eine kleingeschnittene Zehe Knoblauch hinzu und erhitzen Sie diesen, bis Sie ihn riechen. Geben Sie den Reis hinzu und rühren ihn, bis dieser glasig ist. Dann geben Sie zwei Tassen Wasser und zwei Teelöffel Gemüsebrühe hinzu. Kochen, bis der Reis das Wasser aufgesogen hat. Fetten Sie eine Springform ein und kleiden Sie diese mit Blätterteig aus. Füllen Sie diese Form folgendermaßen: Bedecken Sie den Boden mit einem Teil des abgekühlten Reis. Geben Sie darauf die Hälfte des Spinat, gewürzt mit Salz, geriebenem Rosmarin und geriebenem Estragon sowie mit einer in kleine Stifte geschnittenen Knoblauchzehe. Geben Sie darauf die leicht gesalzenen und gepfefferten mit Zitronensaft bestrichenen Seehechtfiletspitzen. Darauf Spinat, gewürzt wie zu vor. Mit Reis bedecken, einige Esslöffel saure Sahne darauf verteilen, mit Parmesan abstreuen. Bedecken Sie das ganze mit Blätterteig. Schneiden Sie aus dem restlichen Teig die Silouette eines Fisches aus und legen Sie diese auf die mit Blätterteig bedeckte Springform. Geben Sie die Form in einen auf 180 Grad vorgeheizten Backofen. Je nnach Feuchtigkeit des Spinates und des Fisches dauert die Backzeit ein bis anderthalb Stunden. Die Fischtorte ist gar, wenn der Blätterteig, der die Form bedeckt, gut aufgegangen und braun ist. Mit diesem Gericht können Sie gut acht Gäste sättigen, insbesondere wenn Sie zuvor einen Salat aus Chiccorree, Apfelstückchen und Walnüssen reichen. Zum Nachtisch Mandarinen oder Obstsalat. (Vergessen Sie nicht, den harten Kern aus dem Chirrokoree zu entfernen). Diese Art, Reis zu kochen, habe ich in Spanien gelernt. Die Fischtorte habe ich dort erstmals zubereitet. Aus die Spinatwürzung kam ich allerdings erst später in Deutschland, als mein Muskat aus war. Immer wieder treffe ich mich mit Freunden aus anderen Ländern zum Essen. Wir bekochen uns gegenseitig nach Landessitte und kochen dann später die probierten Gerichte zu Hause nach. Klar, daß wir uns da gegenseitig mit Gewürzen und Tips unterstützen. Über diese Familie kam übrigens das deutsche Rezept für weißen Spargel in die arabische Gemeinschaft um Mainz. Ich selbst bereite inzwischen lieber grünen Spargel zu, wie ich das in Spanien gelernt habe. Das Ende wird abgeschnitten und der Spargel mit Knoblauch und Olivenöl in der Pfanne gebraten. Solchen Spargel gibt es heute Mittag zu Rinderschmorbraten und Boullionkartoffeln. „Liebe geht durch den Magen“, „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“. Es gibt viele Sinnsprüche über das Essen. Gutes Essen hat etwas entschieden Völkerverbindendes. Über ihre Pizerrien kochten sich die Italiener in unser Herz, Spanier, Portugiesen, Griechen und Jugoslawen folgten mit ihren Restaurants. Heutzutage gibt es viele türkische und arabische Restaurants. Diese alle haben mehr zur Integration und gegenseitigen Akzeptanz beigetragen als alle Sonntagsreden zusammen. Langer Kommentar, kurzer Sinn: tragen Sie selbst doch mal aktiv zur Integration Ihrer Nachbarn aus anderen Ländern bei. Laden Sie sie zum Essen ein. Die Gegeneinladung erfolgt bestimmt. Seien Sie aber ein wenig sensibel: erkundigen Sie sich, was die Eingeladenen auf keinen Fall essen. Nicht nur mit Schweinefleisch können Sie falsch liegen. Aber Hand auf“s Herz: essen Sie denn alles? Schliesslich sind Sie ja nicht der Bundespräsident und seine Lebensgefährtin, die aus Höflichkeit bei Staatsempfängen im Ausland alles essen müssen, was ihnen vorgesetzt wird… Ja und dann: Das Team der landeszeitung-rlp wünscht Ihnen ein frohes Weihnachtsfest.
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