Landtagspräsident zum Gedenken an die KZ-Opfer

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2013

Plenarsitzung des rheinland-pfälzischen Landtages in der Gedenkstätte KZ Osthofen

Mainz/Osthofen, 29.01.13, „Gegen das Böse setzt die jüdische Philosophin Hanna Arendt das Denken als solches, das die Menschen davon abhält, Böses zu tun. Auch in diesem Sinne sind unsere Gedenkstätten wahre „Denkstätten“: Hier können wir menschlich mitfühlen, mit Herz und mit Verstand, wir können nachdenken und weiterdenken“, so Landtagspräsident Joachim Mertes im Rahmen der zentralen Gedenkveranstaltung des Landes in der Gedenkstätte KZ Osthofen mit Abgeordneten, Regierungsmitgliedern und geladenen Gästen. Nachdem sich die Abgeordneten, Regierungsmitglieder und Gäste zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus erhoben haben, fährt Joachim Mertes fort: „Wir machen uns klar: Diese Menschen wurden nicht geboren, um gefoltert und ermordet zu werden. Sie hatten ihr Leben noch vor sich. Sie waren voller Hoffnungen und Sehnsüchte, voller Pläne und Träume. Es waren ganz normale Frauen und Männer, Mädchen und Jungen, Großmütter und Großväter. Wir haben uns erhoben, um zu versprechen, dass wir alles daran setzen wollen, dass sich solches Geschehen nicht wiederholt. Nie wieder!“ Im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung stand der Vortrag des ehemaligen Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichtes, Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Winfried Hassemer zum Thema „Wovon das Recht lebt und woran es verdirbt. Die Zerschlagung des Rechts ab 1933“. „Durchsichtigkeit und Freiheitlichkeit des Rechts werden erst durch die Zustimmung der Leute möglich, und das war unter den Nazis – mit umgekehrten Vorzeichen – nicht anders: Diese Gesellschaft hat es ertragen und gebilligt, dass Menschen wegen ihrer Rasse verfolgt und öffentlich verhöhnt wurden, dass Eigentum vor aller Augen zerstört wurde und Nachbarn verschwanden“, so Prof. Winfried Hassemer in seinem Vortrag. Sein aus Gau-Algesheim stammender Vater, Martin Hassemer, war 1933 Häftling im KZ Osthofen. Dort wurden vom Frühjahr 1933 bis Sommer 1934 Gegner des NS -Regimes, allen voran Mitglieder der KPD, der SPD und Gewerkschafter, aber auch Angehörige des Zentrums, Juden, Zeugen Jehovas, Sinti und andere gefangen gehalten. Viele Häftlinge wurden nach der Schließung des Lagers erneut verfolgt, verschleppt und später getötet.

This entry was posted in Allgemein and tagged , , , , , , , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.