Sonntagskommentar: Eigentlich könnte ich es mir leicht machen


von Hans-Peter Terno

Mainz, 10.02.13. Donnerstag/Freitag fange ich an, mir zu überlegen,
welche Themen ich im Sonntagskommentar bestreichen sollte. Wenn ich mich
dann Samstagabend an den PC setze, hat sich eine Struktur gebildet, die
es mir erleichert, diesen Kommentar zu schreiben.

Diesmal könnte ich es mir einfach machen: den letzten
Fastnachts-Sonntagskommentar nehmen, von und zu Guttenberg durch Schavan
ersetzen und rein in die Zeitung. Ich widerstehe der Versuchung. Auch
ein Plagiat bei sich selbst bleibt ein Plagiat.

Es scheint fast, als entwickle sich eine Serie: Fastnacht 2012 von und
zu Guttenberg-Rücktritt, Fastnacht 2013 Schavan-Rücktritt. Ob es den
Wagenbauern der Rosenmontagszüge schon schavante, dass die Frau zurücktritt?

Nun gut, die scheidende niedersächsische Kultusministerin hat für die
nächsten Monate einen neuen Job. Frau Schavan kann ihr Geld als
Bundestagsabgeordnete behalten, das Mandat bleibt ihr ja mindestens bis
zur Bundestagswahl am 22. September… der Klotz am Bein der Kanzlerin
wäre also weg.

Es wird langsam einsam um die Kanzlerin. „Ihre beste Freundin“ (ARD)
verlässt das Kabinett. Wieder ein neues Gesicht, an das sich Frau Merkel
am Kabinettstisch gewöhnen muss. Dort geht es ihr wie in der EU, ständig
kommen neue EU-Regierungschefs, bis die Kanzlerin die richtig einordnen
kann, sind sie schon wieder weg. Bei den Ministerpräsidenten der Länder
ist dies ähnlich. Manchmal muss die Kanzlerin schon bei ihrer Sekretärin
nachfragen: „Wer ist denn Ministerpräsident in Schleswig-Holstein? Die
googlet dann.

Dieses Problem: „Wer zum Teufel ist denn…“ haben allerdings die
Ressortchefs der Regierungen der anderen EU-Staaten mit der
Bundesregierung auch. Da sind in dieser Legislaturperiode schon eine
ganze Reihe von Bundesministern gegangen oder umbesetzt worden: von und
zu Guttenberg, Brüderle, Rösler, Röttgen (ich erhebe keinen Anspruch auf
Vollständigkeit) und nun Frau Schavan. Ist sie die Letzte in dieser
Legislaturperiode, die geht? Wie Frau Schavan im Fall von und zu
Guttenbergs, schämen wir uns für sie, begrüßen die Autonomie der
betreffenden Hochschule. In ihrem eigenen Fall tut das Frau Schavan
übrigens nicht. Dabei ist sie nach wie vor Doktor. Doktor der
Universität Lübeck, die ihr diesen h.c. nun in einer großen Feier
überreichen will, wie der Deutschlandfunk meldet. Ob die Universität
Lübeck der scheidenden Ministerin wohl besonders viel Geld zu verdanken hat?

Die Profiteure der Elitenpolitik der Bundesministerin, die großen
außeruniversitären wissenschaftlichen Institute und Gesellschaften und
Vertreter der Exzellenz-Universitäten, hatten ja versucht, Druck
gegenüber der Universität Düsseldorf aufzubauen.

Von studentischer Seite aus regt sich keine Stimme des Bedauerns.
Frau Schavan hat die BAföG-Reform zu lange verschleppt, ist mit ihrem
Deutschland-Stipendium gescheitert. Dieses Stipendium sollte 10% der
Studenten erreichen. Tatsächlich sind es aber 0,1 Prozent, wie es im
Deutschlandfunk hieß…

In der jetzt abgelehnten Promotion der Erziehungswissenschaftlerin ging
es um „Person und Gewissen“. Frau Schavan hat offenbar einen ganz
eigenen Umgang mit ihrem Gewissen.

Die Reaktionen? SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel ist über den Rücktritt
der „hochanständigen Frau“ betrübt, die Baden-Württembergische CDU auch.
Ulrich Deppendorf, ARD-Hauptstadt-Korrespondent und Hohepriester des
Merkel-Kultes, trägt einen Trauerflor auf seiner Stimme. Trittin indes
spottet: Die nun neue Bildungsministerin Wanka habe in dieser Funktion
in Brandenburg und Niedersachsen dazu beigetragen, dass die jeweilige
Landesregierung nicht wiedergewählt wurde…

Angeschlagen und aufrecht hangeln sich die Spitzenkandidaten von SPD und
FDP durch die Landschaft. Steinbrück wegen des raschen Scheiterns seines
„Peerblog“, wieder auch im Zusammenhang mit Fragen der Finanzierung.

Brüderle wankt durch die Anschuldigungen einer Stern-Journalistin, er
habe sie nächtens an einer Hotelbar unziemlich angemacht. Nächtens an
einer Hotelbar, denken da gleich geartete Männer, wie die Büttenredner
der Mainzer Fastnacht, der war halt blau, der Brüderle. Der ist halt so.
Kleben bleibt der Verdacht des Alkoholismus. Brüderle schweigt dazu und
trinkt seinen Wein.

Ach – und wie hätten die Herren Büttenredner der Fernsehfastnachtsitzung
wohl reagiert, wenn die CSU-Landesgruppenchefin, Gerda Hasselfeldt, des
nächtens an der Hotelbar einem jungen Journalisten angeboten hätte, mit
ihm die Nacht durchzutanzen, einen Bussi zu geben und ihn gelobt hätte,
er könne mit seinen Rundungen eine Balletttrikothose besonders gut
ausfüllen? Aber Frau Hasselfeldt ist aus anderem Holz geschnitzt als
Rainer Brüderle und als der Horst Seehofer eben auch.

Bei der FDP ist alles nicht so, wie es scheint. Deutlich wurde dies bei
der Reaktion auf die Bemerkung des hessischen FDP-Vorsitzenden, Jörg-Uwe Hahn,
mit einem asiatisch aussehenden Vize-Kanzler
und Wirtschaftsminister habe man Probleme bei der Akzeptanz durch die
Wähler. Schnell sprangen Kubicki und der Jungliberale Lars Becker Hahn
bei: Die Äußerung spreche nicht für Rassismus. Selbst Rösler pflichtete
dem bei. Er weiß, was die Wähler an ihm stört: seine knallharte
Marktpolitik…

Ich aber frage mich, wollen Hahn und Konsorten für den Fall des
absehbaren Ausbleibens von Leihstimmen von der CDU eine rechte Kampagne
planen? So nach Möllemann?
Von der FDP zur FPD (Freiheitliche Partei Deutschlands?) Die Erfolge
der FPÖ und deren stabiler Wählerstimmen haben bei der FDP ja schon so
manches Herz höher schlagen lassen.

Mir schavant Fürchterliches!

Jetzt aber erst einmal Helau!

P.S.: Beim politischen Aschermittwoch des OV Altstadt der SPD am
Mittwoch in der Gaststätte Schon Schön (Große Bleiche/Ecke
Flachsmarktstraße) ab 18.00h gibt es auch politisches Kabarett von mir.
Zuvor reden der Ortsvorsitzende Andreas Behringer und der
Bundestagsabgeordnete Michael Hartmann.

Der Eintritt ist frei, ein Besuch lohnt sicht trotzdem!

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