Kommentar zur Debatte um das Sitzenbleiben

Kommentar zur Debatte um das Sitzenbleiben: Blieb Frau Dickes sitzen?

von Hans-Peter Terno

Mainz, 08.03.12. Die Meisterin nicht zusammen passender Vergleiche, Julia Klöckner, verglich jüngst die Schule mit der Bundesliga. Auch dort müsse immer wieder jemand absteigen. Die Bundesliga besteht aus Vereinen. Deren Mannschaften können Meister werden, auf den Plätzen bleiben oder eben absteigen. Die Schule hat die Aufgabe, junge Menschen zu unterrichten und dafür zu sorgen, dass sie die Lernziele erreichen. Das schaffen die jungen Menschen mehr oder minder erfolgreich. Der mitunter mangelnde Erfolg ist häufig weniger in der mangelnden Intelligenz oder im mangelnden Lerneifer der SchülerInnen begründet, sondern hat vielfältige Hintergründe.

Veraltete didaktische Methoden verfangen bei jungen Menschen nicht mehr. Sie leben in anderen sozialen Zusammenhängen, als dies zu Zeiten des reinen Frontalunterrichtes üblich war. Erreicht das Lernangebot der Schule die SchülerInnen nicht, greifen Eltern mit ausreichendem Gehalt zum Nachhilfeunterricht. Die armen Kinder bleiben eben sitzen. Studien belegen, dass dieses Sitzenbleiben die SchülerInnen demotiviert und den Mangel, die falsche Lehrmethode, nicht beseitigt. Lernversagen kann auch im familiären Umfeld oder einer persönlicher Problematik der SchülerInnen begründet sein. Das muss abgeklärt und gegebenenfalls mit der Hilfe von Schulsozialarbeitern und/oder Schulpsychologen überwunden werden. Die nicht erreichten Lerninhalte und -ziele müssen durch Förderunterricht ausgeglichen werden. Lerngruppen sind da ideal geeignet. Die SchülerInnen werden also nicht aussortiert, sondern gefördert. Gefordert wird auch: Die Schule wird gefordert, ihre Aufgabe, den SchülerInnen die Lerninhalte so zu vermitteln, dass sie sie zu ihrem aktiven Wissen machen können, zu erfüllen.

Bleiben SchülerInnen sitzen, versagt häufig die Schule. Gestern wurde darüber im Landtag debattiert. Auf Antrag der CDU fand zum Thema eine aktuelle Stunde statt. Ein CDU-MdL sprach von „Ehrenrunden“, von Leistungsbewusstsein und davon, dass Sitzenbleiben noch niemand geschadet habe. Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Frau Dickes, blieb sitzen. Vielleicht kam sie erst gar nicht in den Landtag, sondern blieb gleich zu Hause am Frühstückstisch sitzen, wir wissen es nicht. Es scheint, dass die öffentlichkeitsbewusste CDU-Abgeordnete nicht wirklich vermisst wurde.

Der Abgeordnete Ernst jammerte im Ernst darüber, dass bald wohl nicht nur das Sitzenbleiben, sondern konsequenterweise auch die Schulnoten abgeschafft werden sollen. Bildungsministerin Doris Ahnen klärte den Abgeordneten Ernst und die ganze CDU-Fraktion auf, dass es sich um einen freiwilligen Schulversuch handele. Die teilnehmenden Schulen müssten sich im Benehmen mit den Eltern um die Teilnahme an diesem Schulversuch bewerben. Im Schulversuch solle erprobt werden, wie das Sitzenbleiben durch geeignete Fördermaßnahmen gemindert werden kann. Schließlich habe bereits die erste PISA-Studie gezeigt, dass im europäischen Vergleich zu viele SchülerInnen in Deutschland sitzen bleiben.

Die Koalitionsparteien verteidigten den Versuch. Unklar ist, ob bei der Opposition die Erklärungen der Ministerin angekommen sind. Wenn keiner der ihren spricht, sitzen die CDU-Abgeordneten mit gesenkten Köpfen auf ihren Plätzen und schauen auf ihre I-Phones oder Tablet-PCs. Sie demonstrieren damit einen Grund für das Nichterreichen der Lerninhalte durch die SchülerInnen: die Ablenkung durch die Elektrokommunikation. So jedenfalls kommt die Opposition auf keinen grünen Zweig.

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