Bruttoinlandsprodukt 2012: Konjunkturabschwung auch in Rheinland-Pfalz deutlich, BIP aber über Bundesdurchschnitt

Bruttoinlandsprodukt in Rheinland-Pfalz 2012 um 0,9 Prozent gestiegen Bad Ems, 27.03.13 Die rheinland-pfälzische Wirtschaft ist im Jahr 2012 deutlich langsamer gewachsen als in den zurückliegenden beiden Jahren. Der Wert der in Rheinland-Pfalz erbrachten wirtschaftlichen Leistung lag nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Bad Ems preisbereinigt um 0,9 Prozent höher als 2011; der Zuwachs war damit geringfügig höher als im Bundesdurchschnitt. In Deutschland nahm das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt um 0,7 Prozent zu, in den alten Ländern ohne Berlin ebenfalls um 0,7 Prozent. Nach der Rezession infolge der globalen Wirtschaftskrise war das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt in Rheinland-Pfalz 2010 um 4,6 Prozent und 2011 um 2,7 Prozent gestiegen. Die bereits im ersten Halbjahr 2012 spürbare Abkühlung – für Rheinland-Pfalz belief sich die Zuwachsrate nur noch auf plus 1,4 Prozent (Deutschland: plus 1,1 Prozent) – setzte sich in der zweiten Jahreshälfte fort. In jeweiligen Preisen erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr um 2,7 Milliarden Euro oder 2,4 Prozent (Deutschland: plus 2 Prozent) auf 117,7 Milliarden Euro. Der Anteil des Landes am deutschen Bruttoinlandsprodukt betrug knapp 4,5 Prozent. Wachstum kam überwiegend aus den Dienstleistungsbereichen Im vergangenen Jahr kamen die Wachstumsimpulse – anders als in den beiden Jahren zuvor – überwiegend aus dem Dienstleistungsbereich. Insgesamt stieg die Bruttowertschöpfung der Dienstleister, die knapp 64 Prozent der gesamten Wertschöpfung ausmachen, preisbereinigt um 1,2 Prozent (Deutschland: plus 1,5 Prozent). Dazu trug vor allem der Bereich »Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleister, Grundstücks- und Wohnungswesen« bei. Hier verbesserte sich die preisbereinigte Bruttowertschöpfung um 2 Prozent (Deutschland: plus 2,2 Prozent). Das Wachstum des Bereichs »Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation« lag bei 1,3 Prozent (Deutschland: ebenfalls plus 1,3 Prozent). Dagegen war im Bereich »Öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung, Gesundheit« in Rheinland-Pfalz nur ein geringes Wachstum zu verzeichnen (plus 0,4 Prozent; Deutschland plus 0,8 Prozent). Leichter Rückgang im verarbeitenden Gewerbe Von der rheinland-pfälzischen Industrie kamen im vergangenen Jahr keine Wachstumsimpulse. Die Bruttowertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe sank 2012 preisbereinigt um 0,4 Prozent, im Bundesdurchschnitt war der Rückgang allerdings noch stärker (minus 1 Prozent). Mit einem Anteil von 26 Prozent an der gesamten Bruttowertschöpfung hat das verarbeitende Gewerbe in Rheinland-Pfalz ein deutlich höheres Gewicht als in Deutschland insgesamt (22 Prozent). In den vorangegangenen beiden Jahren hatte die Industrie maßgeblich zur Erholung der rheinland-pfälzischen Wirtschaft beigetragen: Im Jahr 2010 war die preisbereinigte Bruttowertschöpfung um gut 17 Prozent und 2011 um 6,4 Prozent gestiegen. Deutlich zulegen konnte dagegen das Baugewerbe. Preisbereinigt stieg die Wertschöpfung dieses Bereichs um 5,5 Prozent (Deutschland: minus 2,5 Prozent). Zurückzuführen ist diese günstige Entwicklung auf deutliche Umsatzsteigerungen im Ausbaugewerbe. Etwas unter dem Bundesdurchschnitt entwickelte sich die Land- und Forstwirtschaft mit einem Plus von 1,2 Prozent (Deutschland: plus 1,5 Prozent). Der primäre Sektor macht in Rheinland-Pfalz noch 1,6 der gesamten Bruttowertschöpfung aus. Erwerbstätigenzahl gestiegen, aber Arbeitsvolumen nahezu unverändert Im gleichen Ausmaß wie die reale Wirtschaftsleistung hat auch die Erwerbstätigkeit in Rheinland-Pfalz zugenommen. Im Jahresdurchschnitt waren 1,926 Millionen Erwerbstätige mit Arbeitsort in Rheinland-Pfalz tätig, das war der bisher höchste registrierte Stand. Gegenüber 2011 stieg die Zahl um 16.400 oder 0,9 Prozent. Der Beschäftigungszuwachs lag geringfügig unter dem Bundesdurchschnitt von plus 1,1 Prozent. Das nachlassende Wirtschaftswachstum spiegelte sich in den Arbeitsstunden stärker wider als bei den erwerbstätigen Personen. Außerdem standen 2012 weniger Arbeitstage zur Verfügung als in den Vorjahren. Mit plus 0,1 Prozent ist die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden 2012 nur geringfügig gestiegen (Deutschland: plus 0,4 Prozent). Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz gut 2,6 Milliarden Arbeitsstunden geleistet, das waren 2 Millionen Stunden mehr als im Vorjahr. Geringe Zunahme der Arbeitsproduktivität Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen, blieb nahezu unverändert, weil Erwerbstätigkeit und Wirtschaftsleistung etwa im gleichen Ausmaß stiegen. Für Rheinland-Pfalz errechnet sich ein Anstieg um 0,1 Prozent (Deutschland: minus 0,4 Prozent). In jeweiligen Preisen bewertet erwirtschaftete ein in Rheinland-Pfalz arbeitender Erwerbstätiger im vergangenen Jahr im Durchschnitt 61.096 Euro das waren 905 Euro mehr als 2011 (Deutschland: 63.535 Euro, plus 553 Euro). Da das Arbeitsvolumen nur geringfügig zunahm, stieg die Wirtschaftsleistung je geleisteter Arbeitsstunde stärker als in Relation zur Erwerbstätigenzahl. Je Erwerbstätigenstunde errechnet sich für Rheinland-Pfalz eine Wirtschaftsleistung von 45,10 Euro (Deutschland: 45,49 Euro). Preisbereinigt bedeutet dies einen Anstieg um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Deutschland: plus 0,3 Prozent). Die Ergebnisse für 2012 basieren auf einer Fortschreibung des Arbeitskreises »Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder«, die sich auf Basisstatistiken des Berichtszeitraumes Januar bis Dezember stützt. Für einzelne Dienstleistungsbranchen liegen noch keine länderspezifischen Ergebnisse vor. In diesen Wirtschaftsbereichen werden einheitlich für alle Länder die Entwicklungen in den nationalen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) unterstellt. Die Ergebnisse sind abgestimmt auf den Berechnungsstand des Statistischen Bundesamtes vom Februar 2013.

Weitere Informationen finden Sie im Internetangebot des Arbeitskreises »Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder« unter www.vgrdl.de.

Autor: Werner Kertels (Referat Gesamtrechnungen, Arbeitsmarkt)

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