Sonntagskommentar: Klimawende? Klimawende!

von Hans-Peter Terno

Mainz, 31.03.13. Gründonnerstag rief mir ein Nachbar zu: „Alle reden von der Erderwärmung, dabei wird es ständig kälter!“. Man (und Frau auch) ist versucht, diesem Nachbarn Recht zu geben. Schließlich war es Weihnachten in Germersheim/Pfalz mit 18 Grad wärmer als Gründonnerstag (8 Grad). Wer nicht gerade von einer Grippe ins Bett gezwungen ist (kein schlechter Ort bei diesem Wetter) und Geld hat, verbringt Ostern entweder in Andalusien oder auf den Kanaren. Vielleicht auch in den Alpen, wo die Skipisten besser gespurt sind als im Westerwald. Da könnte Ski und Rodeln an den Feiertagen durchaus möglich sein…

Professor Sauer und seine Frau, Bundeskanzlerin Merkel, hätten Schwierigkeiten, ein frühlingshaft warmes Land zu finden, wo sie österlich willkommen wären. Zypern, wo jetzt kleine Orchideen als Frühlingsboten blühen, wäre nicht als Urlaubsort für die beiden anzuraten. Griechenland, Italien und Spanien auch nicht unbedingt. Wenn die beiden Ostern nicht in ihrer Etagenwohnung in Berlin-Mitte mit traumhaftem Ausblick auf die Museumsinsel bleiben wollen, bleibt noch ihr Häuschen auf Rügen. Da empfiehlt sich als Osterbeschäftigung eine fröhliche Schneeballschlacht mit den Sicherheitsbeamten im Garten des Anwesens. Keine Backsteinvilla wie seinerzeit bei den Wulffs, sondern eher eine bescheidene Datsche. Ein bescheidenes Häuschen für eine bescheidene Frau, die Kartoffelsalat isst, obwohl sie Bundeskanzlerin ist (wie eine Reporterin im Ersten unlängst verkündete).

Nun, zu Kartoffelsalat passen hartgekochte Eier gut. Das wäre doch ein Superessen für Ostern, da hätten beide Zeit (der Prof. Sauer und seine Frau), um anderes zu tun als stundenlang in der Küche zu stehen. Nein, ich denke nicht an das, woran Sie jetzt denken! Haben Sie etwa bei diesen Temperaturen schon Frühlingsgefühle? Nein, ich stelle mir dagegen vor, wie die beiden von ihrer Schneeballschlacht mit den Sicherheitsbeamten in ihre Datsche zurückkommen, den Kartoffelsalat aus dem Kühlschrank nehmen, ihn zusammen mit den kalten, hartgekochten Ostereiern zu sich nehmen und sich zum Abschluss einen heißen Grog gönnen. Was dürfte Gattin Angela beim Grog zu ihrem Mann wohl sagen? Vielleicht: „Sag noch mal einer, ich hätte mit meiner Politik gegen die Klimaerwärmung keinen Erfolg! Hier im Garten liegen 35 cm Schnee!

Sind die 35 cm Schnee auf Rügen wirklich ein Beleg für das Abflauen der Klimawende? Es kann auch das Gegenteil der Fall sein. Prof. Sauer und Dr. Merkel dürften wissen, dass die Eiskappe am Nordpol sowohl im Sommer als auch im Winter immer weniger Fläche bedeckt und dünner wird. Als Wissenschaftlern, die sich für aktuelle Entwicklungen interessieren, müssten Sie auch erfahren haben, dass sich durch diesen Eisschwund im Norden die Druckgebiete über dem Nordatlantik verändert haben. Der Jet-Stream kringelt sich eher, als um den Erdball zu sausen, Hochdruckgebiete über England und Skandinavien werden häufiger. Die alte Tiefdruckküche Golf von Biskaja erzeugt zunehmend auch Hochs. Diesen Winter kamen noch Sturmtiefs über den Kanaren und den Balearen hinzu. Da kommt keine Warmluft aus dem Südwesten, sondern „erwärmte“ Sibirienluft aus dem Osten. Nur eines ist beim Klima sicher: es wird immer unsicherer, zunehmend treten Extremwetterlagen auf.

Das hat auch die Landesregierung gemerkt. Kürzlich erst haben Umweltministerin Ulrike Höfken und Innen-Staatssekretär Häfner eine neue Versicherung gegen Extremwetterlagen (Hochwasser, Stürme) vorgestellt. Gut, wie schnell die Landesregierung reagiert. Julia Klöckner geht die Klimawende noch an bekanntem Orte vorbei… Sie kocht ihr frühlingshaftes bärbeißiges und bärlauchiges Oppositionssüppchen auf den Feuern von Nürburgring und Hahn. Beim Hahn muss sie noch heftig blasen, das Feuer für das Süppchen der CDU-Chefin will einfach nicht lodern, telefoniert sie auch noch so oft mit Brüssel oder steht den Kommissaren persönlich auf den Füßen. Auch eine Oppositionspolitikerin sollte der EU keine Argumentationshilfen für deren Verdacht des Beihilfemissbrauchs liefern. Das Interesse des Landes sollte vor dem Interesse am eigenen Image-Erfolg stehen.

Das einzige, was Frau Klöckner sucht, sind Themen für ihre Oppositionspolitik. So stürzt sie sich auch auf die Bildungspolitik. Der Schulversuch, mit dem endlich ergründet werden soll, wie durch vermehrte Förderung das Sitzenbleiben von SchülerInnen verhindert werden kann, ist für Julia Klöckner ein Werk des Teufels. Sie mutmaßt, dass die Landesregierung das Sitzenbleiben abschaffen will. Dagegen bläst sie zum Angriff. War Frau Klöckner auch einmal Schülerin? Erinnert sie sich nicht daran, wie ein schlechter Tag, an dem eine Klassenarbeit geschrieben wird, ein Jahr Sitzenbleiben bedeuten kann? Aber Klöckner will die „Ehrenrunden“ erhalten. Überhaupt hält sie SchülerInnen für so unreif, dass ihr Landesverband das aktive Wahlrecht ab 16 Jahren ablehnt. Die CDU hat schon jetzt ein Problem mit jungen WählerInnen. Ihre Wählerschaft ist überdurchschnittlich alt. Ihre Abgeordneten auch. Mit ihren 40 Jahren ist Julia Klöckner die viertjüngste Abgeordnete der Landes-CDU! Mit ihrer die Jugendlichen enttäuschenden Politik dürfte Klöckner bei dieser Gruppe keine Blumensträuße gewinnen. Ja, bei den jungen Leuten sieht die CDU alt aus – und ihre Vorsitzende zunehmend auch.

Mit durchaus jugendlicher Kraft hat der junge zukünftige Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich die Wahl gewonnen. Beim Flughafen Frankfurt verlässt ihn jedoch dieser jugendliche Schwung. Er will sich nicht der Städtekoalition von Mainz, Rüsselsheim und Offenbach anschließen, die eine Ausweitung des Nachtflugverbots auf die Zeit von 23.00h bis 06.00h erreichen will, sondern will sich damit begnügen, dafür zu sorgen, dass das derzeitige Nachtflugverbot von 24.00h bis 05.00h auch tatsächlich eingehalten wird. Das reicht nicht! Bei Ostwind wirft mich der erste Flieger, der um kurz nach fünf Uhr morgens über die Innenstadt von Mainz fliegt, zuverlässig aus dem Bett.

Glücklicherweise entwickelt sich der Flugverkehr derzeit nicht so, wie erwartet. Sonst wäre es über der Stadt noch lauter! Schon jetzt hat man ja den Eindruck, dass keine Pause zwischen den Flugzeugen ist. Der Frankfurter Flughafen rechnete mit der neuen Startbahn aber mit noch mehr Flügen und damit Flugpassagieren. Das weitere Terminal, das die Fraport bauen wollte, liegt auf Eis. Vielleicht könnte sie dieses stattdessen auf dem neuen Berliner Flughafen errichten und der dortigen Betriebsgesellschaft verleasen? Das gäbe dann Bundesverkehrsminister Ramsauer von der CDU endlich Zeit, um sein Pflichtenbuch für Großbauprojekte zu schaffen. Der Bund und damit das Ministerium des CSU-Politikers Ramsauer, ist zu je einem Drittel am Berliner Flughafen und am Stuttgarter Bahnhofsprojekt S21 beteiligt. Die Vertreter des Bundesministeriums hätten die Bauprojekte doch auf den richtigen Weg bringen können. Es gelang nicht, nun sind andere Schuld… Merke: Wer auf andere zeigt, zeigt von sich weg.

Gibt es nicht doch was Positives? Gerade an Ostern? Doch: Liegt weißer Schnee in Ihrem Garten, finden Sie die bunten Eier besser. Nicht positiv genug? Eine Bauernregel wird Sie aufheitern: Gibt es an Ostern Schnee und Eis, ist der Sommer lang und heiß! In diesem Sinne: schöne Feiertage!

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