Kommentar zur Inflationsrate im März

Kommentar: Ist die Inflationsrate im März wirklich niedrig?

von Hans-Peter Terno

Mainz, 02.04.13. Monat für Monat veröffentlichen wir die Mitteilungen des statistischen Landesamtes zu Preissteigerungen und die Konjunkturentwicklung. Auffällig ist, dass, wenn die Konjunkturdaten schlecht werden, die Preissteigerung abnimmt. Die Konjunkturdaten im letzten Quartal 2013 waren schlicht und einfach schlecht. Anfang des Jahres wurden sie auch nicht besser. Die Inflationsrate sinkt Monat für Monat. Für die einzelnen Verbraucher hängt die Inflationsrate jedoch vom individuellen Kaufverhalten ab. Wer kein Auto besitzt und vor der Metzgertheke steht, reibt sich die Augen. Preissteigerungen bei frischen Rindfleisch oder Schweinebraten so an die 10%! Das riecht nicht nach Absinken der Inflationsrate. Also essen wir eben Kartoffeln, die sollen der Bundeskanzlerin ja auch so gut schmecken. Auf dem Markt und im Supermarkt entdecken wir unisono Kartoffeln, die 18% teurer sind als im Vorjahr! Kein Wunder, dass die Bundeskanzlerin Kartoffelsalat isst, der ist ja der reine Luxus.

Salat, jahreszeitlich aus dem Gewächshaus und daher eher geschmacklos, ist billiger geworden. Gut, aber die grüne Zellstoffmasse aus den Gewächshäusern hat ja kaum Vitamine. Also Rosenkohl. Denkste! Heimischer Rosenkohl ist kaum noch zu finden, er ist schlicht aufgegessen. Dafür sind Heizöl und Kraftstoffe billiger geworden, freut sich das Statistische Landesamt. Gut, aber wer kauft schon im März Heizöl? Das passiert überwiegend zu Beginn der Heizsaison. Auf die Preise achten viele Wohnungsbaugesellschaften nicht besonders, die Kosten kommen ja mit den Heizkostenabrechnungen zurück. Und die billigeren Kraftstoffe? Der Nahverkehr wird dadurch nicht billiger! Die allermeisten Menschen mit niedrigem Einkommen und geringen Altersbezügen haben kein Auto. Das wäre einfach zu teuer. Da macht es auch nichts, wenn die Kraftstoffe billiger werden. Der Alternativ-Traum, ein Elektrofahrrad, ist teuer und leidet unter hohen Energiekosten: der Strom im März 2013 war rund 10 % teurer als im März 2012.

Die allgemeine Preissteigerungsrate hat also recht unterschiedliche Auswirkungen ganz nach individueller Einkommensrate der Konsumenten. So bräuchten wir für die unterschiedlichen Einkommensklassen unterschiedliche Warenkörde in den Statistikämtern, um die reale Inflationsrate für die einzelnen Einkommensgruppen festzustellen. Eines ist aber klar: auch bei offiziell 1,4% Preissteigerung sind 0,25% Rentenerhöhung im Jahr 2013 ein Hohn!

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