Kommentar zur Sendung „SWR betrifft: Flughafen Hahn“

Mainz, 04.04.13 (Hans-Peter Terno) Am Mittwoch Abend sendete das Regionalprogramm des SWR Fernsehen in der Sendereihe „betrifft“ eine dreiviertelstündige Sendung zum Flughafen Hahn. Anlaß die Vorwürfe der EU-Wettbewerbskommission wegen angeblich zu niedriger Flugplatzgebühren und die Verluste des Flughafen Hahn. Formal bediente sich die Sendung der Form des „lonesome Reporter“, der wie sein Vorbild, der „lonesome Cowboy“ durch die Lande zieht, um die Wahrheit herauszufinden. Merkmal: „Ich fahre nach Dortmund“, „Ich fahre nach Baden-Baden“, „Ich spreche…“ Donnerwetter! Der Mann war offenbar ohne Kamerateam unterwegs, sonst hhätte er sagen müssen „Wir fahren…“. Aber das sind nordamerikanische Stilelemente, die den Teufelskerl Reporter herausstellen sollen, im Privatfernsehen sicherlich notwendig, um den Marktwert des Reporters zu steigern… Gut, unser Reporter kümmerte sich in seinem Film auch um das Atmosphärische, er besuchte einen Rentnerclub an der Mosel, der gerne vom Hahn aus fliegt, beispielsweise nach Limmerick. Im Limmerick wurde auch gedreht und so unter der Hand vermittelt, welche wirtschaftliche Bedeutung Flugverbindungen zum Hahn im In- und Ausland haben: Stärkung des Tourismus und der Völkerverständigung. Des Sommers hat Rheinland-Pfalz so mehr Touristen an Nahe, Rhein und Mosel und in den Mittelgebirgen, des Winters freuen sich die Beschicker der Weihnachtsmärkte über die vom Hahn kommenden Touristengruppen. Rheinland-Pfalz verdankt ein Gutteil seines Wachstums im Tourismus dem Hahn, leider hat der Reporter darauf verzichtet, das in Heller und Pfennig zu recherchieren. In der Sendung wurde von 6000 Arbeitsplätzen gesprochen, die auf und um den Hahn generiert wurden. Es wäre sinnvoll gewesen, auch hier in Heller und Pfennig zu recherchieren, wie hoch die Lohnsumme ist, welchen Anteil dabei die öffentlichen Hände (Sozialabgaben und Steuern) haben und was in der Region an Mieten und Konsum hängen bleibt. Viele Hunsrück-Gemeinden leben davon, daß sie Einwohner haben, die auf dem Hahn arbeiten. Völlig ausgeblendet wurde die Geschichte der FRAport-Beteiligung am Hahn und den Ausstieg des Frankfurter Flughafens wegen des von Ryan Air abgehlehnten „Hahntaler“, eine Art Terminalgebühr. Nicht erwähnt wurde auch, daß der neue Geschäftsführer diese nun durchgesetzt. hat. Völlig außer Achtgelassen wurde auch die seit 2012 durch den Bund erhobeneLuftverkehhrsabgabe, die zu einem jähen Rückgang der Passagierzahlen auf dem Hahn geführt hat. In den Niederlanden wurde eine vergleichbare Gebühr wegen negativer Auswirkungen auf den Flugverkehr nach einem Jahr wieder abgeschafft, aber wenn der Bund mal eine Abgabe hat… Die Immobilie, auf der der Flughafen placiert ist, ist für den Flugbetrieb viel zu groß. Neben dem ursprünglichen Militär-Flughafen waren ja auch umfangreiche Einrichtungen für die Stationierung nordamerikanischer Soldaten auf dem Hahn. Diese stehen heute vielfach leer und gammeln vor sich hin, erzeugen aber dauerhaft Kosten. Auf die ehemalige,leerstehende housing Area ging die Sendung immerhin ein, auch auf die Notwendigkeit der Errichtung einer Kläranlage. Aber auch für die Straßen muß der Flughafen zahlen, die andernorts vom Land finanziert werden. Es wäre interessant gewesen zu erfahren, welche Grundstücke der Hahn kürzlich für 7 Nillionen verkauft und wie es mit der Ankündigung steht, sämtliche Bereiche, die nicht zzum Flugbetrieb notwendig sind, vom Land zu übernehmen. Ohne die Kosten der nicht genutzten Teile soll der Flugbetrieb ja eine schwarze Null schreiben… Wie die Opposition ging der Reporter aber offenbar davon aus, daß die Vorwürfe der EU-Wettberwerbskommission stichhaltig sein. Auf ein Interview mit Oppositionspolitikern wurde verzichtet. Die Aussage des Infrastrukturministers, daß man mit Ryan-Air über höhere Flughafengebühren verhandle kritisiert, weil noch keine Ergebnisse vorliegen. 45 Minuten wären eigentlich genug gewesen, um die angesprochenen Informationslücken in diesem „SWR betrifft“ zu klären. Es hätte eigentlich zum öffentlich-rechtlichen Auftrag gehört, der objektive Information verlangt. So fehlte mir am Ende des Beitrages die Aussage des Reporters: „Ich habe es nicht geschafft, sämtliche Aspekte des Hahn zu beleuchten“…Ja, hätte der „lonesome Reporter“ doch wenigstens einen Beleuchter mitgenommen…

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