Wenn Liebe zum Verbrechen wird

Wider das Vergessen: Vorstellung des Forschungsprojektes „Wenn Liebe zum Verbrechen wird. Zum Schicksal der Eindeutschungshäftlinge des SS-Sonderlagers KZ Hinzert“ am 13. Mai 2013 von 14.00 bis 18.00 Uhr in der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert

Hinzert, 26.04.13. Seit der Eröffnung des Dokumentations- und Begegnungshauses kommt es des Öfteren vor, dass sich Besucher der Gedenkstätte als Gefangene des Lagers oder Angehörige von ehemaligen Häftlingen zu erkennen geben und Nachfragen zu dem Schicksal ihrer Verwandten haben. Dabei handelt es sich oft um die Nachkommen von so genannten „Eindeutschungshäftlingen“. Dies war eine besondere Häftlingskategorie für die das SS-Sonderlager in der Zeit von 1943 bis 1944 allein zuständig war. In der Hauptsache fielen unter diese Kategorie polnische Zwangsarbeiter, die ein verbotenes Verhältnis zu einer deutschen Frau hatten. In der Regel wurde dieses „Vergehen“ mit der so genannten „Sonderbehandlung“, d.h. Hinrichtung in einem Konzentrationslager, bestraft. Die Ausnahme dieser drakonischen Bestrafung war die Eindeutschung: Falls der polnische oder auch ukrainische Zwangsarbeiter bei seiner Verhaftung bei der Gestapo den Eindruck hinterließ, aufgrund seines äußeren Erscheinungsbildes „eindeutschungsfähig“ zu sein, so wurde er in das Lager im Hochwald gebracht. Logische Konsequenz aus den verschiedensten Einzelanfragen war es, diese Thematik systematisch anzugehen. Zum einen wurden die im Bundesarchiv Berlin lagernden Unterlagen zur „Sonderbehandlung“ ausgewertet, zum anderen mit dem ITS Bad Arolsen ein gemeinsames Forschungsprojekt vereinbart, um die dort lagernden Unterlagen auszuwerten. Erste Ergebnisse sollen auf der Veranstaltung „Wenn Liebe zum Verbrechen wird“ vorgestellt werden. Darüber hinaus werden zwei Angehörige so genannter „Eindeutschungshäftlinge“ über ihr Schicksal und das ihrer Eltern berichten. Das SS-Sonderlager/KZ Hinzert bestand zwischen 1939 und 1945. Zunächst diente das Lager als sog. „Polizeihaftlager“ für Westwallarbeiter. Daraus entwickelten sich ein sog. „Arbeitserziehungslager“ und später ein Konzentrationslager, das 1942 dem Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS unterstellt wurde. Während des Krieges wurde es für Verschleppte aus dem besetzten Europa ein Ort des Terrors und des Todes. Insgesamt wurden im Hinzerter KZ nachweislich mindestens 321 Menschen ermordet oder starben durch den Lagerterror an Krankheit, Entkräftung oder Hunger.

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