Hambacher Schloss: Ort europäischer Demokratie

Kultur

Symbol europäischer Einigung und Geschichte: Hambacher Schloss bewirbt sich um das Europäische Kulturerbe-Siegel

Mainz, 04.05.13. Rheinland-Pfalz hat sich mit dem Hambacher Schloss um das Europäische Kulturerbe-Siegel beworben. Mit diesem zeichnet die EU-Kommission Stätten aus, die symbol- und beispielhaft für die europäische Einigung sowie für die Ideale und die Geschichte Europas und der Europäischen Union stehen. Die Auszeichnung zielt darauf, insbesondere unter jungen Menschen das Zugehörigkeitsgefühl zur Europäischen Union zu stärken, den Stellenwert der nationalen und regionalen Vielfalt zu erhöhen und den interkulturellen Dialog zu fördern. Zu diesem Zweck soll das Siegel den symbolischen Wert jener Stätten hervorheben, die in der Geschichte und Kultur Europas sowie beim Aufbau der EU eine wichtige Rolle gespielt haben. „Das Hambacher Schloss ist gelebte Demokratiegeschichte. Hier wird für alle Generationen unser geschichtliches und kulturelles Erbe erfahrbar. Gleichzeitig hat es sich als zeitgenössisches Forum verschiedenster kultureller und politischer Veranstaltungen etabliert und wird von immer mehr Menschen aus der ganzen Welt entdeckt. Ganz sicher ist es ein würdiger Bewerber um das Europäische Kulturerbe-Siegel“, so der Vorsitzende der Stiftung Hambacher Schloss, Kulturstaatssekretär Walter Schumacher. Im Falle einer erfolgreichen Bewerbung erhoffe sich die Stiftung durch das entstehende Netzwerk mit anderen ausgezeichneten europäischen Stätten einen intensiven Austausch und Partnerschaften für gemeinsame Projekte – aber auch einen größeren Bekanntheitsgrad des Hambacher Schlosses über Deutschland hinaus. Das Hambacher Schloss als Schauplatz des Hambacher Festes gilt nicht nur als Wiege der Demokratie in Deutschland, sondern auch als wichtiges Fundament für ein vereintes Europa. Daher versteht es sich nicht nur als nationale, sondern gleichermaßen auch als europäische Begegnungsstätte. Am 27. Mai 1832 feierten fast 30.000 Menschen aus allen Teilen Deutschlands, aus Frankreich und Polen das Hambacher Fest. Dies war die bis dahin größte Veranstaltung in Deutschland, auf der liberale und demokratische Forderungen öffentlich postuliert wurden. Neben den Forderungen nach „Einheit“ und „Freiheit“ wurde auch der Ruf nach einem „conföderierten republikanischen Europa“ laut. Die deutschen, französischen und polnischen Festredner bekannten mehrheitlich ihre Solidarität mit anderen Völkern, die ebenfalls für ihre Freiheit kämpften. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer plädierten aber auch für die Gleichberechtigung der Geschlechter sowie für Toleranz gegenüber anderen Religionen und Minderheiten. Das Schloss ist dabei aber nicht nur authentischer Ort der Geschichte: Die Stiftung Hambacher Schloss sieht es auch als ihre Aufgabe, dieses „als bedeutende Stätte für die Entwicklung der Demokratie in Deutschland und die europäische Zusammenarbeit zu erhalten und zu pflegen“. Dieses Ziel wird mit einem abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm, das von politischen Gesprächen, Workshops für Schulklassen bis zum Familienfest reicht, umgesetzt und soll in Zukunft noch europäischer ausgerichtet werden. Vom Land Rheinland-Pfalz, das mit dem Bezirksverband der Pfalz, der Stadt Neustadt an der Weinstraße und dem Landkreis Bad Dürkheim zu den Stiftern gehört, wurden seit 2006 Investitionen in Höhe von 20,3 Mio. Euro für den Umbau des Schlosses, die dort angesiedelte Dauerausstellung und den Neubau eines Restaurantgebäudes getätigt. Weitere Baumaßnahmen zur Errichtung eines barrierefreien Entree-Gebäudes und zur Überarbeitung der Außenanlagen haben im April 2013 begonnen. Das Land investiert hierfür weitere 6,2 Mio. Euro. Bewerbungsschluss um das Europäische Kulturerbe-Siegel – die Unterlagen werden zunächst bei der Kultusministerkonferenz (KMK) eingereicht – war der 30.04.2013. Die von den Ländern gemeldeten Vorschläge müssen zunächst das nationale Vorauswahlverfahren in Deutschland durchlaufen, in dem die eingegangenen Anträge von einem Expertengremium evaluiert werden. Die KMK fasst dann im November einen endgültigen Beschluss, welche Vorschläge an die EU gemeldet werden. Im Frühjahr 2014 werden die von den Experten und der KMK ausgewählten Stätten bei der EU eingereicht und dort von einer europäischen Expertenjury evaluiert. Die offizielle Siegelübergabe ist für 2015 vorgesehen. Bislang haben das Europäische Kulturerbe-Siegel sowohl historische Stätten wie die Akropolis in Athen, aber auch Museums-Geburtshäuser etwa von Puccini, Rossini und Verdi oder auch die Schiffswerft von Danzig erhalten. Die Auszeichnung geht ursprünglich auf eine zwischenstaatliche Initiative von Frankreich und 17 anderen EU-Ländern aus dem Jahr 2005 zurück.

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