Mainzer Behindertenbeauftragte Marita Boos-Waidosch 20 Jahre im Ehrenamt

Marita Boos Waidosch: 20 Jahre Behindertenbeauftragte und kein bisschen müde

Mainz, 08.05.13. hpt. Im Mainzer Rathaus fand heute eine kleine Feier statt. Oberbürgermeister Michael Ebling wollte die Behindertenbeauftragte der Stadt Mainz hoch leben lassen. Marita Boos-Waidosch, die 1993 ehrenamtliche städtische Behindertenbeauftragte wurde, war seinerzeit die erste selbst behinderte Behindertenbeauftragte der Stadt. Ihre Erfahrungen mit Barrierefreiheit und der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung (independend living) hatte sie in den USA gemacht. So selbstverständlich und barrierefrei wie dort, wollte sie auch in Deutschland leben. Sie setzte sich für die Verbreitung des Selbstbestimmt-Lebens Gedankens in Deutschland ein und engagierte sich für die Verbreitung des Peer Counseling, insbesondere durch Kurse mit Bill und Vicky Bruckner aus den USA.

So gehörte Marita Boos-Waidosch in Mainz zur Gründungsgruppe des ZsL, Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen Mainz e.V. Mit Tatkraft ging die Frau daran, den Behindertenbeirat der Stadt aufzubauen. Mit ihm und weiteren Mitstreiter/innen gelang es Marita Boos-Waidosch, Stück für Stück Barrierefreiheit in Mainz zu verwirklichen. Heute ist es für behinderte Menschen selbstverständlich, das Kurfürstliche Schloss zu besuchen, ungehindert in das Rathaus zu gelangen, mit Freunden den gleichen Eingang in das Theater, die Christuskirche oder die Stefanskirche zu besuchen, um nur einige Beispiele ihres Wirkens anzuführen. Dabei arbeitet die Frau, die selbst einen Rollstuhl nutzt, immer behinderungsübergreifend. Das Blinden- und Sehbehindertenleitsystem in der Fußgängerzone ist ein Beispiel dafür. Bei der Neubepflasterung achtete sie aber auch persönlich darauf, dass im Zuge dieser Maßnahme die einstufigen Geschäfte angerampt wurden. Rollstuhlnutzer/innen finden heute in über 70 Gaststätten eine Behindertentoilette, natürlich auch in öffentlichen Veranstaltungsorten, Einkaufszentren und Kaufhäusern. „Natürlich“ in Mainz, bundesweit eine Ausnahme. So wurde Mainz 2005 von der UNESCO für seine Barrierefreiheit geehrt.

Marita Boos-Waidosch verfolgt ihre Ziele hartnäckig und überzeugungsstark. Dabei ist sie zugleich so freundlich und herzlich, dass ihre Partner in der Verwaltung, unter den Architekten und unter den Bauherren ihr mit großer Sympathie und Wertschätzung begegnen. Das trifft für die politische Seite ebenfalls zu. Jahrelange Überzeugungsarbeit führte dazu, dass der Nahverkehr in Mainz heute fast 100%ig für mobilitätsbehinderte, blinde und sehbehinderte sowie gehörlose Menschen barrierefrei nutzbar ist. 20 Jahre Behindertenbeauftragte bedeuten auch die Möglichkeit, Projekte, wie beispielsweise die Barrierefreiheit des Nahverkehrs, konsequent zu verfolgen, alle Beteiligten zu überzeugen und zu Verbündeten zu machen. Jüngstes Beispiel ist der Arbeitskreis „Kontrastreiche Stadtgestaltung“, der das gefährliche Grau-in-Grau des öffentlichen Raumes beseitigen will.

Marita Boos-Waidosch zeigte sich durch die ehrenden Worte des Oberbürgermeisters Michael Ebling geehrt. Nicht minder herzlich gratulierte ihr zuvor der Landesbehindertenbeauftragte, Matthias Rösch, in einer Pressemitteilung. Wie Ebling rühmte er Hartnäckigkeit und Freundlichkeit, die starke Ausstrahlung der aktiven Frau. Marita Boos-Waidosch begann ihren Dank für die kleine Feier mit weiteren Projekten der Barrierefreiheit, die sie durchsetzen will. Sie wird diese durchsetzen, denn 20 Jahre erfolgreiche Praxis als Behindertenbeauftragte geben ihr Autorität, Fachwissen und die Erkenntnis, dass die Welt nicht an einem Tag gerettet werden kann. Da sind auch mehr als 20 Jahre nötig. Wie schön, dass Marita Boos-Waidosch weitermachen will. Sie ist eben kein bisschen müde.

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