Renaturierung des Gonsbachs in Mainz-Gonsenheim

Renaturierung des Gonsbachs: Jetzt geht es richtig los!

Spatenstich mit Umweltministerin Ulrike Höfken und Umweltdezernentin Katrin Eder

Mainz, 14.05.13. Wir haben schon öfter über Gewässerrenaturierungen im Rahmen der aktion blau berichtet. Heute nun über den durch die Fastnachtsgruppe „Die Gonsbachlerchen“ bekannten Gonsbach im Mainzer Stadtteil Gonsenheim. Die Umgestaltungsmaßnahme ist so typisch, daß wir sie dismal ausführlich beschreiben: Plakate bzw. Informationstafeln vor Ort informieren interessierte Spaziergänger bereits seit geraumer Zeit, was hier geplant ist bzw. bereits geschieht: Der Gonsbach wird renaturiert. Im Frühjahr haben die Vorbereitungsarbeiten zur Renaturierung des Gonsbaches begonnen. Sie sind nun abgeschlossen: Die Baustelle wurde eingerichtet und die für die Gewässerentwicklung notwendigen Flächen freigeräumt. In diesem Zusammenhang waren auch Bäume (z.B. Zypressen, alte abgängige Niederstamm-Obstbäume, Ahorne, Hypridpappeln), die unter die Baumschutzsatzung fallen, und Sträucher zu roden. Höherwertige und standortgerechte Eichen, Weiden und Schwarzpappeln jedoch wurden erhalten. Das Renaturierungskonzept sieht vor, dass der entfallende Baumbestand durch das Doppelte an höherwertigen, d.h. standortgerechten gebietsheimischen, d.h. für Auen typischen Gewächsen ersetzt, also vor allem Eschen, Weiden und Erlen, aber auch andere auentypische Begleitarten. Aus Artenschutzgründen konnten die eigentlichen Bauarbeiten nicht sofort beginnen. Zuerst sind die Verlegung von Kanälen und Brückenbauarbeiten vorgesehen, dann ab Juli/August bis Ende 2013 Erdarbeiten. Heute fand nun der Spatenstich zum Auftakt der eigentlichen Renaturierungsmaßnahmen statt, an dem auch die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken teilnahm. „Mit der Renaturierung erfüllen wir nicht nur die rechtlich bindende EU-Wasserrahmenrichtlinie, wir schaffen im Gonsbachtal für die kommenden Jahre ein ökologisches Kleinod, verbunden mit einer großen Steigerung der Artenvielfalt vor Ort und nicht zuletzt eine enorme Aufwertung als Naherholungsgebiet für die angrenzenden Stadtteile“, sagte Umweltdezernentin Katrin Eder heute: „Möglich geworden ist dies alles Dank der großen finanziellen Unterstützung im Rahmen der ‚Aktion Blau‘ des Landes Rheinland-Pfalz“, dankte sie Umweltministerin Ulrike Höfken. Das Land trägt 60 Prozent der Kosten des rund 1,1 Millionen Euro teuren Projekts. „Damit erfüllen wir den Auftrag der EU, unsere Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu überführen und damit die Artenvielfalt zu steigern“, erklärte Höfken: „Ich bin mir sicher, dass sich in kurzer Zeit in der neuen Gonsbachaue ein Reichtum und eine Vielfalt an Tieren und Pflanzen einfinden werden, wie wir ihn seit vielen Jahren nicht mehr gesehen haben.“ Hintergrund Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet die EU-Mitgliedsstaaten, bis 2015 einen guten Zustand ihrer Gewässer zu erreichen. In diesem Zusammenhang beabsichtigt die Stadt Mainz den Gonsbach im Stadtteil Mainz-Gonsenheim zwischen Mainzer Strasse und dem Rückhaltebecken Lungenberg zu renaturieren. Grundlage hierfür ist das 2008 von den städtischen Gremien beschlossene Maßnahmenkonzept zur Gewässerentwicklung der Gewässer III. Ordnung, zu denen der Gonsbach zählt. Mit der Renaturierung werden auch Ausgleichsverpflichtungen aus den Bebauungsplänen B 157 (Stadionneubau) und B 158 erfüllt. Das entsprechende Maßnahmenprogramm für den Gonsbach hat das Umweltamt der Landeshauptstadt Mainz in Abstimmung mit der Wasserwirtschaftsverwaltung des Landes Rheinland-Pfalz sowie dem Wirtschaftsbetrieb Mainz und dem städtischem Amt für Wirtschaft und Liegenschaften erstellt. Es sieht vor, in einem ersten Schritt den Gewässerabschnitt vom Regenrückhaltebecken Lungenberg bis zur Mainzer Straße zu entwickeln. In mehreren Veranstaltungen vor Ort hat das Umweltamt insbesondere die Bürgerinnen und Bürger in Gonsenheim eingehend über die anstehenden Maßnahmen und Schritte informiert, zuletzt Anfang November vorigen Jahres in der Ortsverwaltung Gonsenheim die Grundstückseigentümer im Bereich zwischen dem Regenrückhaltebecken (RBB) Lungenberg und Mainzer Straße sowie alle anderen interessierten Bürgerinnen und Bürger. Nach Vorliegen der Pläne hat das Umweltdezernentin Eder außerdem noch einmal abschließend die Fraktionen und die Naturschutzverbände über die nun durchzuführenden Maßnahmen umfassend informiert. Renaturierungsmaßnahmen im Einzelnen Die im Rahmen der Gewässerrenaturierung vorgesehenen Umgestaltungsmaßnahmen erfolgen ausschließlich auf städtischen Flächen. In der Planung wurde berücksichtigt, dass sich die Überschwemmungsgefahr angrenzender Privatflächen nicht erhöht. Es ist vorgesehen, die Betonverbauung zu entfernen, das Bachbett soweit wie möglich zu verbreitern und den Bachverlauf mäandrieren zu lassen. Mit Aushubmaßnahmen wird das Gonsbachbett entsprechend der zur Verfügung stehenden Gewässerparzelle auf 12 Meter verbreitert, mit wechselnden Böschungsneigungen versehen und in der Längs- und Querentwicklung naturnah ausgebildet. Das Bachbett wird als Erdprofil ausgebildet und die Sohle zur Vermeidung der Versickerung des im Sommer geringen Abflusses in der Niedrigwasserrinne mit bindigem Erdmaterial abgedichtet. Auf dafür vorgesehenen Flächen werden Stillwasserbereiche und Flutmulden angelegt. Der Bereich der Retentionsfläche 2 wird so angelegt, dass sich eine Art Bruchwald entwickeln kann. Die Brücke an Schneiders Mühle und der Steg zum Angelrechweg werden rückgebaut und durch neue Bauwerke mit größerer Spannweite ersetzt. Nur an exponierten Stellen werden Befestigungsmaßnahmen erforderlich. So z. B. > am Beginn des Planungsbereiches direkt nach dem Durchlass Mainzer Straße, > an den Einleitestellen der beiden Regenüberläufe „Angelrechweg“ und „An der Nonnenwiese“ und > an den Ein- und Auslaufstellen der Retentionsflächen. Dabei kommen in erster Linie Bruchsteine zum Einsatz. In einigen Bereichen des Gonsbaches werden an Prallhängen Bäume gepflanzt, die einen Erosionsschutz bieten. Insgesamt werden entlang des Bachbettes weitere Bäume und Sträucher gepflanzt, die dem Bach die notwendige Beschattung geben. Der Gonsbach soll sich nach der Renaturierung morphologisch weiter entwickeln. Hierzu wird ein Gewässerpflegeplan erstellt, der mit dem Träger der Unterhaltung (Wirtschaftsbetrieb Mainz), der Wasserwirtschaftverwaltung des Landes (SGD-SÜD) und dem Naturschutz abgestimmt wird. Lage und Ausdehnung des Renaturierungsgebietes > Länge des Gewässerabschnittes: 1,2 Kilometer > Fläche des Renaturierungsgebietes: 6,0 Hektar > Retentionsvolumen: 9.700 Kubikmeter Renaturierung

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