Unterrichtspraxis unterschiedlichsten SchülerInnen anpassen


Planspiel Schulalltag: Lehren in komplexen Szenarien

Psychologisches Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bietet Lehramtsstudierenden realitätsnahe Unterrichtssimulation

Mainz, 29.05.13 (voi). Die theoretische Ausbildung von Lehramtsstudierenden hat eine klare Struktur, vermittelt vielfältige Inhalte und lehrt situative Handlungsempfehlungen. Die volle Komplexität des Lehrberufs aber wird meist erst in den ersten praktischen Unterrichtsstunden deutlich: Da sitzen lebendige Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Vorkenntnissen in einer Klasse, die unterschiedlich viel Bereitschaft mitbringen, sich zu interessieren, sich anzustrengen. Sie haben unterschiedliche Gefühle, wenn sie an Schule und die Aufgaben, an ihre Mitschülerinnen und Mitschüler und nicht zuletzt über sich und ihren Platz im Klassenverbund nachdenken. Einige können oder wollen sich nicht konzentrieren, andere haben ihre Noten schon „sicher“ und wieder andere glauben sowieso schon lange nicht mehr, dass sie durch eigene Anstrengung etwas ändern können. Und so erweist sich Unterricht als eine komplexe Aufgabe, die neben der Wissensvermittlung zusätzlich dadurch charakterisiert ist, dass stets Emotionen im Spiel sind, die das Nachdenken und Handeln aller Beteiligten positiv oder negativ beeinflussen. Das Planspiel Schulalltag, das das Psychologische Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Juni 2013 mit 80 Lehramtsstudierenden durchführt, bietet eine innovative Methode, diese Emotionen zugänglich zu machen und zu erkennen, wie und welche Emotionen in komplexen Situationen entstehen, welche Konsequenzen sie haben und welche Handlungs- und Regulationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Im Rahmen der Unterrichtssimulation werden ausführliche eigene Erfahrungen zusammengetragen und ausgewertet, wobei theoretische und empirische Befunde der Psychologie zum Tragen kommen. Ziel der Veranstaltung ist es, Dimensionen der eigenen und fremden Emotionen wahrzunehmen, das individuelle Handlungsrepertoire zu erweitern und Möglichkeiten der Emotionsregulation kennenzulernen und auf ihre Wirkung auszuloten. Als Expertin ist PD Dr. Ulrike Starker vom Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung der Otto-Friedrich-Universität Bamberg vor Ort, um mit ihrem Team das Planspiel durchzuführen. Die Simulation startet am 7. Juni 2013 mit einer Vorbereitungsrunde für die insgesamt 80 teilnehmenden Studierenden. Am 14. und 28. Juni 2013 findet das Planspiel dann mit jeweils 40 Studierenden in den Räumlichkeiten des Psychologischen Instituts der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt. Wenn sich die Methode in der Ausbildung von Lehrkräften bewährt, soll sie weiterentwickelt und als reguläre Angebotsform im Lehramtsstudiengang und gegebenenfalls auch in der Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern eingesetzt werden.

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