Beschäftigung behinderter Menschen in Italien ähnlich wie in Deutschland geregelt


Arbeit für behinderte Menschen in Italien

Mainz, 30.05.13. Wenn eine italienische Delegation sich über das duale Ausbildungssystem in Deutschland informiert, kann sich leicht der Eindruck verfestigen, dass die italienischen Arbeiter ungelernt seien. Dem ist nicht der Fall, nur das System ist anders. Wir haben die italienische Delegation, die den DGB und das MASGD besuchte, gefragt, wie es mit der Beschäftigung und Ausbildung behinderter Menschen in Italien steht: Statement Valter Bartolini, CGIL Toscana, Mitarbeiter Arbeitsmarktpolitik, zur beruflichen Integration Behinderter nach Abschluss der Schule in Italien.

Es gibt zwei Wege der Ausbildung für behinderte Menschen: Einerseits gibt es spezielle Ausbildungsbetriebe für Behinderte. Andererseits werden Unternehmen vom Staat gefördert, wenn sie behinderte Menschen selbst ausbilden. Sie erhalten dann die erforderlichen finanziellen Mittel für deren Ausbildung. Eine besondere finanzielle Unterstützung gibt es auch, wenn die Unternehmen die Behinderten nach der Ausbildung in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis übernehmen. Dann erhält der Betrieb von der jeweiligen italienischen Provinz Zuschüsse für eine behindertengerechte Ausstattung des Arbeitsplatzes. Außerdem werden Fortbildungen des behinderten Arbeitnehmers bezahlt. In Italien ist ebenfalls geregelt, wie viele behinderte Arbeitnehmer ein Unternehmen beschäftigen muss. Betriebe mit 15 Angestellten müssen mindestens einen Behinderten beschäftigen, Betriebe mit 25 Angestellten mindestens zwei Behinderte. Dann erhöht sich die Zahl der Menschen mit Behinderung, die eingestellt werden müssen, je 25 weitere Arbeitnehmer um einen. Allerdings gibt es in diesem Gesetz auch eine Regelung, mit der sich Unternehmen freikaufen können. Die Unternehmen können entweder höhere Steuern zahlen, und so die Einstellung von Menschen mit Behinderung umgehen, oder sie können alternativ Aufträge an Behindertenwerkstätten vergeben. In der Praxis wird diese Möglichkeit leider von vielen Unternehmen genutzt. “ Die beklagte Situation, dass sich Unternehmen von der Beschäftigungspflicht behinderter Menschen frei kaufen können, existiert in der Bundesrepublik ebenso. Entweder durch die Ausgleichsabgabe oder durch die Beschäftigung von Werkstattmitarbeitern auf sogenannten „“Außenplätzen“ oder durch den Ankauf von Waren aus Behindertenwerkstätten. Rheinland-Pfalz indes hat einen revolutionären Weg beschritten: das Budget für Arbeit. Dieses stattet behinderte Menschen, die eine Einstufung für eine Werkstatt für behinderte Menschen haben, mit einem Budget aus, das einem Unternehmen zufließt, das diese tariflich anstellt.

This entry was posted in Allgemein and tagged , , , , , , , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.