LandesschülerInnenvertretung gegen Zentralabitur


LSV kritisiert die jüngsten Beschlüsse der Kultusministerkonferenz: „Keine vergleichbaren Abschlüsse ohne Chancengleichheit!“

Mainz, 24.06.13. Die LandesschülerInnenvertretung Rheinland-Pfalz (LSV RLP) nimmt die jüngsten Absichtserklärungen der Kultusministerkonferenz mit Sorge zur Kenntnis. Mit der so genannten Implementierung von Bildungsstandards für die allgemeine Hochschulreife werden die Lehrpläne an Gymnasien, Gesamt- und Fachoberschulen in absehbarer Zeit noch enger werden und die dezentralen Abiturprüfungen in ihrer Vielfalt weiter beschnitten. „Es ist nur schwer nachvollziehbar, wie die aktuellen Beschlüsse der Kultusministerkonferenz (KMK) mit den Idealen und Zielen von Bildung vereinbar sein sollen“, erklärt Leo Wörtche, Vorstandsmitglied der LandesschülerInnenvertretung Rheinland-Pfalz. „Anlass für die Implementierung von Bildungsstandards für die Abiturprüfungen ist das Gefälle bei den Anforderungsniveaus von Abiturprüfungen zwischen den Bundesländern – unserer Meinung nach eine reine Symptombekämpfung einer logischen Konsequenz des Bildungsföderalismus“, so Wörtche weiter. Diese Anforderungsniveaus sind aber nicht mehr oder weniger als die Stofffülle in ihrer Gesamtheit und deren Vermittlung für eine Prüfung am Ende der Sekundarstufe II. Die allgemeine Hochschulreife an sich ist durch die prozentual und zahlenmäßig gestiegene Entwicklung nicht mehr alleiniges Kriterium für eine Hochschulzulassung, sondern lediglich das erste Selektionskriterium, weshalb wir, aufgrund der nach wie vor weltweit vorhandenen Niveauunterschiede von Abschlüssen, die mit dem Abitur vergleichbar sind, schlichtweg keinen Bedarf für diese Bildungsstandards sehen. Die LandesschülerInnenvertretung Rheinland-Pfalz vertritt offensiv die Überzeugung, dass diese Form von künstlicher Anpassung und Gleichmacherei, mit Blick auf den allgemeinen Zustand des völlig veralteten Schulsystems und der damit einhergehenden Lernkultur, ein weiterer Schritt weg von Chancengleichheit ist. Hierzu erklärt Johannes Domnick, Außenreferent der LandesschülerInnenvertretung: „Es ist abstrus, von Individuen, welche ihren Bildungsweg unter unterschiedlichen systematischen und persönlichen Bedingungen beschreiten, zu erwarten, dass diese ein gleiches Ergebnis in angeglichenen Prüfungen ablegen!“ Erst im Dezember 2012 hatte die Landeskonferenz der LSV RLP einen Beschluss zur Beibehaltung des dezentralen Abiturs gefasst, was auch von den bildungspolitischen Sprecherinnen der rot-grünen Regierungsfraktionen im rheinland-pfälzischen Landtag begrüßt wurde. VertreterInnen der SPD erklärten zudem, man werde auch parteiintern gegenüber Kolleginnen und Kollegen in anderen Bundesländern diese Position offensiv vertreten und den Status Quo in Rheinland-Pfalz wahren. Genau diese Bildungsstandards gefährden aber die Vielfalt der individuellen thematischen Ausgestaltung dezentraler Prüfungen. Das Ziel einer Prüfung ist die Messung von Wissen, Transferwissen und weiterer Fähigkeiten, zur Bescheinigung, dass bestimmte Wissensziele vorhanden und erreicht sind. Bildung ist und sollte nach den Vorstellungen der LSV die Bildung zur Selbstbildung und Entfaltung von Begabungen, Fähigkeiten und Interessen sein. Hierfür brauchen wir Chancengleichheit und Förderung nach Bedarf – für jede Schülerin und für jeden Schüler – und keinen gesteigerten Leistungsdruck durch noch mehr überfüllte Lehrpläne oder subjektiv-willkürlich festgelegte Normen. Die LSV RLP lehnt diese Bildungsstandards als verallgemeinernde und bürokratische Maßnahme ab. Allgemeine Prüfungsstandards bei unterschiedlichen Schulsystemen sind wie ein Deckel für unterschiedlich große Töpfe! Daher fordern wird die Landesregierung auf, diesen KMK-Beschluss, welcher für die Länder empfehlenden Charakter hat, nicht umzusetzen, wie es ab dem Schuljahr 2016/17 vorgesehen ist.

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