Grüne wollen schulische Inklusion vorantreiben


Inklusion ist Menschenrecht

Mainz, 25.06.13. Allen Menschen Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen, ist eines der Grundziele GRÜNER Politik. Aus diesem Grund hat die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag Rheinland-Pfalz 2012 Inklusion in der Bildung als einen ihrer politischen Schwerpunkte gewählt. Das Ziel: Allen Kindern mit Behinderungen soll es möglich sein, am regulären Unterricht teilzunehmen, wenn Eltern und Kinder dies wünschen. „Inklusion ist für uns der Schlüssel für mehr Gerechtigkeit, gerade dann, wenn es um Bildung und Teilhabe geht“, sagt Daniel Köbler, Fraktionsvorsitzender BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag Rheinland-Pfalz. Damit inklusive Bildung in Zukunft noch besser gelingen kann, sehen wir Herausforderungen vor allem in folgenden Handlungsfeldern: Inklusion und LehrerInnenbildung In der Praxis bedeutet dies: Die Landesregierung arbeitet derzeit an einem LehrerInnenbildungsgesetz, in dem Ziele und Inhalte der LehrerInnenbildung vor allem in Hinblick auf die Anforderungen von Inklusion neu formuliert werden. Der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Rheinland-Pfalz ist dabei besonders wichtig, dass der Leitgedanke der Inklusion nicht nur als Erweiterung des Angebots umgesetzt, sondern mit allen Bereichen der LehrerInnenbildung eng verknüpft wird. Mit LehrerInnenbildung ist sowohl die Phase des Lehramtsstudiums gemeint, wie auch die Fort- und Weiterbildung von im Schuldienst befindlichen LehrerInnen. Ein Beispiel: Inklusiver Unterricht erfordert zieldifferentes Lernen. Wir wollen den individuellen Begabungen und Förderbedarfen aller Kinder gerecht werden. Zieldifferentes Lernen bedeutet, dass innerhalb der Klasse unterschiedliche Lernziele angestrebt werden, um den individuell unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Kinder gerecht werden zu können. Formen individualisierten Lernens kommen allen Kindern zugute, nicht nur denjenigen mit einem besonderen Förderbedarf. Beim zieldifferenten Lernen können Kinder gemeinsam an einem Unterrichtsgegenstand arbeiten, aber in unterschiedlichem Tempo und mit verschiedenen Zielsetzungen. Für die LehrerInnenbildung bedeutet das, dass unabhängig von Schulform und Themengebiet bis hinein in die Fachdidaktik Aspekte von inklusivem Lernen berücksichtigt werden müssen. Partizipation und demokratische Teilhabe ausbauen „Demokratie will gelernt sein“, sagt Ruth Ratter Bildungspolitische Sprecherin BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag Rheinland-Pfalz. „Eine wertschätzendende und an Mitbestimmung orientierte Schulkultur unterstützt den Perspektivwechsel, den wir für Inklusion brauchen: An Mitbestimmung orientierte Schulkultur fördert Empathie, die Fähigkeit, eigene Interessen zu artikulieren sowie Anerkennung von Verschiedenheit und der gleichen Rechte Aller.“ Für eine Erweiterung von Teilhabe müssen die bestehenden gesetzlichen Möglichkeiten ausgeschöpft und erweitert werden. Dafür brauchen wir vor allem mehr demokratiepädagogische Kompetenz in der Lehrerbildung und mehr Bereitschaft, Demokratie in der Schule zu wagen. Multiprofessionalität Gute Bildung braucht Teamwork. Für eine optimale Förderung aller Kinder müssen nicht nur LehrerInnen zusammen arbeiten. Besonders wichtig ist die Zusammenarbeit über fachliche und disziplinäre Grenzen hinaus: Lehrkräfte, Integrationskräfte, SchulsozialarbeiterInnen, TherapeutInnen und ÄrztInnen müssen zusammen arbeiten, um verschiedene professionelle Perspektiven zusammen zu bringen. Dafür muss ein institutioneller Rahmen geschaffen werden. Multiprofessionalität bedeutet auch, Raum zu schaffen für eine nachhaltige und professionelle Einbindung außerschulischer Partner. Die Erweiterung der Förderschulen zu Förder- und Beratungszentren wird bei der Schaffung von Räumen für multiprofessionellen Austausch eine zentrale Rolle spielen. Übergänge und Beratung Für die verschiedenen Übergänge in den Bildungseinrichtungen – von der Kita zur Grundschule, von der Grundschule zur weiterführenden Schule und von der weiterführenden Schule in die Beschäftigung – müssen die Beratungslücken zwischen den einzelnen Institutionen geschlossen werden. „Eine kontinuierliche Begleitung des Kindes und Vernetzung aller unterstützenden Kräfte ist die Grundlage für eine intensivere Zusammenarbeit aller Beteiligten“, sagt Dr. Fred Konrad, Sozialpolitischer Sprecher BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag Rheinland-Pfalz. „Der Austausch zwischen den Eltern, ErzieherInnen, LehrerInnen und TherapeutInnen an den Schnittstellen von Betreuung und Bildung spielt eine wichtige Rolle. In den inklusiven Kitas erstellen bereits Förderpläne für Kinder mit besonderem Förderbedarf und sollen den Übergang der Kinder in die Schule begleiten. Die KiTa- Teams kennen die Bedürfnisse und Bedarfe, Stärken und Schwächen und können zur individuellen Lern-und Förderplanung beitragen.“ Insbesondere ist aber auch die Begleitung des Übergangs in die Berufswelt für Menschen mit Beeinträchtigung von Bedeutung. Die Berufsbildenden Schulen müssen daher weiter fit gemacht werden, um eine individuelle Berufsvorbereitung gewährleisten zu können. Inklusion im Bildungssystem geht nicht auf Knopfdruck. Die Vielfältigkeit der Menschen ist eine Realität, deren Chancen und Herausforderungen wir auf dem Weg in eine inklusive Bildungslandschaft angemessen begegnen müssen. Inklusion bedarf einer Kultur der Wertschätzung, die erst noch wachsen muss: die nicht Defizite, sondern Begabungen ins Zentrum rückt und allen Menschen das gleiche Recht auf Teilhabe garantiert. Denn Inklusion ist Menschenrecht! Schwerpunkt Inklusion Zum Schwerpunktthema „Inklusion und Bildung“ veranstaltete die Landtagsfraktion 2012 unter Schirmherrschaft von Cem Özdemir zunächst sieben regionale Diskussionsveranstaltungen in allen Landesteilen. Die Veranstaltungen in Landau, Bad Kreuznach, Landstuhl, Mainz, Trier, Speyer und Koblenz wurden von den eingeladenen BürgerInnen, vor Ort tätigen PädagogInnen und VertreterInnen von Behindertenverbänden rege besucht und zu einem intensiven Austausch genutzt. Das auf diese Weise gewonnene Stimmungsbild nutzte die Fraktion zunächst als Grundlage für interne Sondierungen. Als deren Ergebnis fanden zahlreiche Beratungen mit WissenschaftlerInnen, PraktikerInnen und Behindertenverbänden statt, die am 25. Januar 2013 auf der Fraktionsveranstaltung „Inklusion in KiTa und Schule“ in ein Spitzengespräch der drei involvierten Ministerien mündete. Als zentrales Resultat dieses intensiven Prozesses liegt nun mit der Beantwortung unserer Großen Anfrage „Inklusion und Bildung“ ein Zwischenfazit vor, das als Grundlage zur Planung der nächsten Schritte im großen Projekt Inklusion dient.

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