Bertelsmann Stiftung kritisiert Personalschlüssel in Kindergärten und lobt Betreuungsquote in Rheinland-Pfalz


Eine Frage der Qualität: Personalschlüssel für Kitas in Rheinland-Pfalz sind ausbaufähig

„Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme“: Auf dem Weg zum Rechtsanspruch auf ganztägige Kita-Betreuung ist Rheinland-Pfalz anderen West-Bundesländern voraus

Gütersloh, 04.07.13. Es fehlt an Erzieherinnen: Der Personalmangel in der Kinderbetreuung ist nicht nur die größte Hürde, wenn es ab August gilt, den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einzulösen. Auch die Qualität der frühkindlichen Bildung ist ausbaufähig. In Rheinland-Pfalz bieten die Krippen eine leicht schlechtere Betreuungsrelation als der Durchschnitt der westdeutschen Bundesländer. Allerdings: Die Mehrzahl der U3-Kita-Kinder in Rheinland-Pfalz besucht keine Krippe, sondern andere Gruppenformen – und die bieten noch schlechtere Bedingungen. Das geht aus dem diesjährigen „Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme“ hervor, den die Bertelsmann Stiftung heute veröffentlicht. Stichtag für die Datenerhebung war der 1. März 2012. In den Krippengruppen in Rheinland-Pfalz betreut eine Vollzeitkraft rechnerisch annähernd vier Ganztagskinder (1:3,8). Zum Vergleich: Im Durchschnitt der West-Länder liegt dieser Krippenpersonalschlüssel bei 1:3,7. Damit ist Rheinland-Pfalz vergleichsweise weit entfernt vom Personalschlüssel, den die Bertelsmann Stiftung empfiehlt (1:3). Die im Ländervergleich günstigste Betreuungsrelation haben die Krippen in Bremen, wo auf eine Erzieherin rechnerisch 3,1 Kinder kommen. Die Bildungschancen der unter Dreijährigen verschlechtern sich, wenn sie statt einer Krippe andere Gruppenformen besuchen, in denen auch ältere Kinder betreut werden. In Rheinland-Pfalz gilt dies für 70 Prozent der unter dreijährigen Kita-Kinder. So sind fast 18 Prozent dieser Altersgruppe in einer Gruppe mit Kindern unter vier Jahren, die einen Personalschlüssel von 1:5 aufweisen. Mehr als 28 Prozent besuchen eine altersübergreifenden Gruppe (1:6,5). Weitere fast 24 Prozent der Kita-Kinder unter drei Jahren müssen sich in einer für Zweijährige geöffneten Kindergartengruppe mit einem durchschnittlichen Personalschlüssel von 1:8,1 begnügen. Mit Blick auf den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, den Kinder ab dem vollendetem ersten Lebensjahr von August an besitzen, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung: „Der notwendige Ausbau der Kita-Plätze darf nicht zu Lasten der Qualität gehen. Die große Mehrzahl der unter Dreijährigen findet in Rheinland-Pfalz schon heute alles andere als optimale Bedingungen.“ Für die Qualität von frühkindlicher Bildung ist es von entscheidender Bedeutung, wie viele Kinder eine Erzieherin zu betreuen hat. Studien zeigen: Bessere Personalschlüssel ermöglichen mehr bildungsanregende Interaktionen und Aktivitäten für die Kinder. Zudem hat sich gezeigt, dass bei vergleichsweise guten Personalschlüsseln Kinder ihre sprachlich-kognitiven und sozialen Fähigkeiten besser entwickeln. In der Gruppe der Kinder zwischen drei Jahren und Schuleintritt ist die verfügbare Zahl der Plätze bundesweit kaum noch ein Problem. Auch in Rheinland-Pfalz nehmen 97,5 Prozent aller Kinder zwischen drei Jahren bis zum Schuleintritt eine Kindertagesbetreuung in Anspruch – in keinem Bundesland ist die Quote höher. Die Personalausstattung der rheinland-pfälzischen Kindergartengruppen ist mit 1:9 jedoch wie auch in den Krippen ungünstiger als im West-Durchschnitt (1:8,6) und erreicht nicht die Empfehlung der Bertelsmann Stiftung von 1:7,5. Spitzenreiter unter den Bundesländern ist auch bei den Kindergärten Bremen mit einem Personalschlüssel von 1:7,3. Vergleichsweise hoch ist der Anteil der Kita-Kinder, die in Rheinland-Pfalz mehr als 35 Stunden wöchentlich in ihre Kindertageseinrichtung gehen. Mit rund 58 Prozent ganztags betreuten Kita-Kindern liegt Rheinland-Pfalz deutlich über dem Durchschnitt der westdeutschen Bundesländer (44 %). Auch ist es eines der wenigen Länder, in denen die älteren Kinder gleich viel Ganztagsbetreuung finden wie die unter Dreijährigen. Dies ist offensichtlich auf den in Rheinland-Pfalz gesetzlich verankerten Anspruch auf eine Betreuung von sieben Stunden pro Tag zurückzuführen. „Dies kommt einem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung schon sehr nahe. Rheinland-Pfalz ist damit anderen Bundesländern weit voraus, kann aber auch selbst noch besser werden“, sagte Dräger. Zum Länderreport „Frühkindliche Bildungssysteme“: Grundlage des jährlich erscheinenden Reports sind Auswertungen von Daten der statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus der Kinder- und Jugendhilfestatistik und weiteren amtlichen Statistiken sowie einer Befragung aller zuständigen Fachministerien der Bundesländer durch die Bertelsmann Stiftung. Die Berechnungen hat der Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut / Technische Universität Dortmund durchgeführt. Der Länderreport bietet für jedes Bundesland ein Profil seines frühkindlichen Bildungssystems. Diese Profile sowie alle weiteren Daten und Fakten zu den frühkindlichen Bildungssystemen finden Sie im Internet unter www.laendermonitor.de. Der Personalschlüssel umfasst die Gesamtarbeitszeit einer Erzieherin, die sie einerseits direkt mit Kindern verbringt und darüber hinaus für weitere Aufgaben benötigt wie z.B. Elterngespräche, Teamsitzungen, Fortbildungen oder die Kooperation mit anderen Institutionen. Für diese Aufgaben benötigt sie mindestens 25 Prozent ihrer Arbeitszeit. Hieraus ergibt sich bei einem Personalschlüssel von 1:3 eine Fachkraft-Kind-Relation von einer Vollzeitkraft zu vier Ganztagskindern.

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