Es fährt kein Zug nach Irgendwo am Hauptbahnhof Mainz


Sie wollen nach Mainz? Nehmen Sie besser das Auto!

Lewentz schreibt an Grube

Mainz, 05.08.13. Es geht nichts mehr bei der Deutschen Bahn am Mainzer Hauptbahnhof. Wegen „eines überraschend hohen Krankenstandes bei den Fahrdienstleitern in der Urlaubszeit“ kann das Stellwerk des Mainzer Bahnhofs nicht mehr voll bedient werden. Fernzüge werden häufig um den Mainzer Hauptbahnhof weiträumig umgeleitet, Nahverkehrszüge fallen ganz aus. Besonders schlimm war es am Sonntag Abend, der Mainzer Bahnhof war voller Reisewilliger, es kamen nur keine Züge… Die Probleme werden noch die ganze Woche andauern, verlautet es aus der Pressestelle der DB in Frankfurt. Ach Deutsche Bahn, wenn die zuständigen Bahnmanager in der Industrie wären, wären sie spätestens Sonntag Abend entlassen worden, fristlos! Kein Unternehmen kann es sich leisten, Produktion oder Dienstleistung einzustellen, ohne großen Schaden zu nehmen. Die Bahn treibt so die Menschen ins Auto oder in den Fernbus. Die Bahn hat zu wenig Personal, kritisiert die Eisenbahn und Verkehrsgewerkschaft. Das stimmt schon lange. Pendler berichteten immer wieder, daß Züge ausfallen, weil der Lokführer krank geworden ist. Die Bahn hat keinen Notfallplan für Personalengpässe. Die Bahn hat aber den Auftrag zur fahrplanmäßigen Personenbeförderung. Ist diese wegen Unwettern oder Unfällen auf dem üblichen Wegen nicht zu bewältigen, muß ein Schienenersatzverkehr eingesetzt werden. Bei Personalengpässen sind die Leute aus dem Urlaub zu holem, koste es was es wolle! Irgendwo in dem weiten Zuständigkeitsbereich der DB Frankfurt wird es wohl auch noch den Einen oder Anderen Fahrdienstleiter geben, der gerade pensioniert wurde und für eine Krankheitsvertretung zu reaktivieren ist. Jedes Privatunternehmen würde dies tun. Nicht so die Bahn. Aus alter Zeit sieht sie sich noch immer hohheitlich. Die Kunden sind ihr egal. Chef der Bahn ist das Eisenbahnbundesamt und natürlich der Vertreter des Mehrheitseigners der BRD, Bundesverkehrsminister Ramsauer. Letzterer ist allerdings sogar ein Totalausfall, wenn er nicht gerade krank oder in Urlaub ist. landeszeitung-rlp.de wollte von Infrastrukturminister Roger Lewentz wissen, was er vom Chaos am Mainzer Hauptbahnhof hält. Sein Sprecher schrieb uns: der Minister ist natürlich verärgert darüber, dass die Bahn sich wegen einer personellen Unterbesetzung bei den Fahrdienstleitern derzeit außer Stande sieht, in der Landeshauptstadt Mainz einen auftragsgemäßen Fern- und Nahverkehr zu gewährleisten. Aus unserer Sicht handelt es sich hierbei um das Ergebnis einer verfehlten weil einseitig auf den seinerzeit geplanten Börsengang ausgerichteten Personalpolitik der Deutschen Bahn AG in der Vergangenheit. Minister Lewentz erwartet, dass die Bahn umgehend alles tut, was erforderlich ist, um in Mainz und Umgebung wieder einen störungsfreien Bahnverkehr zu gewährleisten. Sein großes Unverständnis darüber, dass die Bahn überhaupt in eine solche Situation kommen konnte, hat Minister Lewentz auch in einem Schreiben an Bahnchef Grube zum Ausdruck gebracht. Das Land hat leider keinerlei Einfluss auf die Deutsche Bahn AG: Die aufsichtführende Behörde ist das Eisenbahn-Bundesamt, welches wiederum dem Bundesverkehrsministerium unterstellt ist. Insofern können wir nur dringend an die Bahn und die sie beaufsichtigenden Häuser appellieren, alles zu tun, um den offenkundigen Personalengpass bei den Fahrdienstleitern schnellstmöglich zu beseitigen. Mögliche Schadenersatzforderungen an die Deutsche Bahn AG muss ggf. der betroffene Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (ZSPNV) Süd durchsetzen. Ob die rechtlichen Voraussetzungen hierfür gegeben sind, kann ich Ihnen derzeit leider nicht sagen, da diese Frage von den Juristen der beteiligten Stellen noch geprüft wird.

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