Rheinland-Pfalz bei gebundenen Ganztagsschulen vorn


Rheinland-Pfalz holt beim Ganztag langsam auf – Mehr als jeder fünfte Schüler geht ganztags zur Schule / Gebundene Angebote relativ gut ausgebaut / Bertelsmann Stiftung spricht sich für Rechtsanspruch aus

Gütersloh, 05.08.13. Viele gebundene, aber insgesamt zu wenige Ganztagsangebote – dieses gemischte Fazit zieht eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zum Ausbau der Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz. Im Schuljahr 2011/12 nutzten 87.628 Kinder und Jugendliche in Rheinland-Pfalz Ganztagsangebote. Das sind 22,3 Prozent aller Schüler in Rheinland-Pfalz; im Schuljahr zuvor waren es 20,3 Prozent. Trotz der Steigerung liegt Rheinland-Pfalz damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von gut 30 Prozent. Hingegen besuchen überdurchschnittlich viele Schüler in Rheinland-Pfalz eine gebundene Ganztagsschule – dieser Schulform attestieren Wissenschaftler das größte Potenzial, für mehr Chancengerechtigkeit zu sorgen. Wie die Studie des Essener Bildungsforschers Professor Klaus Klemm zeigt, bewegt sich Rheinland-Pfalz im Ländervergleich mit seiner Quote der Ganztagsschüler im unteren Drittel – deutlich hinter Spitzenreiter Sachsen (78,5 Prozent), aber vor Schlusslicht Bayern (11,4 Prozent).Der Bundesdurchschnitt beträgt 30,6 Prozent. Auch die Elternnachfrage deckt das Angebot in Rheinland-Pfalz bei weitem nicht – zumindest, wenn man bundesweit repräsentative Umfragen zum Maßstab nimmt. Bereits 2010 hatte infratest dimap im Auftrag der Bertelsmann Stiftung ermittelt, dass 63 Prozent der Eltern sich für ihr Kind den Besuch einer Ganztagsschule wünschen. Im vergangenen Jahr war dieser Wert nach einer Erhebung von TNS Emnid bereits bei 70 Prozent angelangt. Ein relativ hoher Anteil von 19,4 Prozent der Schüler besuchen in Rheinland-Pfalz (Vorjahr: 17,8 Prozent) eine gebundene Ganztagsschule. Dieser Wert liegt deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 13,7 Prozent. Im Vergleich zur offenen Ganztagsschule, in denen den Schülern die Nutzung der Nachmittagsangebote frei steht, gelten in der gebundenen Ganztagsschule für alle Schüler einer Klasse dieselben Unterrichtszeiten. Nach wissenschaftlichen Studien bietet dieses Modell die besten Möglichkeiten, das soziale und kognitive Lernen zu fördern – und damit auch Benachteiligungen von Kindern aus bildungsfernen Familien zu verringern. Zudem ermöglicht der gebundene Ganztag eher, zwischen Konzentrations- und Entspannungsphasen abzuwechseln und den starren 45-Minuten-Takt aufzubrechen. „In der offenen Ganztagsschule konzentriert sich der Unterricht weiterhin auf den Vormittag, während nachmittags nur Betreuung möglich ist. Das mag berufstätigen Eltern entgegenkommen, dem Lernerfolg der Kinder hilft das weniger“, so Dräger. Dräger bekräftigte deshalb den Vorschlag der Bertelsmann Stiftung, jedem Schüler einen Rechtsanspruch auf den Besuch einer Ganztagsschule einzuräumen: „Ein Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz ist der entscheidende Hebel für eine staatliche Investitionsoffensive. Die Länder brauchen auch gemeinsame Qualitätsstandards, damit die Ganztagsschule überall ihre Potenziale für mehr Chancengerechtigkeit entfalten kann.“ Eine Studie der Bertelsmann Stiftung hatte im vergangenen Jahr die Kosten für einen flächendeckenden Ausbau der gebundenen Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz auf jährlich rund 485 Millionen Euro beziffert.

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